Stolzer Blick zurück

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Der Rastenhof in Störnstein blickt auf eine über 500-jährige Geschichte zurück. Neben vielen faszinierenden Erinnerungen hat diese auch ihre dunklen Seiten.

Störnstein. (cr) Johann Scheidler und seine Familie können stolz sein. Ihr schmucker Bauernhof an der Goldenen Straße feiert heuer das 500. Jubiläum. Mit Sicherheit geht die Geschichte des Rastenhofes weitere 500 Jahre zurück. Den Beweis liefert der uralte Turmhügel neben dem Wohnhaus.

Bis 1514 lässt sich der Stammbaum zurück verfolgen. Im Besitz der Familie Scheidler ist der Hof seit 1909. Der Name änderte sich im Laufe der Jahrhunderte von Rossenhof zu Rastenhof.

Von Rossenhof zu Ratenhof

Der Einöde Rossenhof, vor genau 500 Jahren erstmals urkundlich erwähnt, gab Besitzer Ulrich Rossenhofer den Namen. Auf der Burg Störnstein hatte zu dieser Zeit der böhmische Pfleger Heinrich von Guttenstein das Sagen. Fünf Jahre später wechselte der Besitz an Sebastian Pflug von Rabenstein. Als 1576 ein Nikel Beer als Besitzer auftritt, hatte bereits die Familie Lobkowitz die Herrschaft in Neustadt übernommen.

1602, noch immer sind die Beer (Behr) als Besitzer eingetragen, taucht der heutige Name Rastenhof auf. Als der Winterkönig Friedrich von der Pfalz (1610) nach Prag zog, gehörte der Hof einem Wolfgang Landgraf. 1681, in Bayern regierte Kurfürst Maximilian II Emanuel, erwirbt Hans Wolfgang Lang das Anwesen. Seine Frau Anna Kraus stammt aus Beidl. Als das Ehepaar einzieht, sind der Rastenhof mit Störnstein und Neustadt Ausland und gehören zu Böhmen, noch immer regieren die Lobkowitzer. 228 Jahre, in über sieben Generationen, bewirtschaftet diese Familie das Anwesen.1872 weist es die stattliche Größe von rund 161 Tagwerk auf.

1909 schlägt die Stunde der Familie Scheidler. Johann Scheidler mit Ehefrau Karolina Kraus aus Nottersdorf bei Windischeschenbach kauften den Hof am 12. Januar für 27 000 Mark. Heute befindet sich dieser nach 105 Jahren bereits in der vierten Generation in den Händen der Familie. Mit einer Eigentumsfläche von rund 58 Hektar wird er erfolgreich bewirtschaftet.

Turmhügel zeigt Alter

Dass das Anwesen ein weit höheres Alter besitzt, zeigt der in seinem Ausmaß unzerstörte Turmhügel, keine 100 Meter vom Wohnhaus entfernt. Diese Art von Burganlage aus dem 11. Jahrhundert wird auch "Motte" genannt. Der Name kommt aus dem Mittellateinischen "mota" bzw. dem altfranzösischen "motte" (Graben/Berg) und umschreibt den aus dem Grabenaushub errichteten Burghügel. Oben stand ein hölzerner Wohn- und Wehrturm, umgeben von einem starken Palisadenzaun. Außen herum lief ein Wassergraben. Die meisten Motten hatten daneben einen von Palisaden geschützten Bereich: einen Wirtschaftshof mit Ställen, genau der Anlage des heutigen Anwesens entsprechend.

Wie vor über 900 Jahren steht der Turmhügel in der Landschaft umgeben von einem Graben, nach dem Winter voll mit Wasser. Erst vom Plateau aus zeigt sich, wie steil es zum Wassergraben hinab geht.
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