Tagung des Arbeitskreises Lehrer-Pfarrer des Dekanats Weiden in Flossenbürg - Für Lernorte ...
Einsatz für Frieden von höchster Brisanz

Im neuen Seminarhaus in der KZ-Gedenkstätte trafen sich die Lehrkräfte für evangelische Religionslehre sämtlicher Schularten und alle evangelischen Pfarrer im Dekanat Weiden. Bild: hfz
Flossenbürg. Zu einer außergewöhnlichen Arbeitskreis-Sitzung im Seminarhaus in der KZ-Gedenkstätte luden Dekan Dr. Wenrich Slenczka, Pfarrer Dr. Volker Wappmann und Seminarrektorin Annette Spreitzer-Hochberger die Lehrkräfte für evangelische Religionslehre aller Schularten und alle evangelischen Pfarrer im Dekanat ein. Das Thema lautete: "Den außerschulischen Lernort stärken - Schulklassen unterwegs zu Lernorten im Dekanatsbezirk".

Religionsunterricht findet nicht nur in der Schule statt. Bedingt durch den Lehrplan stellt sich wiederholt die Frage: Gibt es Möglichkeiten, ein Thema auch vor Ort zu verdeutlichen? Referenten stellten Themenbereiche aus Diakonie und Geschichte im Dekanat vor und wiesen Wege, den Unterricht "einmal anders" zu gestalten.

Lehrer Georg Maus

Dr. Christa Schikora vom wissenschaftlichen Ausstellungsteam informierte über neue Konzepte in der Bildungsarbeit und Nutzungsmöglichkeiten des Seminarhauses, insbesondere für Schulklassen und Konfirmandengruppen.

Pfarrerin Lisa Weniger aus Floß gestaltete die Andacht. In den Fokus ihrer Kurzansprache stellte sie Lehrer Georg Maus, ein Mitglied der Bekennenden Kirche und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, der furchtlos seinen Schülern im Religionsunterricht Nächsten- und Feindesliebe gelehrt habe.

Pfarrer Wappmann führte durchs Programm. Guardian Pater Stanislaus vom Kloster St. Felix stellte sich im ersten Teil einem Interview der protestantischen Runde. Er verdeutlichte das Bedürfnis der Menschen, die Stille an einem Ort wie St. Felix zu suchen und wertete dies als sehr positiv. Bei zahlreichen Trau-Gesprächen fand er heraus, dass nicht wenige junge Menschen, die die Ehe eingehen wollten, sich unmittelbar draußen auf dem Parkplatz vor der Kirche kennengelernt hatten. Der Franziskaner-Orden lege großen Wert darauf, dass seine Klöster offene Orte und Orte der Begegnung seien.

Den zweiten Programmpunkt übernahm Dekanats-Jugendreferentin Doris Kick. Sie erinnerte an den 9. April, den Todestag Dietrich Bonhoeffers, der jährlich von der evangelischen Dekanatsjugend mit einer Andacht und dieses Jahr mit einem internationalen Jugendtreffen zum 70. Jahrestag begangen wurde. Bereits junge Menschen müssten lernen, gegen Unrecht aktiv zu werden. Kick sagte, dass es jetzt wichtig sei, sich der Frage zu stellen: "Wie können wir in der Gegenwart das Gedenken weiterspannen und gestalten? Was ist es, was Bonhoeffers Message jungen Leuten heute noch sagen kann?"

Die evangelische Dekanatsjugend hat dazu ein Symposium initiiert, dessen Leitgedanke "Verantwortlich Handeln" lautet. Vielfältige Angebote stünden für Schulklassen und Konfirmandengruppen zur Verfügung, so dass auch das Jugendgästehaus Altglashütte jederzeit für Besinnungstage und Kooperationen mit Flossenbürg genutzt werden könne.

Echter "Spirit" notwendig

Dritter Referent war Pfarrer Herbert Sörgel aus Flossenbürg. Er hob hervor, dass wieder neu theologische Schwerpunkte auch für Schüler gesetzt werden müssten. In der Runde war man sich einig, dass nicht nur historische Fakten genügen, um die Schüler für die Sache begeistern zu können. Es bedürfe eines echten "Spirits". Es müssten wieder mehr Einzelschicksale von weniger bekannten KZ-Häftlingen thematisiert werden. Denn die Geschichte von Lehrer Georg Maus ging allen tief ins Herz.

Mehr Kooperationen mit den Fachschaften Geschichte an den weiterführenden Schulen schienen wünschenswert und einträglich für alle. Pfarrer Sörgel zeigte auf, dass sich eine Zäsur abzeichnet: Überlebende KZ-Häftlinge sterben in absehbarer Zeit, so dass der Weg von der unmittelbaren "Betroffenheitsschiene" weg führe und für die Gegenwart ein neues zukunftsweisendes Konzept notwendig werde. Bonhoeffer gelte als Symbol für das "Nichtwegschauen, sondern Hinschauen".

Sörgel stellte umfangreiches Medienmaterial und Kooperationen vor. Er erinnerte an das gewinnbringende Treffen mit der Israel- und Araber-Gruppe, die eine ungeheure Bereicherung für die Bonhoeffer-Jugendbegegnung im April 2015 war. Angesichts der weltpolitischen Lage sei der Einsatz für den Frieden von höchster Brisanz.

Als vierter Referent brachte Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler den neuen Simultankirchen-Radweg als außerschulischen Lernort ins Spiel.
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