Stimmgewaltige Schlichtheit

Ebenso stimmgewaltig wie einfühlsam boten die Maxim-Kowalew-Don-Kosaken ein tolles Neujahrskonzert in der Pfarrkirche St. Georg in Schlicht. Bild: ct

Die russische Seele wird im Westen oft als unergründbar beschrieben. Nicht aber, wenn Kosakenchöre auf der Bühne stehen. Dann erliegt das Publikum förmlich der melancholischen Gewaltigkeit dieses Gesangs.

Kaum war die eindrucksvolle Jahresabschlussfeier in der Pfarrkirche St. Georg verklungen, stand am Neujahrsnachmittag ein musikalisches Erlebnis für die Pfarrgemeinde und viele Gäste an. Pfarrer Johannes Kiefmann hieß alle mit seinen Neujahrswünschen willkommen und freute sich über eine volle Kirche. Es waren die Maxim-Kowalew-Don-Kosaken, die dafür gesorgt hatten, sie gaben ein Neujahrskonzert. Die sieben Chormitglieder traten in traditionell-schlichten Kosakenuniformen auf und kamen ohne Mikrofon und Verstärker aus. Mit ihren kräftigen, ausdrucksvollen Stimmen von Bass bis Tenor gelang es ihnen mühelos, das Kirchenschiff klanglich zu füllen. Und schon mit den ersten, melodischen Passagen zog das Sängerensemble sein Publikum in den Bann.

Reiz des A-cappella

Schnell zeigte sich, dass das Repertoire sehr vielseitig angelegt ist und von sanften Tenorstimmen bis hin zu gewaltigen Bässen reichte. Jeder Sänger glänzte während des Konzertes mit einem Solopart und alle Stimmlagen - ob Bass, Bariton oder Tenor - präsentierten sich absolut sicher. Etwas unbefriedigend war lediglich das Programmheft, das über die Interpreten und die von ihnen vorgetragenen Stücke nur sehr bruchstückhaft Auskunft gab. Der erste Teil des Konzertes war geprägt von geistlichen Gesängen und weihnachtlichen Weisen wie "Die goldene Krippe" oder "Himmel und Erde". Die Don Kosaken trugen sie a-cappella und in russischer Sprache vor. Dirigent Valery Haplichnik, der mit dezenten Handbewegungen den Takt vorgab, führte mit kurzen Ansagen zu den einzelnen Stücken durch das Programm, in dem sich harmonischer und stimmgewaltiger Chorgesang mit einfühlsam vorgetragenen Soli abwechselte.

Gesungene Märsche

Vor allem die bekannten Stücke wie "Abendglocken", "Ave Maria" von Johann Sebastian Bach oder "Ich bete an die Macht der Liebe" von Dmitri Bortnjanski ernteten begeisterten Applaus. Mit dem gesungenen Wunsch für viele weitere glückliche Jahre und ein langes Leben schickten die Don Kosaken die Besucher in eine 15-minütige Pause. Danach kam der Chor, nun begleitet von einem Bajan (Knopf-Akkordeon), mit einem schnittigen Kosakenmarsch in die Kirche zurück und eröffnete den schwungvolleren zweiten Teil des Konzertes.

Kraftvoll vorgetragene Kosakenlieder und -märsche, die die Zuhörer an Wolga und Don entführten und ihnen einen Eindruck von russischer Lebensfreude vermittelten, bestimmten nun zum Großteil das Programm. Es wurden aber auch noch einige melancholische Weisen wie das Volkslied "Eintönig klingt das Glöcklein" oder "Stenka Rasin" eingestreut. Mit stürmischem Beifall bedankten sich die Besucher für einen großartigen Konzertgenuss, und die Maxim-Kowalew-Don-Kosaken erwiderten den Applaus ihrer Zuhörer mit einigen Zugaben.
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