Steine der Verbundenheit

Der Zen-Garten beim Schloss in Pobežovice soll dem Besucher als Ort der inneren Einkehr dienen. Alle Festreden wurden in die Landessprachen der Anwesenden aus Tschechien, Japan und Deutschland übersetzt. Bild: mmj

"Unsere Herzen umarmen und zum Nachdenken anregen" - Das ist die Botschaft, die der japanische Garten in der tschechischen Partnerstadt des Schönseer Landes seinen Besuchern mitgeben soll. Hochrangige Gäste aus Tschechien, Japan und Bayern fanden sich zur Einweihung auf dem Schlossgelände ein.

Bürgermeister Hynek Ríha begrüßte am Freitag neben den über einhundert Ehrengästen auch viele Bürger im Schlossgarten von Pobežovice. Aus der Partnerkommune und Verwaltungsgemeinschaft Schönsee nahmen am Festakt auch die Bürgermeister Birgit Höcherl (Schönsee) Manfred Dirscherl (Weiding) teil, während die Abendsonne das Gelände in anheimelndes Licht tauchte. Die hochkarätigsten Gäste waren der japanische Botschafter in Prag, Tetsuo Yamakawa, und der ehemalige Außenminister und Abgeordnete des tschechischen Parlaments, Karel Schwarzenberg.

Bürgermeister Ríha sah in dem "Garten des Friedens" die symbolische Rückkehr der Gräfin Mitsuko Coudenhove-Kalergi nach Pobežovice, dem ehemaligen Ronsperg. Die gebürtige Japanerin und ihr Ehemann, der österreichisch-ungarische Diplomat Heinrich Graf von Coudenhove-Kalergi, bewohnten das Schloss Anfang des 20. Jahrhunderts. Der japanische Zen-Garten stellt nun einen weiteren Schritt in Richtung der Renovierung des Schlosses dar, erklärt Jana Podskalská, Leiterin des Informationszentrums und die "rechte Hand" der japanischen Schriftstellerin Masumi Böttcher-Muraki.

Die Ehrenbürgerin von Pobežovice, die in Deutschland bereits mehrere solche Projekte realisiert hatte, war auch die Ideengeberin für den Steingarten in Tschechien. Innerhalb von zehn Tagen wurde er von zehn japanischen Architekten und Landschaftsgärtnern angelegt und kann jetzt im öffentlichen Schlosspark bewundert werden. Dabei soll er jedoch nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern auch zum Nachdenken anregen. Die Redner gaben dazu verschiedene Impulse: Zentral im Blick seien die großen Steine, die die europäische Familie verkörpern und so als Zeichen für die Völkerverständigung und Verbundenheit zwischen den Ländern stehen, so Podskalká.

Bürgermeisterin Höcherl knüpfte an diesen Gedanken an: Die Nachbar- und Partnergemeinden Weiding, Stadlern und Schönsee seien eng mit ihren tschechischen Nachbarn befreundet. Zudem sei der Garten auch dem Graf selbst gewidmet, der die drei großen Weltreligionen als "Söhne einer Mutter" verstand, erklärte Böttcher-Muraki und griff so die Familien-Metapher noch einmal auf. Über diese Worte freute sich vor allem die Urenkelin der Gräfin, Katharina Coudenhove-Kalergi, und bedankte sich für die rege Teilnahme am Gedenken an ihre Urgroßmutter. "Der Zen-Garten ist ein Ausdruck der Freundschaft zwischen Japan, Böhmen und Deutschland. Er erinnert an die Vergangenheit, soll aber auch dazu genutzt werden, um über die Zukunft nachzudenken", betonte der japanische Botschafter Yamakawa. Parlamentsabgeordneter Schwarzenberg verwies zudem auf die aktuelle politische Situation und appellierte: "Wir dürfen nicht vergessen, dass der Gründer der ältesten europäischen Einigungsbewegung ein halber Japaner war." Im Anschluss folgte die Segnung des Gartens durch zwei Geistliche aus Bayern.
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