Sympathischer Drecksack

Der abgeklärte Ermittler Bosch (Titus Welliver) hat seine Stadt immer im Blick. Los Angeles wird in der Serie als "Moloch" dargestellt, als monströses Chaos - so will es jedenfalls Buchautor Michael Connelly, der bei "Bosch" auch als Ausführender Produzent an Bord ist. "Ich bin mit der ersten Staffel sehr zufrieden", sagt Connelly. Bild: Amazon

Ein Polizist, der erfolgreich ist, weil er nicht nach den Regeln spielt? Das klingt nach Dutzendware. Doch "Bosch" ist anders. Und eine Serie, die nicht im Fernsehen zu sehen sein wird.

Eigentlich ist Harry Bosch ja ein Drecksack. Rüde und unfreundlich ist er selbst gegenüber Freunden und ein nettes Wort kommt ihm nicht einmal über die Lippen, wenn er vor allem sich selbst das Leben einfacher machen könnte. Bosch ist ein Krimiheld der alten Schule, wie man ihn schon dutzendfach gesehen hat. Und doch ist er anders. Heute startet beim Internetkonzern Amazon die Serie nach den Kriminalromanen von Michael Connelly - im Online-Dienst "Amazon Prime" und vorerst auch nur im Original mit deutschen Untertiteln.

Blick auf die Hintergründe

Ein unkonventioneller Cop, der seine Fälle löst, indem er ständig gegen die Regeln verstößt - das klingt gähnend langweilig, ist das doch offenbar das Universalrezept für Krimis seit den späten Siebzigern. Doch "Bosch" will anders sein, setzt auf Psychologie und schaut oft auf die Hintergründe, die manchmal so rätselhaft sind wie die Bilder des niederländischen Malers, von dem Connelly den Namen seines Protagonisten lieh.

"Ich wollte einen faszinierenden Namen für meinen Helden und da erinnerte ich mich an meinen Kunstunterricht und kam so auf Hieronymus 'Harry' Bosch", sagt Connelly der dpa. "Und wie die Bilder von Bosch ist das Los Angeles in meinen Büchern ein Chaos, ein Moloch, ein unergründliches Etwas." Und er wollte keinen Polizisten, wie er sie schon aus so vielen anderen Krimiserien kannte. "Deshalb ist Bosch anders, mit einer anderen Beziehung zur Kriminalität und einer gewissen Verbundenheit zu den anonymen Opfern. Eigentlich spielt seine Vergangenheit die Hauptrolle." Immer gelingt "Bosch" die Entfernung vom Konventionellen nicht, manchmal ist es doch einfach nur eine Krimiserie. Doch dann sorgt wieder die Qualität der Bilder dafür, dass nicht die Langeweile des schon tausendfach gezeigten einkehrt.

Reifere Darsteller

Und auch die Schauspieler sind anders, vor allem älter. Hauptdarsteller Titus Welliver (52) und seine Kollegen Amy Aquino (57), Lance Reddick (52), Scott Wilson (72), Mimi Rogers (59), Alan Rosenberg (64) - die sind alle mindestens zwei Jahrzehnte älter als der Schnitt in einer üblichen Serie. Das macht "Bosch" nicht angestaubter, das macht "Bosch" authentischer. "Ich habe selbst lange als Polizeireporter gearbeitet", sagt Connelly. "Und da habe ich gemerkt, dass es eben in der Regel nicht die ganz Jungen sind, die die Ereignisse prägen."

Bosch muss auch älter sein, weil die Rolle Vergangenheit braucht. "Er ist kein unbeschriebenes Blatt", sagt Hauptdarsteller Welliver. "Er hat Lebenserfahrung und ist von seiner brutalen Kindheit geprägt. Alles, was er heute macht, hat irgendwie auch seine Wurzeln im Damals." Da ist also viel Psychologie bei "Bosch", so ganz neu ist dieser Ansatz aber auch nicht. Ob Connelly, der auch die Drehbücher schrieb und die Serie mitproduzierte, so erfolgreich wie mit seinen Romanen sein wird, ist ungewiss. Denn die Konkurrenz hervorragend gemachten Fernsehens ist im Internet mittlerweile groß.

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Die Serie im Internet anschauen:

www.amazon.de /Bosch-OmU/dp/B00LW8TGR2
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