Theuerner Festival Musik und Tanz des Mittelalters trifft auf ein fachkundiges Publikum
Wo Ehrerbietung vornehmste Pflicht ist

In tiefrotes Licht getaucht, gab es für die relativ bewegungsarmen, getragenen mittelalterlichen Tänze ab und zu Szenenapplaus. Bilder: e (2)
Walther von der Vogelweide oder Wolfram Eschenbach, das sind vor dem Hintergrund gängiger Schulbildung die typischen Vertreter des mittelalterlichen Minnesanges in einer eigentlich eher düsteren Zeit. Ihr können die "Spielleut von Ammenberg" als begeisterte Musiker dieses Genres allerdings recht fröhliche Seiten abgewinnen, die "gar reichlich Publikum anlocken".

So jedenfalls begrüßte Bernd von Ammenberg (Bernd Rzepka) seine und die Zuhörer des 5. Festivals Musik und Tanz des Mittelalters. Die drei Minnesänger und Musiker, unterstützt von Christina "aus dem Tale der Lauterach" an der Harfe und Celya von Angerhahn, gastierten bereits zum fünften Mal im Kulturschloss mit ihrem authentischen Spiel auf historischen Instrumenten wie Laute, Drehleier, Teutsche Laute, Zister, Harfe und Dudelsack. Die entsprechende Bekleidung versteht sich damit quasi von selbst.

Versiertes Publikum

Mittelalterlichen Tanz und Lebensfreude, das wollen die Barden zudem bieten, und das geneigte Publikum zeigte sich wohlgefällig, reichlich und sichtlich begeistert. Gewissermaßen Kultstatus genießen die Spielleut von Ammenberg inzwischen, die "in angebrachter Weise" (will wohl heißen Lautstärke) das Hohe Lied des Minnesanges boten. Es sind samt und sonders Amateure, die aber mit viel Inbrunst das Mittelalter aufleben lassen.

Das Auditorium dieses Abends im Kulturschloss bestand sicher durchweg aus Anhängern und Kennern dieses Genres. Stets ging ein Raunen durch die Reihen, wenn die Tänzer von "Reigenvroiden", die "Tanzenden Marktfrauen aus Nabburg" und "Laetissime Saltemus" auf der Bühne im Großen Saal die Minnesänger unterstützten. Sie zeigten, wie früher der Adel, aber auch das gemeine Volk getanzt bis in die Renaissance getanzt haben. "Ich zoch mir einen Falken" oder mit "Liebe bin ich aufgewachsen" steuerten derweil die Ammenberg-Spielleut musikalisch bei.

Das Publikum hat trotz des eigentlich ernsten Hintergrunds diesen Darbietungen einige Male auch Witziges abgewinnen können: "Catweazle!" (eine schrullige Fernsehfigur, Anm.d.Red.) schrie beispielsweise prompt ein Zuhörer, als Bernd von Ammenberg das Lied vom Zauberer aus England ankündigte. Die Gruppe sagt von sich selbst, dass sie großen Wert auf die Darbietung mittelalterlicher Musik in "seiner ursprünglichen Vortragsweise legt". "Wir Spielleut sind dann zwar etwas leiser, aber dafür direkt beim Zuhörer."

Kontrastprogramm

Im krassen Gegensatz dazu stand an diesem Abend "Grex Confusus". Sie nennen sich gleichfalls Mittelalter-Band, ließen den Saal aber förmlich erbeben. Die präsentierte Sackpfeifen-Power wurde förmlich zu einem Härtetest für die Ohren und mit voller Wucht wurden die Trommeln und Schalmeien geschlagen. Die Mittelalterband aus dem Fichtelgebirge fegte wie ein Wirbelwind über die Bühne, martialisch im Aussehen, virtuos mit Sackpfeifen (Dudelsack). Auch das ist Mittelalter.
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