Tauziehen ums Naabtalhaus

Die CSU will eher groß sanieren, die Vereine auch. Der Bürgermeister möchte nach und nach erneuern, der Wirt nicht allzu lange zusperren und es sich mit keiner Seite verderben. Und jeder behauptet, er wisse, was jetzt am Naabtalhaus zu tun sei.

Saal, Gaststätte, Biergarten - der Oberwildenauer Treff schlechthin ist in die Jahre gekommen. Er stammt aus dem Jahr 1977. Das sieht man ihm beim Rundgang auf Schritt und Tritt nicht nur an, man spürt es auch: Durch die Fenster zieht es, das Dach ist leck und der Eingangsbereich versprüht allenfalls Retro-Charme.

"Jetzt muss jedes Jahr etwas geschehen, jahrelang wurde nichts gemacht", klagt Gerhard Kres (CSU). Der zweite Bürgermeister sagt, dass Geld im Gemeindehaushalt vorhanden sei, aber nicht verbaut werde. Er kündigte einen Antrag seiner Partei an: Die Gemeinde soll prüfen lassen, das undichte Flachdach durch ein Pultdach zu ersetzen, auf dem Photovoltaik-Module Energie fürs Haus selbst erzeugen könnten.

Das wird schwierig, wiegelt Bürgermeister Dr. Karl-Heinz Preißer (SPD) ab. "Ich hatte schon vor Weihnachten Kontakt mit einer Weidener Fachfirma. Die hatte nicht mal Zeit für ein Angebot." Demnächst stehe aber ein Termin an. Doch für ein Pultdach sieht er wenig Chancen. "Das ist bei öffentlichen Bauten ein Problem mit der Statik." Architektin Katja Gradl pflichtet ihm bei.

Auf eine Summe für eine Dachsanierung wollen sich beide nicht festlegen. 50 000 Euro mindestens stehen im Raum. Zudem hat die Gemeinde schon mal einen Gully setzen lassen, damit das Wasser besser abfließt, erklärt Preißer. Das reicht nicht, kritisiert Harald Seiffert, der Vorsitzende des Vereinskartells: "In den 70er Jahren hat man noch Planen über Flachdächer gelegt. Das fängt halt irgendwann mal an zu reißen. Wenn man anständig saniert, hat man für 30 Jahre wieder Ruhe."

Die Vereine sähen es außerdem gern, dass die Gemeinde den Eingang umgestaltet und die Toiletten erneuert. "Das bisschen Fliesenstreichen hätte man sich gleich sparen können."

Der Rathauschef bestätigt, dass es mit dem Dach nicht so weitergehen kann. Die Toiletten seien aber fachgerecht auf Vordermann gebracht worden und stets sauber. "Was soll da erst die Schule sagen, wo die Buben noch gegen eine Porzellanwand pinkeln? Und der Gemeinderat hat bereits einmal für den Erhalt der Garderobe gestimmt." Von einer Generalsanierung will Preißer nichts wissen. "Dann müssten wir ein Jahr zusperren. Warum sollen wir unserem guten Wirt das antun? Lieber machen wir jedes Jahr das am Haus, was notwendig ist."

Der Wirt heißt Fatih Yildiz. Er betreibt im Naabtalhaus eine Pizzeria und bittet sonntags in den großen Saal zum Tanztee, den Paare hervorragend annehmen. Seit sieben Jahren ist er Pächter der Gaststätte. Mit guten Ratschlägen Richtung Rathaus hält sich der Türke zurück. "Das sind politische Entscheidungen. Ich weiß auch nicht, wie viel Geld die Gemeinde hat." Wünsche hätte er dagegen schon. "Die Leute denken beim Tanztee, ich hätte die Fenster im Saal nicht geputzt. Dabei sind die Scheiben schon länger blind." Preißer hat ihm bereits vorgeschlagen, von seinem Gastraum aus eine Tür in den Biergarten durchbrechen zu lassen und den Freisitz zu vergrößern. Yildiz zögert: Dann habe er innen weniger Sitzplätze. Und der Oberpfälzer Sommer habe nicht so viele Biergartentage, um das aufzufangen.

Der Bürgermeister respektiert dies. Er sucht die Absprache, bevor am Naabtalhaus wieder gearbeitet wird. So wie bei einer Nutzungsänderung für die stillgelegte Kegelbahn im hinteren Bereich des Hauses. Die hat Preißer zusammen mit dem Vereinskartell und Architektin Gradl erarbeitet.

Sie sieht vor, die Kegelbahn etwa in der Mitte zu unterteilen. Eine Hälfte sollen die vier Oberwildenauer Dart-Mannschaften für ihren Sport nutzen können. Dadurch würde Yildiz mehr Platz für Gäste gewinnen. Den hinteren Teil der Kegelbahn könnten Vereine als Lager für Stühle und Tische nutzen. Dafür sind einige Umbauten für Brandschutz, Fluchtwege, Wandheizung, Fenster und eine Rampe notwendig. Yildiz und die Vereine haben Eigenleistung angekündigt. Die Entscheidung aus dem Landratsamt steht aber noch aus.

Der CSU kann es indes nicht schnell genug gehen. Sie will schon in der Gemeinderatssitzung am kommenden Montag einen Antrag für ein neues Dach einbringen. Preißer verweist dagegen auf den vereinbarten Termin mit der Weidener Baufirma, die ausstehende Stellungnahme des Landratsamts zur Kegelbahn und den Gemeindehaushalt, der wohl erst im März verabschiedet wird. Nur in einem sind sich alle einig: Wenn es geht, sollen Dach und Kegelbahn heuer erledigt werden.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oberwildenau (1112)Januar 2015 (7958)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.