Tanzpartnerin verschollen

Zur Tanzschule funktionierten die Kirwaburschen und -moidla das Gerätehaus der Feuerwehr um. Als Lehrer hatten sie Dieter Kohl engagiert. Bild: mh

Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Feuerwehrübung. Der Platz um das Gerätehaus ist zugeparkt, die Blaulichtfahrzeuge stehen vor dem Tor. Doch statt Männern in Schutzanzügen und mit Helm stehen junge Burschen in Lederhosen und mit Trachtenhemd sowie Mädchen mit Dirndl und Stöckelschuhen oder Ballerinas in der Fahrzeughalle.

Von CD schmettert der Jägermarsch in das Jungvolk hinein. Es ist wieder einmal soweit. Fünfte Probe am Sonntagnachmittag für das Kirwa-Austanzen am 8. November um 17 Uhr auf dem Marktplatz. Seit Wochen treffen sich 26 Paare (darunter sieben neue Burschen und fünf Mädchen) mit Tanzlehrer Dieter Kohl, dem Kreisheimatpfleger aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach.

Schon seit sechs Jahren zeigt der alte Hase in Sachen Volkstanz den Luhern die richtigen Schritte. Bis zu 20 Kirwagesellschaften unterrichtet er. "Da kommen schon mal über 100 Proben im Jahr zusammen." Er selbst habe wahrscheinlich schon an die 20 Kirchweihen ausgetanzt und gibt sein Wissen gerne an die jungen Leute weiter.

Burschen außen, Mädchen innen. Aufstellung in der engen Fahrzeughalle. Und schon gibt Kohl das Kommando: "Wechselschritt, Wechselschritt, eins, zwei, drei, vier, auseinand und weitageh'n." Für die Alten wie den Schimetscheck-Tobi und seine Freundin die "Grubi" ein Leichtes. Sie machen schon seit Jahren mit, "weil's a fetz'n Gaudi is".

Verlust beim Jägermarsch

Doch für das 16-jährige Greenhorn Jonas fühlt es sich an wie ein mittleres Desaster. Beim Jägermarsch steht er plötzlich mitten in der Fahrzeughalle wie das Rumpelstilzchen im Walde. Verloren, einsam und verlassen. Die Partnerin ist weg, weil ein anderer beim Tanzpartnertausch schneller war. Das laute und schadenfrohe Gelächter aller Mittänzer ist ihm sicher. Doch plötzlich läuft ein weibliches Überbleibsel von gegenüber auf ihn zu. Alles ist wieder gut. Kohl treibt an "Weiter geht's".

Mit diesen Kursen will der Massenrichter auch erreichen, dass sich die Oberpfalz vom Rest Bayerns ein wenig abhebt. So sei auch der für die Region typische Zwiefache im Programm. "Auf geht's, hammas?", feuert Kohl die jungen Leute nach den praktischen Einweisungen mit einem Kirwamoidl zum "Sieben Schritt" an. Da wird's wieder eng in der Gerätehalle. Beigebracht bekommen die Kirwaleut' auch noch einen Bayerischen mit Figuren.

Sophia und David Duschner sind aufmerksam und heuer erstmals dabei, "weil es schön ist, in der Gruppe gemeinsam etwas zu machen und weil a Kirwa halt dazugehört," sagen die Geschwister. Die Tanzpaare suchen sich übrigens selbst zusammen. Einer von beiden, das ist ungeschriebenes Gesetz, muss jedoch über Heimvorteil verfügen.

Werbung in grellem Pink

Seit 2001 wird in Luhe die Kirwa wieder ausgetanzt. Und für das diesjährige Ereignis vom 6. bis 8. November haben die Jugendlichen schon viel Arbeitszeit investiert. Auto-Aufkleber sind fertig, ebenso Plakate und Flyer und wie jedes Jahr ein neues T-Shirt. Heuer ist es schwarz mit dem leuchtrosa Aufdruck "Eich zoing ma, wai ma mit da Goaß ackert". Schließlich feiern die Luher die "Goaß-Kirwa".
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