Teichwirte diskutieren mit Landwirtschaftsminister Helmut Brunner über Kormoran, Biber und Co.
"Der Fischotter gibt uns den Rest"

Nach der eingehenden Diskussion ließen es sich die CSU-Granden schmecken. Mit dabei waren (sitzend von links) MdB Albert Rupprecht, MdL Tobias Reiß, Minister Helmut Brunner, Bezirksrat Toni Dutz und MdB Reiner Meier. Für das leibliche Wohl sorgte die Teichwirtsfamilie Bächer mit (von links) Manuela, Elsa und Klaus. Bild: jr

Zunächst freundlich begrüßt, musste sich Landwirtschaftsminister Helmut Brunner am Montag harsche Kritik der Teichwirte anhören. Kormoran, Biber und Fischotter sind seit langem Reizthemen. Vor allem gegen die Höhere Naturschutzbehörde hagelte es massive Beschwerden. Je länger das Gespräch im "Fischerstüberl" dauerte, desto emotionaler wurden die Beiträge. Bis Alfred Stier, stellvertretender Vorsitzender des Landesfischereiverbandes Bayern, dann polterte: "Ich lasse mir hier den Minister nicht verheizen."

Im Zuge der Zukunftswochen hatte der CSU-Kreisvorsitzende Tobias Reiß zu dem Fachgespräch mit den Fischzüchtern geladen. Und Hans Klupp (Arge Fisch) sprach auch gleich Klartext: "Die Teichwirtschaft in der Region ist akut gefährdet, viele Teichwirte haben keine Lust mehr."

Klupp wollte wissen, "wie viele Fischotter und Biber hier ihr Unwesen treiben". Außerdem seien die Auflagen für einen Betrieb in einem FFH-Gebiet kaum noch zu erfüllen. "Unsere Teichwirte stehen mit dem Rücken zur Wand." Alfred Stier dankte dem Minister zunächst für die Unterstützung bei der Bekämpfung des Kormorans. "Ohne diese Hilfe wären wir nicht so weit wie jetzt." Diese Unterstützung forderte er aber auch bei Fischotter und Biber ein.

Brunner verwies auf den Kormoran-Beauftragten, dessen Arbeitsplatz am Landwirtschaftsamt in Tirschenreuth schon eingerichtet sei. Allerdings bat er um Verständnis, dass er nur Zeitverträge anbieten könne, weil es keine freie Planstelle dafür gebe. Die Problematik war Brunner nicht unbekannt. Nicht umsonst habe sein Haus für Otter-Schäden 100 000 Euro als Ausgleich zur Verfügung gestellt. "Nicht billig abspeisen lassen" wollte sich Alfred Stier, als die Rede auf ein Programm des Umweltministeriums kam. Da können Fischzüchter für eine stillgelegte Teichfläche bis zu 600 Euro jährlich erhalten. Stier sah auch die Landkreise in der Pflicht und forderte eine bessere Regulierung. "Keinesfalls dürfen wir bei der Biber-Bekämpfung solange zuschauen, wie beim Kormoran."

Bernhard Feneis, Präsident der Deutschen Binnenfischer, sah gar einen Angriff auf das Eigentum. "Wir wollen durch nur unsere Teichkultur schützen." Alfons Stock, teichwirtschaftlicher Sprecher des BBV-Kreisverbandes, sagte, "Naturschutz wie er derzeit praktiziert wird, hat mit echtem Naturschutz nichts zu tun." Stock wollte sich das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen lassen und übergab dem Minister ein entsprechendes Schreiben.

Brunner wusste, dass das Problem mit dem Kormoran bayernweit unterschiedlich ist. "Wir müssen das Problem bei der Wurzel packen." Teichwirt Karl Mehler zeigte sich von der Politik enttäuscht, weil trotz einer Vielzahl von Gesprächen einfach nichts passiert. "Warum stoppt niemand die Höhere Naturschutzbehörde", ereiferte sich der Tirschenreuther. Teichwirt Max Wild berichtete, dass manche Berufskollegen im Jahr einen Verlust zwischen 30 und 98 Prozent haben. "Es ist zehn nach zwölf", wetterte Wild. "Der Naturschutz hat uns Teichwirte an die Wand gefahren." Ein anderer Teichwirt sagte: "Wir diskutieren jetzt seit mehr als 20 Jahren über den Kormoran, passiert ist wenig. Der Fischotter gibt uns aber den Rest."
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