Strick-Streich legendär

Erst bekam der Bronze-Ochse ein Wollkleid, dann der Förderturm auf Maffei. Die Damen des Stricktreffs heckten 2011 einen Spaß aus, der durchaus als legendär zu bezeichnen ist. Bilder: swt
 
Margarethe Fuchs schließt ihren Laden mit einem lachenden und einem weinenden Auge. In 35 Jahren hat sie viel erlebt und war immer zur Stelle, wenn es um Tricks und Tipps rund ums Handarbeiten ging. Es gab kaum etwas, was sie rund ums Stricken nicht beherrschte. Ihre Kunden werden sie sicher vermissen.

"Rechts verschränkt zunehmen, drüberziehen, fallenlassen", so lauten Anweisungen, denen sogar Hollywoodstar Julia Roberts oder Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner folgen. Sie wissen nicht was das ist? Dann wären Sie mal immer Montagabend zu Margarete Fuchs nach Auerbach gekommen.

Da hingen vierzehntägig Frauen aus der Region im wahrsten Sinne des Wortes an der Nadel. Und es ist wirklich eine Sucht, das Stricken. Das möchte die 58-Jährige auch nicht aufgeben, wenn sie nun Ende des Jahres ihren Laden in der Bergstadt schließt. "Handarbeiten war immer mein Leben", gibt sie gegenüber unserer Zeitung zu.

Sie hat tausende von Knäuel schimmernder Seide, weicher Baumwolle oder glänzender Viskose verkauft. Die Ware im Laden leuchtet derzeit noch in allen Farben. Nuancen von Violett und Beere, von hellem Kiwigrün bis zu herbstlichen Orange- und Brauntönen. Alles ist noch dabei. Am Montag beginnt der große Räumungsverkauf in Marhabus Traditionsgeschäft, das seit 35 Jahren Handarbeit-Fans begeistert hat. "Ich werde sie schon ein bisschen vermissen, meine Damen und jungen Mädchen, die zu mir zum Werkeln kamen." Mit flinken Händen entstanden weich fallende Tuniken, seidige Tops oder flotte Pullover. Die ganz Mutigen trauten sich an Pfauenmuster oder verzopften über mehrere Nadeln.

Traum erfüllt

Um die Anleitung zu lesen, musste man fast schon Mathematiker sein. Oder man wandte sich an Margarete Fuchs. Sie konnte einfach alles. Half bei schwierigen Mustern, zeigte richtiges Abketten oder nähte zusammen, ohne das eine Naht sichtbar wurde. Vor 35 Jahren erfüllte sie sich mit der Eröffnung ihres Handarbeitsladens einen Wunsch. Von ihrer Mutter, Mathilde Heberl, hatte sie viele Techniken gelernt und so träumte die heute 58-jährige von einem Beruf als Handarbeitslehrerin. Daraus wurde zunächst nichts.

Nach dem Besuch der Realschule in Auerbach und der Mittleren Reife absolvierte die junge Margarete ein zweijähriges Praktikum am Theresienkrankenhaus in Nürnberg. Im Anschluss daran arbeitete sie als Arzthelferin in der damaligen Auerbacher Praxis Pappenberger/Rau. Nach der Heirat und der Geburt zweier Töchter entdeckte die begeisterte Hobbystrickerin einen leerstehenden Laden in der Pfarrstraße. Bei einem Spaziergang sagte sich die damals 23-Jährige: "Das wäre das richtige Geschäft, um einen Handarbeitsladen aufzumachen."

Was als Idee beim Sonntagsspaziergang im Februar 1980 begann, nahm bald darauf Gestalt an. Bereits am 2. Mai 1980 konnte Margarete Weber, wie sie damals noch hieß, ihren kleinen Laden eröffnen. Im Anwesen Popp bot sie von Beginn an alles, was das Herz eines Handarbeitsfreundes begehrte. Wolle in allen Farben und Stärken, Stickgarne, Anleitungshefte und jedes erdenkliche Zubehör gehörte zum Sortiment.

Unterstützung von Mama

Tatkräftig unterstützt wurde sie von ihrer Mutter Mathilde, die achtzehn Jahre lang täglich im Laden mithalf. Wer einen Tipp bei einem komplizierten Muster oder zu speziellen Techniken benötigte, der war bei Margarete Weber an der richtigen Adresse. "Es gibt kaum eine Handarbeit, die ich nicht kann, und so konnte ich jedem helfen, der eine Frage hatte", sagt sie stolz. Nebenbei zog sie drei Töchter groß und ist inzwischen selbst zweifache Großmutter.
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