Termin mit Gott machen

"Herzlichen Glückwunsch, sie schenken sich heute Zeit." Mit diesen Worten begrüßte Pfarrer Martin Besold die Gläubigen bei einem besonderen ökumenischen Gottesdienst in der St.-Jakobus-Kirche. "Heute können wir Atem holen und Kraft tanken."

Der katholische Geistliche aus Erbendorf und sein evangelischer Amtsbruder Manuel Sauer eröffneten den etwas anderen Gottesdienst unter dem Motto "Atempause." Für den ökumenischen Geist, der ausströmte, hatten sie mit der Jakobus-Kirche den richtigen Ort gewählt. Denn seit 362 Jahren besteht in Wildenreuth ununterbrochen ein Simultaneum, das von der katholischen Filialgemeinde Wildenreuth und von der evangelischen Kirchengemeinde Wildenreuth gleichberechtigt genutzt wird.

"Im Leben geht einem in der Hektik des Alltags die Luft aus oder es stockt einem der Atem", stellte Pfarrer Besold fest. Mit diesem Gottesdienst solle gleichsam der gemeinsame Glaube an Jesus Christus wieder lebendig werden. Man müsse sich auf das Wesentliche besinnen.

Ambo und Kanzel

Zur Einstimmung erzählte Besold die Geschichte der wunderbaren Zeitvermehrung von Lothar Zenetti, die der biblischen Erzählung der Speisung der 5000 nachempfunden ist. Die beiden Geistlichen gestalteten die Predigt als Zwiegespräch. Pfarrer Besold stand am Ambo und Pfarrer Sauer auf der Kanzel.

Sauer sprach von den vielen Terminen, die bereits Kinder und Jugendliche haben, so dass sie fast keine Zeit mehr für den Konfirmandenunterricht mehr fänden. Dem konnte Besold nur zustimmen. Er brachte die Probleme bei nachmittäglichen Beerdigungen an, bei denen es schwierig sei, Ministranten zu finden. "Doch es gibt immer wieder Menschen, die Zeit haben für die Kirchengemeinde", so Sauer.

"Mit Jesus entsteht Zeit", sagte Besold. "Das heißt aber nicht, dass der Herr an die 24 Stunden noch eine Stunde dranhängt." Vielmehr geschehe etwas Wunderbares, wenn sich jemand für Gott Zeit nehme. "Ich merke, was wichtig ist im Leben und kann meine eigenen Gedanken wieder ordnen", meinte Pfarrer Sauer.

Nicht im Nebel stehen

"Sich Zeit nehmen für Gott ist keine Zeitverschwendung", stellte Besold fest. "Wer viel um die Ohren hat, steht wie in einem Nebel, aus dem man nicht herauskommt." Jesus weise den Weg aus diesem Nebel, denn er ist das Licht. "Da sollten wir auch noch einen Termin machen, einen Termin mit Gott", forderte Besold die Gläubigen auf. "Denn mit Gott kommt ein Stück Ewigkeit ins Leben, ein Geschenk des Himmels."

Wie die beiden Pfarrer mitteilten, sei dieser ökumenische Gottesdienst der erste in der Reihe der "Atempause-Gottesdienste" gewesen. Die nächste Veranstaltung ihrer Art findet am Samstag, 9. Mai, ebenfalls um 19.30 Uhr in der St.-Jakobus-Kirche.
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