Südländer im Schneetreiben

"Öffnet die Herzen der Menschen." Diesen Auftrag von Pfarrer Helmut Süß haben Eschenbachs Sternsinger zu erfüllen. Glatte Straßen und raue Stimmen machen es den 30 Kindern nicht leichter.

Christus mansionem benedicat - Christus segne dieses Haus - diesen Segenswunsch bringen seit Sonntag bis 6. Januar die Sternsinger in die Häuser und Wohnungen. Wenig angenehme Temperaturen finden die drei Könige vor, es ist gar nicht morgenländisch auf den Wegen und Straßen. Der Wind faucht in die Weihrauchfässchen, der Neuschnee macht den gekrönten Häuptern die Beine schwer. Noch nicht überall ist geräumt und gestreut, als sich Kaspar, Melchior und Balthasar auf den Weg durch die Innenstadt machen. Begleitet werden sie von Gruppenführer Jan. Mit sechs weiteren Gruppen und einer Begleitperson je Team statten Eschenbachs Sternsinger über 1000 Haushalten einen königlichen Besuch ab.

Der Tag beginnt früh für die gut 30 Mädchen und Jungen, die meisten von ihnen Ministranten. Schon eine halbe Stunde vor der Entsendung während des Gottesdienstes ist der Geräuschpegel im Gruppenraum des Pfarrheimes groß. Jeder sucht nach seiner "Ausrüstung". Alle streben zum großen Kleiderständer, der gut bestückt ist mit "kostenbarem" Tuch. Da muss manchmal schon Mutti oder ein Oberministrant mit Rat und Tat zur Seite stehen, um das Passende auszusuchen. Ein glitzernder Umhang oder ein leuchtend roter Mantel, eine goldene Königskrone, ein bunter Turban, ein goldlackierter Stern.

Rasch verwandelt sich die jugendliche Ministranten-Schar in eine Herrscherfamilie. Es geht emsig zu, generalstabsmäßig ist die Verteilung. Sammeldosen stehen bereit, die Begleiter haben ihre Rücksäcke geschultert und Gemeindereferentin Gabriele Gabriel geht die Check-Liste durch. "Es ist schon viel Arbeit, bis alle aufbrechen können", sagt sie und deutet auf die Schminkecke. Dort verwandelt Angelika Trummer sieben Buben und Mädchen in dunkelhäutige Könige.

Den "Duft des Glaubens"

Endlich läuten die Glocken von Sankt Laurentius zur Messfeier. Feierlich ist der Einzug ins Gotteshaus. In den Fürbitten erzählen Sternsinger von der Mangelernährung auf den Philippinen, berichten über ungleiche Lebensverhältnisse und begründen schließlich ihre Sternsinger-Aktion mit der Notwendigkeit, Kindern zu helfen. Zum Entsendeakt gehören die Segnung des Dreikönigswassers, von Kreide und Weihrauch. "Bringt den Duft des Glaubens in die Häuser", ermuntert Pfarrer Helmut Süß die Sternsinger. 21 "Heilige" und sieben Begleiter tragen schließlich die Botschaft von der Geburt Christi in die Stadt hinaus. "Wir kommen aus dem Morgenland, wir kommen geführt von Gottes Hand" singen die Könige und "wir wünschen euch ein fröhliches Jahr, Kaspar, Melchior und Balthasar". Der Sternträger ergänzt: "Gottes Segen euch geleite, durch dies neue Jahr euch führ', Christus mansionem benedicat schreiben wir an diese Tür."

Segen per Aufkleber

Eine stressige Angelegenheit", weiß Roland Stengel, einer der drei Oberministranten. "Würdig soll es ja sein" und "singen können sie alle. Doch bei dem Wetter und bei dem großem Besuchsprogramm kann schon mal die Stimme rau werden". Dann muss auch ein Wortbeitrag genügen. Problemlos funktioniert das Anbringen des Segensspruches. "Über das C + M + B mit der Jahreszahl 2015 mit Kreide auf die Haus- oder Wohnungstür geschrieben freuen sich alle", stellt Oberministrant Manuel Bitterer fest. Immer beliebter werden Aufkleber.

Mit einem erfolgreichen Abschluss der Sternsinger-Aktion rechnet Gemeindereferentin Gabriele Gabriel an Heilig Drei König. "Dann gibt es für jeden Teilnehmer einen Sack voll Süßigkeiten". Das sei der Lohn für einige Tage Einsatz bei Schnee und Eis. Die bis 6. Januar gesammelte Geldspende werde über die Diözese an den Träger der Hilfsaktion "Dem Sternsingerwerk" weitergeleitet. Am Sonntagmittag gönnten sich die 21 fröstelnden Könige und ihre Begleiter erst einmal eine kräftigende Mittagsspeisung. In der Verpflegungsstation der Ministranten-Mütter im Pfarrheim warteten Spaghetti Bolognese ohne Ende.
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