Statt Prost Prostata

"Eigentlich is wurscht" heißt Toni Lauerers Programm, mit dem er am Freitagabend in der Stadthalle glänzte. "Eigentlich is wurscht", was der Lauerer sagt. Er kommt beim Publikum immer gut an.

Neustadt/WN. (fz) Auch in Neustadt begeistert Lauerer die über 500 Besucher, weil er genau das anspricht, was die Leute so tagaus tagein erleben. Sein Talent, das Alltägliche mit seinem speziellen Witz zu würzen, hat ihn zu einem der erfolgreichsten bayerischen Humoristen gemacht.

Bekannt dafür, Alltägliches mit Klischees und Selbstironie auf die Spitze zu treiben, nimmt der Standesbeamte die Schwächen seiner Mitmenschen in bewusst übertriebener Weise ins humoristische Visier. Er hält den Spiegel vor, ohne den Zeigefinger zu erheben, und zeigt, dass genau die kleinen Fehler die Menschen liebenswert und einzigartig machen.

Statt auf Ibiza auf Reha

Mit viel Mimik und Gestik ("Es ist einfach, wennst blöd schaust, dann lachn d'Leit leichter") zündet Lauerer ein Feuerwerk an Witz und Humor. Inspirieren lässt er sich von seinen Stammtischbrüdern. Früher ist alle paar Minuten das Wort Prost gefallen, und jetzt macht dafür das Wort Prostata die Runde. Wenn früher einer am Stammtisch gesagt hat "D'Eichel sticht, dann hat er einen Solo beim Schafkopf gespielt. Heut' hat er einen Termin beim Urologen. Früher samma auf Ibiza gfohrn und aaf Mallorca, jetza fohrma aaf Reha."

In der Pause sagt ein männlicher Besucher: "Wennst den hörst, wenn er vom Stammtisch erzählt, dann könntest meinen, der sitzt bei uns in der Ecke und lauscht." Genau das ist es, Lauerer beobachtet und hört zu, und daraus zieht er Ideen für sein Programm. Er spricht von den Tücken des Facebooks, beschreibt nervenaufreibende Wartezeiten am Pfandautomaten und an der Kasse im Supermarkt, wenn eine ältere schwerhörige Dame vor ihm den fatalen Satz sagt: "An Moment Freilein, i moin i hobs kloa".

Selbst schon über 50, aber innerlich 25 Jahre wird ihm im zweiten Teil des Abends klar, warum er immer wieder an Krankheiten denken muss. Seine Frau hat ihn zur Darmspiegelung angemeldet. Welchen Witz er diesem humorlosen Thema abgewinnen kann, bringt das Publikum schier aus dem Häuschen. Da fließen Tränen.

Akt des Grauens

Lauerer filetiert geradezu den Akt dieses Eingriffs bei Männern über 50 von Anfang bis Ende und liefert ihn als Akt des Grauens auf einem Tablett. Für letztere Geschichte soll er sogar demnächst für den Burda-Medienpreis vorgeschlagen werden, weil er es schafft, ein tabuisiertes und scheinbar humorloses Thema mit einem kräftigen Schuss Selbstironie ins Gespräch zu bringen.

Lachen ist gesund. Wenn dies zutrifft, dann gingen über 500 Besucher gesünder heim. Aber auch für Lauerer war der Abend ein Highlight, berichtet er in der Garderobe. Die zurückhaltenden Oberpfälzer erlebte der Further nirgends so ausgelassen wie in Neustadt. "Die reißen dich mit, wennst merkst, wie die Menschen bei so einem "Sch....thema" mitgehen. Das war ein Heidenspaß." Dem ist nichts hinzufügen.
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