Sterben nicht todernst

Stoff für ein Kabarett? Am Wochenende zeigten Karin Thaller, Isolde Baldauf sowie Monika und Bernhard Helmstreit mit ihrem Programm "Zum Sterben schön", dass man dem Tod auch heitere Seiten abgewinnen kann.

Püchersreuth. (gag) Dass an diesem Thema reges Interesse besteht, bewies der Ansturm in der "Hiaslbauern-Stubn". Eingeladen hatte das Katholische Landvolk (KLB) Püchersreuth. "Der Tod verfolgt mich, seit ich dieses Programm mache", klagte Monika. "Zum Abschalten wollte ich den Fernseher einschalten. Und was kommt? "Wer früher stirbt ist länger tot". Okay, umschalten. Dort lief "Stirb langsam 1 +2". Also dann Radio. "Lean on me" - ist das nicht die Hymne der Totengräber? "Lehm auf mich"? Das Publikum amüsierte sich köstlich.

Schon vorher hatte sich Monika beklagt, dass sie im Theater immer die Leiche spielen muss. Festgelegt auf eine Rolle, wie Marieluise Marian auf die Mutter Beimer. Dazu der makabere Gesang von Karin Thaller über die "Koide Leich", begleitet von Isolde Baldauf am Piano und Bernhard Helmstreit am Bass. Könnte da nicht lieber Til Schweiger die Leiche spielen, mit nacktem Oberkörper? "Dat wär doch lecker, und damit würde uns auch sein Genuschel erspart bleiben."

Locker, respektlos und sarkastisch sang Karin Thaller über den Tod, den nur die Katholischen fürchten, weil die ans Fegefeuer glauben. "Wie bring ich die Zeit bis zu meiner Beerdigung bloß rum?", fragte sie sich. Traurig-gruselig wurde es, als nach einer Toneinspielung eines Autounfalls samt anschließendem Martinshorn Monika Helmstreit auf die Melodie von "Aint no sunshine" das Drama eines tödlich verunglückten Liebespaares sang. "Zum siebten Himmel wollten wir, jetzt sind wir hier. Nach dem Unfall gemeinsam im Tod vereint."

Rothaariges Luder

Angstfrei sterben? Davon sang Karin Thaller mit "Oh Lord". Von einer Frau, die gerne sterben würde, sich schon freut, als es soweit ist, und schließlich brutal durch ärztliche Methoden ins Leben zurückgeholt wird, durch Schläuche und die Pharmaindustrie. Dazu begleitete sie sich selber auf der Akustikgitarrre, ihre Mimik und Schauspielkunst unterstrichen den Text.

Absolut sexy trat Monika als rothaariges Luder auf, das sich den 80-jährigen Willibald angelacht hatte, der aber kurz vor der Hochzeit starb. Sie stellte sich vor als "Angelika, 35. Im Schnitt. Ein Teil ist älter, ein Teil jünger." Im Chor, begleitet von Bernd Helmstreit am Bass, sang das Frauentrio schließlich von Hans-Josef und seinem Missgeschick mit dem Pilzgericht.

Und was kommt danach? Da steht man "nackt, nackt, nackt an der Himmelstür" (Melodie von Knocking on Heavens door), und Petrus lässt einen nicht hinein, weil man schmutzige Füße hat. Dabei hatte sich Karin schon so auf den Aloisius gefreut, der aber das Zoigl mit ihr draußen vor der Himmelstür trank. Überraschend sprang ein alter Bekannter aus dem Publikum auf, um als "Special Guest" spontan Karins Gitarrenspiel mit der Mundharmonika zu begleiten: "Wyman" aus Weiden, das alte Blues-Urgestein mit Hut und Rauschebart.

Das Leben ist kurz

Eine lustige Idee war die Handpuppe "Babette", der Karin Thaller Leben und Sprache lieh. Mit ihr zeigte sie auch die humorvollen Seiten des Altwerdens auf. Zu Herzen gehend war der Text um das Kinderlied "Kommt a Vogerl geflogen". Dem frenetischen Applaus für die künstlerische Leistung folgte eine philosophische Erkenntnis als Zugabe: "Mensch, das Leben ist kurz, also lach' und tanz'. Weil du dich, wenn du tot bist, noch ausruhen kannst".
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