Taten ein Trauma für die Opfer - Fall erneut aufgerollt
Weit höhere Strafe?

Amberg/Schwandorf. (hwo) Er mag nicht reden und überlässt das anderen. Seine Opfer wurden offenbar mit einem Beruhigungsmittel in Tiefschlaf versetzt und dann sexuell missbraucht. Was dabei genau geschah, muss nun eine Strafkammer beim Landgericht Amberg als Revisionsinstanz klären.

Nur drei Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung? Als eine Kammer des Amberger Landgerichts im Januar 2014 zu diesem Strafmaß kam, herrschte Unverständnis bei denen, die den Prozess verfolgten. Auch bei Staatsanwältin Michaela Frauendorfer. Sie legte Revision zum Bundesgerichtshof ein. Das tat auch der Angeklagte. Er wurde vom BGH abgeschmettert, die Anklagevertreterin bekam Recht. Der 1. Senat in Karlsruhe befand: Zu dem Urteil hätten eklatante Rechtsfehler geführt. Deswegen wurde das Verfahren zur erneuten Verhandlung nach Amberg zurück verwiesen.

Angeklagter schweigt

Seit Freitag läuft der zweite Prozess in einer Sache, die einen 35-Jährigen aus Schwandorf auf der Anklagebank sieht. Im Gegensatz zur ersten Verhandlung schweigt er nun und mag nichts mehr darüber sagen, wie es war, als er akribisch nach Frauenbekanntschaften suchte. Zwei Begebenheiten im Raum Nabburg hatte die Staatsanwaltschaft bereits eingestellt, als es im Jahr 2012 zu Übergriffen an einer heute 29-Jährigen kam. Die Frau aus Oberbayern, übers Internet kennengelernt, hatte dem IT-Fachmann in dessen Schwandorfer Wohnung einen Besuch abgestattet. Sie war mit dem Beruhigungsmittel Diazepam in Tiefschlaf versetzt worden und wachte erst viele Stunden später im Bett des Angeklagten auf. Was er mit ihr trieb, weiß die damals in Oberbayern wohnende Mutter zweier Kinder bis heute nicht. Sie kann sich nur noch daran erinnern, dass ihr die Beine hochgedrückt wurden und sie anschließend blutunterlaufene Stellen am Körper hatte.

Hohe Dosis Diazepam

Es gibt weitere Geschädigte, die offenbar mit einer hohen Dosis Diazepam in Trance versetzt wurden. Die Staatsanwaltschaft hat zwei Videos, die vom Handy des Schwandorfers stammen. Sie zeigen unbekleidete Frauen, die auf Betten liegen und von einer männlichen Hand begrapscht werden. Im ersten Prozess waren beide Opfer von ihrer Identität her unbekannt. Nach dem Urteil meldete sich eine der Geschädigten. Sie wird nächste Woche aussagen.

Die Ermittlungsbehörde ist fest entschlossen, den 35-Jährigen lange hinter Gitter zu bringen. Ihm drohen nach der Entscheidung des BGH nun tatsächlich weit mehr als die drei Jahre aus dem Ersturteil. Das hat die 4. Strafkammer unter Vorsitz von Dr. Stefan Täschner bereits durch einen rechtlichen Hinweis angedeutet. Ein Antrag von Verteidiger Michael Haizmann auf Aussetzung des Verfahrens ("Er konnte sich nicht darauf vorbereiten") zielte ins Leere. Täschners Gegenargument: "Er wusste das aus der Entscheidung des BGH." Der Prozess wird fortgesetzt. (Seite4)
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