Stefan Mickisch vermittelt die Kunst des Komponisten
Eintauchen in Wagners Welt

Gebannt richten sich alle Augen im Publikum auf die Hände von Stefan Mickisch, der am Flügel musikalisch untermauert, was er zuvor erklärt hat. Der 51-jährige Schwandorfer lockt seit 15 Jahren mit seinen hochgelobten Wagner-Einführungsvorträgen Musikfreunde nach Bayreuth. Bilder: Götz
Lokales
Deutschland und die Welt
24.08.2013
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Der Meisterkomponist Richard Wagner ist natürlich auch mit im Saal - in Form einer Büste.
Unprätentiös betritt Stefan Mickisch die Bühne im Saal des Evangelischen Vereinsheims in Bayreuth. Einen "Musikvermittler des 21. Jahrhunderts" nannte ihn die Volksoper Wien einmal. "Einführungsvortrag" nennt der so Gelobte in aller Bescheidenheit seine eineinhalbstündige Ein-Mann-Darbietung. Bereits seit 15 Jahren erläutert der kenntnisreiche Kommentator jedes Mal zur Festspielzeit das Werk Wagners. Die erfolgreiche Veranstaltungsreihe, zu der bei jedem der 30 Termine rund 300 Interessierte kommen, bietet eine facettenreiche, humorvolle und detaillierte Unterweisung, die man auch ohne jegliches Vorwissen genießen kann.

Völlig unvermittelt und ohne lange Vorrede steigt der gebürtige Schwandorfer in seine Erklärungsreise durch die "Götterdämmerung" ein. Gleich zu Beginn beruhigt er das Publikum: "Man kann Wagner unvorbereitet genießen, oder ihn aber erst nach großen Anstrengungen verstehen." Diese Anstrengungen erspart der 51-Jährige dem Auditorium, indem er in rascher Abfolge kleine Sequenzen aneinanderreiht, diese ohne große Umschweife anschaulich darstellt, erklärt, dem Publikum nahe bringt.
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Klischees im Kopf

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Es klingen Namen aus der fantasievollen Dramaturgie Wagners durch den Raum, jedoch kann man rasch feststellen, dass eine halbwegs vernünftige Allgemeinbildung die Welt des großen Komponisten ein Stück weit erfassen kann. Siegfried, Hagen, der Ring, Lohengrin oder Tannhäuser sind fast jedem Zuhörer ein Begriff.

Aber was weiß der bislang ahnungslose Nicht-Wagnerianer sonst noch, welche Gedanken schießen ihm flüchtig durch den Kopf? "Festspielhaus" vielleicht, "lange Kartenwartezeiten", "viel Musik, schwierige Musik", "hohe Ansprüche an den Zuhörer" - auch, was die physische Ausdauer und das Sitzfleisch angeht. Immer jedenfalls hat man als Besucher der Bayreuther Festspiele die Gewissheit: Man war einmal dabei, kann mitreden. Wer jedoch sind die Menschen, die einen Einführungsvortrag von Stefan Mickisch besuchen?

Das Publikum ist gemischt. Die Reaktionen auf die Art, wie Mickisch seinen Vortrag gestaltet, sind aber immer wieder ähnlich. Die "Ahnungslosen", und die sind auf jeden Fall da, reagieren aufgeschlossen und begeistert auf den unkonventionellen Stil Mickischs und auch auf das, was er vorträgt - seine Erläuterungen und sein Spiel. Ihre Begeisterung zeigen aber deutlich auch diejenigen im Saal, die eindeutig erprobte Wagnerianer sind. Mickisch ist Pianist, Komponist und Musikwissenschaftler. Er ist bekannt als begnadeter Improvisator und kenntnisreicher Kommentator jedweder Musik - und er hat ein unbestreitbares Talent als Entertainer.

Ist er nicht weltweit zu Konzerten unterwegs, lebt er in seiner Heimatstadt Schwandorf. Das Hören sei, so Mickisch, ein "Prozess der Freude, in dem man viel über sich und die Welt entdeckt." Wagner zu entdecken sei ein vergnüglicher und gigantischer Lernprozess. Er verurteilt keinen Zuhörer, der Wagner vorher nicht erkundet und sich nicht informiert hat. Jedoch: "Man kann ohne Vorkenntnisse Wagner hören, aber es fehlt dann der verständnisvolle Zugang."

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Lust auf mehr

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In rascher Abfolge, aber ohne den Zuhörer zu überfordern, erläutert Mickisch dann einzelne Motive in der "Götterdämmerung" und in anderen Opern Wagners: Nornenmotiv, Nornenseilmotiv, Schicksalsmotiv, Welteschenmotiv. Immer wieder verknüpft er seine Erläuterungen mit aktuellen Bezügen zu Politik und Gesellschaft - sachkundig, informiert, zugleich vergnüglich, mitunter mit einer valentinesken Intonation. Und immer bleibt er nicht nur theoretisch, sondern spielt einzelne Passagen auf dem Flügel, um das Gesagte zu illustrieren. Und das tut er mit künstlerischem Selbstbewusstsein: "Ich spiele selbst, dann weiß ich, dass es gut ist."

Irgendwann hat dann auch der letzte Zuhörer das Gefühl: "Jetzt hab ich doch einiges verstanden." Und so wächst sicher beim einen oder anderen die Lust, irgendwann einmal eine komplette Wagner-Aufführung zu besuchen. In Bayreuth oder anderswo.

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Stefan Mickischs Website im Internet:

http://www.mickisch.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11339)August 2013 (9598)
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