Streicheleinheiten für mehr Milch

Was früher ausschließlich Handarbeit war, übernimmt im Stall von Andreas Koller die Technik. Die Freien Wähler Kemnath und ihre Gäste nahmen bei der Besichtigung auch den automatischer Melkstand (Bild) in Augenschein. Bild: ak

Ohne Computer läuft im Stall von Andreas Koller fast gar nichts mehr, erst recht keine Milch. Fast eine Million Euro hat seine Familie in einen neuen Freilaufstall investiert. Doch zunächst wussten nicht alle Kühe mit der neuen Freiheit etwas anzufangen.

Näheres über moderne Milchwirtschaft und -viehhaltung wollten die Freien Wähler Kemnath wissen, die zu einer Stallexkursion eingeladen hatten. Kernpunkt des landwirtschaftlichen Betriebs der Familie Koller ist der hochmoderne Freilaufstall. Er bietet bis zu 90 Milchkühen samt Nachaufzucht Platz.

Im hallenähnlichen Gebäude erläuterte Jungbauer Andreas Koller den Gästen den Wohlfühl- und Liegeboxenbereich, automatischen Melkstand mit gelenktem Kuhverkehr sowie den Aufzuchtbereich. "Der moderne Stall von heute ist hochtechnisiert, bietet den Tieren großen Bewegungsfreiraum, optimiert die Futternutzung und die Milchleistung", erläuterte der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes und Stadtrat, Ely Eibisch, beim Rundgang.

Im Laufstallbereich können sich die Tiere frei bewegen. Dort erhält jedes Tier mengenmäßig nicht festgelegtes Rauhfutter vorgelegt. Anhand eines am Fuß angebrachten Transponders wird jedes Tier sowohl beim Fress- als auch beim Melkvorgang automatisch erkannt. Am Mineralfutterstand erhalten die Rinder eine - abhängig von Alter, Gewicht oder Milchleistung - festgelegte Fertigfuttermenge.

"Derzeit stehen rund 60 Milchkühe und 75 Nachzuchttiere in unserem Stall. Männliche Jungtiere werden mit 80 Kilogramm Gewicht zur Bullenmast weiter verkauft. Die weiblichen Tiere werden für unsere Milchwirtschaft aufgezogen", erläuterte Andreas Koller. Er bewirtschaftet mit seinen Eltern und der Familie 80 Hektar Fläche, davon ist die Hälfte Acker. Die beiden Betriebe der Eltern in Oberndorf und Eisersdorf sind aus Zeit- und Kostengründen bei der Tierhaltung mit dem neuen Stall zusammengeführt worden.

Auf den Anbauflächen wachsen Grünfutter, Mais und Futtergetreide. Rund 1000 Liter Milch werden täglich im für zehn Tiere ausgelegten Melkstand gemolken. "Die Umgewöhnung der Tiere vom Anbinde- in den Laufstall war schwierig. Manche ältere Tiere mussten dadurch weggegeben werden. Jetzt läuft der Betrieb jedoch mühelos, und unsere Arbeit ist leichter", erklärte der Chef.

Mit Bürstenstand

Fast eine Million Euro investierte die Familie Koller mit staatlicher Förderung in den neuen Stall. Dieser ist an den Längsseiten offen. "Das Rindvieh hat ein anderes Wärmeempfinden als der Mensch. Kälte macht ihm sehr wenig aus", versicherte Andreas Koller. Im Ruhebereich können sich die Tiere hinlegen. Ständig belegt ist dabei der Bürstenstand. Dort können sich die Tiere säubern, bürsten und ihr Fell pflegen lassen. Die Milchleistung wird durch das Wohlfühlen der Tiere gesteigert.

Eibisch erklärte, dass der Milchpreis aufgrund des Exportstopps nach Russland fällt. Hauptabnehmer sei mittlerweile China durch Magermilchpulver. Die Betriebsflächen werden je Landwirt aus Wirtschaftlichkeitsgründen immer größer, die Zusammenschlüsse - zum Beispiel für Biogasanlagen - wachsen. Mit heißen Wienern und Bier endete die Stallexkursion.
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