Stilsichere Rebellen

Matthias Schieder im alltagstauglichen Rebellen-Outfit in seiner Manteler Wohnung. Bild: Huber

Rockabilly lebt. Zumindest Matthias Schieder und seine Freunde leben den Stil. "Das ist nicht nur Musik, das ist eine Lebenseinstellung." Mit Autorennen, Rebellen und Blumen im Haar. Im "Tanzcafé Silvia" steigt am 12. September eine Zeitreise in diese wilden Jahre.

Wenn er von den 1950ern spricht, blickt Matthias Schieder in die Ferne. "Um alles in der Welt würde ich in der Zeit gerne leben", sagt er. "Alles hat viel schöner ausgeschaut, nicht so einfarbig und minimalistisch." Er sieht selbst aus wie der Zeit entsprungen. Auf der einfachen schwarzen Ledercouch wirkt er tatsächlich etwas deplaziert. Mit seiner Haartolle, Cowboystiefeln und einem übergroßen Gürtel mit der Aufschrift "In Speed we trust".

Der 32-Jährige liebt Rockabilly. Der Rock-Stil sei nicht nur eine Musikrichtungen. "Das ist eine Lebenseinstellung." Die Rockabilly-Musik sei wilder, verrückter und schneller als Rock'n'Roll. Genau wie die Leute. "Wir sind rebellisch, aber nicht so, dass der Staat uns auf die Finger hauen kann." Wenn Schieder von Rockabilly erzählt, redet er von sich. "Wir sind lustige Gesellen und wir sind autoverrückt", grinst er, denn er ist bei seinem Lieblingsthema gelandet.

Wild und autoverrückt

Es geht um die Wagen der 1920er bis 1950er Jahre. "Die haben damals die narrischsten Autos zusammengeschraubt." Vor 14 Jahren ist er dem Rockabilly verfallen, mit seiner Musik, seiner Kleidung, seiner Lebenseinstellung und natürlich seinen Autos. Der Bruder hatte sich damals einen Hot Rod gekauft, ein Automodell aus den 1920er bis 1940er Jahren mit aufgemotzten V8-Motoren. Matthias Schieder fuhr mit auf ein Autorennen. Fans organisieren sie vor allem im Norden des Landes auf stillgelegten Geländestrecken. Seitdem ist er den 1950er verfallen.

Auch das "Rockabilly Fire" am Samstag, 12. September, ist für die Szene ein Pflichttermin. Dort können auch Interessierte mal einen Ausflug in die 1950er Jahre machen. Das "Tanzcafé Silvia" am Ortseingang von Neudorf bei Luhe dient als Location. Nicht nur das Tanzcafé sieht aus wie früher, auch authentische Outfits prägen das Bild. "Deswegen trifft man dort nur gut aussehende Leute", sagt Schieder.

Bereits um 18 Uhr startet eine Autoausstellung mit Oldtimern aus den USA. Aber nicht mit Schieders geliebten Hot Rods. "Da gibt es eher die Streetliner, die Schlachtschiffe zu sehen." Bei der Frage, wie der Laden aussieht, muss Schieder passen. "Ich war die ganze Zeit auf der Tanzfläche. Was anderes hab' ich nicht gesehen."

Die Bands sind hochkarätig und bestens bekannt. "Die fetzen", kommentiert der Rockabilly-Fan das Musikprogramm. "Der Ami kann nix, aber er konnte gute Autos bauen und brachte die beste Musikrichtung, die es gibt, auf die Welt."

Die "Sunny Recorders" spielen Musik des legendären Plattenlabels Sun Records aus Memphis/Tennessee. Elvis Presley, Chuck Berry und Carl Perkins werden so wieder zum Leben erweckt. "The Satellites" spielen Rock'n'Roll und Blues. Sie sind inzwischen weltweit bekannt. "In der Disco sind ja nur Kopfnicker. Und bei Techno bluten mir die Ohren. Doch bei Rock und Rockabilly muss ich zappeln."

Tanzen wie John Travolta

Seinen Tanzstil habe Schieder, der in Dürnast aufwuchs, über die Jahre weiter entwickelt und sich auch einiges von John Travolta abgeguckt. "Die Frau muss man drehen und die Füße in die Luft schmeißen." Dass die Besucher beim Rockabilly-Fire auch dem Stil verfallen, kann Schieder nicht ausschließen. "Das ist wie ein Zeitsprung. Wer einmal Blut leckt, will noch mehr."
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