"The Les Clöchards": Zerlumpte Gestalten rocken beim Sommernachtsfest auf Schafferhof-Bühne
Wild, schmutzig und genial

In Klamotten von Landstreichern standen die fünf Musiker von "The Les Clöchards" auf der Freiluftbühne am Schafferhof. Bild: gge
Ein paar zerlumpte Gestalten rocken in schönster AC-DC-Manier über die Freiluftbühne des Schafferhofs und singen "It's a long way to the top". Der Gitarrist läuft wie Angus Young wild herum, hüpft mit der Dobro-Gitarre durchs Publikum und wirft sich auf den harten Stein-Boden.

"The Les Clöchards" stülpen sich bekannte Songs über, um sie dann völlig neu zu präsentieren, Überraschungsmomente und Aberwitz inklusive. Und das alles in klar verständlichem Pidgin-Englisch. Sie kämen von einer kleinen Insel nahe Korsika mit nur 480 Einwohnern, erzählt Sänger Dregue Sbaeg. Und weil das zu wenige seien, um Erfolg zu haben, seien sie nun in der Welt unterwegs. Und sie würden niemals irgendwelche Songs covern. Sagt's und stimmt frech "The Look" von Roxette an. Dem Publikum gefällt es. Es dauert nicht lange, bis aus einem Wippen ein Mittanzen wird.

Alles selbstgeschrieben

So wild wie die Gestalten ist auch der Musikmix. Der reichte von Leningrad Cowboys über The Boss Hoss, von Reggae über Rock, Filmsongs und Balladen. Pulsierender Reggae-Groove wechselt in treibenden Ska-Rhythmus. Vor jedem Lied behauptet der Sänger: "Das haben wir selbst geschrieben." Nur hätte der Band ständig andere Musiker die Stücke geklaut. Und so bedienen sie sich ungeniert der Tophits der vergangenen Jahrzehnte. Originell ist die Darbietung durch immer neue Überraschungen, etwa indem sie plötzlich das Hängen einer Schallplatte imitieren, oder der Orgelspieler gleichzeitig Melodika bläst.

Den Kontrabassisten in schmutzig-weißem Rippunterhemd stellt der Sänger als "Boris Kakalakis" vor, einen angeblich griechischen Zahnarzt. "Like a Virgin" spielt die Band im Walzertakt, gefolgt von "Sledge Hammer". Das Publikum johlt und tanzt begeistert vor der Bühne. Bei allem spürt man den Spaß der Vollblutmusiker, die im wahren Leben aus der Gegend um Speyer kommen. Auch Jazz kommt vor, mit ausgeprägtem Saxofon-Solo. Hier behaupten die Musiker wieder frech, Jazz sei nur ein kapitalistischer Trick, um Saxofone zu verkaufen.

Zum Abschluss kündigte der Sänger an, dass sie auch dann Zugaben spielen würden, wenn niemand klatscht. Doch da musste er sich keine Sorge machen. Das Publikum war begeistert. "How deep is your love" im Bee Gees-Boygroup-Sound und "Sex Bomb" als wildes Arrangement mit diversen Rhythmuswechseln füllte auch noch das letzte freie Plätzchen vor der Bühne. Somit war auch eine weitere Zugabe unumgänglich.

Zugabe in Unterhosen

Iron Maidens "666 The Number of The Beast" wurde zu einer nur von der Gitarre begleiteten, wunderschönen Ballade, welche diese fünf, nur bekleidet mit zerrissenen Unterhosen, zum Spaß aller Anwesenden spielten.
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