"Terra X" spielt auch im Landkreis

Alle Funde werden von Kurt Engelhardt fein säuberlich beschriftet und geordnet. Nach und nach vervollständigt sich so das Geschichts-Puzzle der untersuchten Gebiete. Bilder: Völkl (2)

Wen Geschichte fasziniert, der liebt die Doku "Terra X". Wenn im ZDF die Serie über Funde und Abenteuer, über Herrscher und Burgen ausgestrahlt wird, könnte sich der Landkreis mit seinen archäologischen Schätzen einklinken: "Wir haben das bei uns auch".

Nabburg. (cv) Dieser Meinung sind zwei Männer, die sich in ihrem Fachwissen ideal ergänzen und ein Ziel verfolgen: "Die Archäologie unters Volk bringen." Als es um die Nachfolge des bisherigen Kreisheimatpflegers für Archäologie, Ernst Thomann, ging, entschied sich der Kreistag für eine Doppelspitze: Den pensionierten Richter Kurt Engelhardt aus Nabburg (67) und den Feinblechner Harald Schaller (49) aus Ettmannsdorf. Beide haben sich in jahrelanger archäologischer Tätigkeit viel Fachwissen angeeignet. Einen "Zahn zu" legt Engelhardt im Bereich Vorgeschichte, Schaller im Segment Mittelalter. Beide haben ihre Claims abgesteckt. Engelhardt ist erste Anlaufstelle im Norden, Schaller im Süden des Landkreises. Dann wird die Arbeit so verteilt, wie sie dem Fachgebiet entsprechend in den besten Händen ist.

Stets tiefschürfend

Kurt Engelhardt hat sich seit 2008 in der Archäologie "festgebissen". Die komplexeste seiner zehn Grabungen war die frühmittelalterliche Nekropole von Iffelsdorf. Nahezu ein Jahr legte er auf dem Areal der PWC-Anlage an der A 93 den größten in der Oberpfalz bekannten metallzeitlichen Siedlungsbereich mit frei. In diese Zeit fielen die aufsehenerregenden Grabungen auf der Pfreimder Gerresheimer-Baustelle. Den ersten Anstoß gab allerdings Ernst Thomanns Kampagne bei Zangenstein: ein Hügelgrab aus der Hallstattzeit. "Ernst Thomann suchte jemanden, den er brauchten konnte", lacht Engelhardt. Und wer den pensionierten Richter kennt, weiß, dass er sich tiefgreifend mit der Materie befasst. Der ehrenamtliche Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege liest viel, besucht Tagungen, pflegt Kontakte zu Grabungsleitern.

Harald Schaller infizierte sein ehemaliger Lehrer Elmar Hartl mit dem Virus Archäologie. Auf dem Warberg hatte er dann vor 24 Jahren ein Schlüsselerlebnis: Orkan "Wiebke" hatte gewütet und eine riesige Zwillingsbuche entwurzelt. Aus dem Wurzelwerk konnte man die mittelalterliche Keramik nur so herausschütteln. Schaller hat am Burgstall, bei der Freilegung der Burgmauer, Gebäuden und einem hochmittelalterlichen Schichtwasserbrunnen seine Handschrift hinterlassen. Im Schwarzachtaler Heimatmuseum hat das Projekt Langzeitwirkung. Profilaufnahmen, Freilegungen, Keramik-Arten - Schaller arbeitet die Details fein heraus.

Beide Kreisheimatpfleger sind Ansprechpartner für archäologisch Interessierte, Gemeinden und die Untere Denkmalschutzbehörde. Sie begleiten Bauprojekte mit denkmalrechtlichen Auflagen, bereiten die Grabung 2015 in Iffelsdorf mit vor.

Ausstellung in Pilsen?

Auch die Kulturhauptstadt Pilsen ruft: "Ins Auge gefasst" wird eine Ausstellung mit Vortrag, hat man zu Tschechien doch Bezugspunkte bei der frühmittelalterlichen slawischen Besiedlung der Oberpfalz. Der Schwerpunkt soll auf die Iffelsdorfer Grabungsergebnisse gelegt werden. Ein Anliegen ist Engelhardt und Schaller auch eine ansprechende Broschüre über archäologische Funde im Landkreis. Ständig beschäftigt ist das Team - unterstützt vom Landesamt - mit der Sichtung und Auswertung der archäologischen Funde, um in der Zukunft mal eine Ausstellung - beispielsweise über die Steinzeit - zu arrangieren.

Beide Kreisheimatpfleger haben ein Steckenpferd: Bei Kurt Engelhardt sind es systematische Geländebegehungen größerer Räume und die entsprechende Auswertung. "In Arbeit" sind Pfreimd, Trefnitz, Luigendorf und Siegelsdorf. Bisher sind nur gewisse Funde bekannt, doch es gibt keine Übersicht über den Gesamtbereich. Harald Schaller füllt die Wissensnische der Burg- und Erdställe, sei es in Wildstein oder bei der Höcherlmühle (Teunz). Das Mitglied im Arbeitskreis für Erdstallforschung hat auch dafür gesorgt, dass der Brunnen auf Burg Stockenfels freigelegt und funktionsfähig gemacht wurde.

Beide Männer faszinieren "die Hinterlassenschaften der Menschen, die hier mal gelebt haben. Sie prägen unser Leben und unsere Kulturlandschaft". Schaller und Engelhardt wollen noch mehr Licht in die Archäologie des Landkreises bringen: "Das erdet".
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