Theodor Krauß verfasste 1945 und 1946 Gedichte - Heute vor 70 schrieb er über seine Sehnsüchte
Poesie aus der Kriegsgefangenschaft

Theodor Krauß gilt als ein Thansüßer Urgestein. Er brachte auch ein Buch heraus, in dem er an seine Kriegsgefangenschaft erinnert. Bild: bk
Als Theodor Krauß am 17. Dezember 2013 im Alter von fast 97 Jahren starb, ging mit ihm auch ein Stück Alt-Thansüß verloren. Der Metzgermeister hatte bis zur Erkrankung seiner Frau Elisabeth die Gastwirtschaft geführt. Die Älteren aus Thansüß und Umgebung schwärmen heute noch vom Kirwatanz und den Bällen im "Reuschel"-Saal.

Krauß war Mitbegründer des Posaunenchors, Gemeinderat und bis 1997 als Tenorsolist ein Sänger durch und durch beim "Liederkranz" Freihung. Seine Erkenntnisse über die Sinnlosigkeit des Kriegs, der ihn nach Polen, Russland und Italien geführt hatte, fanden in Gedichten ihren Ausdruck. Auf den Tag genau vor 70 Jahren schrieb er in sein Buch "Erinnerungen an meine Kriegsgefangenschaft 2.5.'45 bis 2.4.'46". Darin heißt es: "Sehnsucht am 18. August 1945, Flugplatz Rimini:

Gefangen, gebracht in ein Lager, wo Hitze und Sonnenglut, hier harren viel tausend Kameraden, ach Himmel sei ihnen doch gut!

Schon Monate ohne ein Brieflein, vom Zweifel geplagt und zerzaust; so wartet voll Sehnsucht ein jeder, der Rückkehr ins Vaterhaus.

Ihr Heimatberge und Hügel, ihr Täler und Wiesenau'n, ihr Flüsse, Seen und Giebel, wann darf ich euch wieder schaun?

Ihr leuchtenden Dörfer und Städte, ihr Türme und Burgen am Rhein, ihr dunklen bayerischen Wälder, wann kann ich bei euch wieder sein?

Ihr strahlenden Felder und Gärten, ihr Hänge mit glühendem Wein; ihr guten Frohsinnsgefährten, wann werdet denn ihr wieder mein?

Wann kehret ihr viel schönen Stunden, wann kommst du verlorenes Glück? Vom Schicksal getrieben gebunden, wann lässt du mich wieder zurück?

Wann kommen die Tage der Freiheit, wann findet die Wahrheit das Recht, wann bleibt denn das Gute in Reinheit, das Grausame minder und schlecht?

Du Vater, du Mutter und Liebste, die Sehnsucht nach euch drückt mein Herz; ein Wort nur von euch wenn ich hätte, möchte lindern und stillen den Schmerz.

Ich bin noch im Glauben und Hoffnung, euch allen es geht noch sehr gut, das gibt mir auch Kraft zur Besinnung, sollst niemals verlieren den Mut.

Und hab ich mal erst von euch Nachricht, vor Freud wird mein Herze verglühn, nach Kummer und Sorgen "der Frühling" wird einst auch für uns wiederblüh'n.
Weitere Beiträge zu den Themen: Thansüß (147)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.