Tief in den Dialekt eingetaucht

Dieter Radl und die Flötengruppe "Rosenholz" zogen die Zuhörer in ihren Bann. Bild: hka

Hat Theodor Fontane im Oberpfälzer Dialekt gedichtet? Nein, hat der Neuruppiner nicht. Hätte aber gut geklungen. Das zeigte sich am Goglhof, als Dieter Radl eines von Fontanes Gedichten in Mundart vortrug. "An an Sunntoch in da Fräih" hätte Fontane sicher gut gefallen.

Von halb zwölf an hatte Margarete Jäkel, die Hausherrin des Goglhofs, den Kachelofen geschürt, damit es gemütlich warm war am Abend in der Stube. Zum besonderen Wohlfühlen trugen die Flötengruppe "Rosenholz" mit ihrer Musik bei und ganz besonders Dieter Radl mit seinen Gedichten und Texten über "Wäi's is, wäi's wor - a weng durchs Johr".

Gedichte und Geschichten

Ein wenig der Jahreszeit angepasst, nicht "krachert" sondern oft nachdenklich sind an diesem Heimatabend die Gedichte und Geschichten des mittlerweile weit über seine Heimatstadt Sulzbach-Rosenberg hinaus bekannten Mundartdichters und Erzählers Dieter Radl. Zu reden "wie ihm der Schnabel gewachsen ist" ist für den Pädagogen im Ruhestand nicht nur Bedürfnis und Freude, sondern auch eine Aufgabe, wenn er sieht, wie viel verloren geht vom Dialekt, der "Sprache der Bilder".

Radl fällt auf, was viele nicht mehr sehen: Die kleinen Dinge in der Natur, Eigenheiten seiner Mitmenschen, er riecht frisch gemähtes Gras und Herbstlaub, er freut sich über den Neuschnee, die ersten Anzeichen des Frühlings, möchte ganz einfach nur den Wolken zuschauen, ohne an irgendetwas zu denken. Und all das beschreibt er in seinen Gedichten, malt Bilder im reinen, ausdrucksfähigen Dialekt, den manche nicht schön finden, aber, so sagt er: "I scho!" "Des wor unsa Advent", erinnert er sich an einen schlichten Adventskranz, an den Kalender mit 24 Fensterchen, an Rorate, Eisblumen am Fenster und den Briefen ans Christkind. "Bethlehem wor ganz noucht dou", denkt er angesichts der heutigen ganz auf Kommerz ausgerichteten "Tage der Erwartung des Herrn".

Mit Herbst und Weihnachten beginnt Dieter Radl seine Reise durch die Jahreszeiten. Er beschreibt den Kinderfasching beim Iberer, damals 1950, mit den Cowboys und Comanchen, den "Korfreida", an dem die Ministranten ratschen, die Glocken nach Rom fahren und "niad gsunga und niad glacht wird".

Dass in dem Bemühen, Bräuche zu erhalten oder wieder zu beleben so manches Auswüchse angenommen hat, zeigt Radl auf am Beispiel der Osterbrunnen oder der Kirwan. Gern beschreibt er dagegen die Feste seiner Heimatstadt. Als Kind träumte er vom "Karutscherlfohrn" am Frühlingsfest, musste sich aber sagen lassen: "Gäiht niat Bou, mia miän gscheit sporn". Das Annabergfest dagegen genießt er mit allen Sinnen, den Geruch der Bratwürste, das Läuten der Glocken, den Blick auf Rosenberg oder das Hahnbacher Becken und natürlich das Bier.

Das "Boafatzlaafn im Summa",einen Abend am Weiher in der Wüstenau, den "Hiast, wennst äiamal an Ofer schiarst" oder "As Dorf im Schnäi", Radl zeichnet Vergangenheit und Gegenwart, beschreibt Schönes wie die Quelle im Breitenbrunner Tal, lästert mit "A Weiwaherd mit Stecka" über Moden wie Nordic Walking und macht sich aber auch Gedanken über das Sterben.

Spezielle Begriffe

Lebhaft wird es, wenn Radl ganz spezielle Begriffe verwendet, die selbst Hahnbacher oder Iberinger nicht immer verstehen, ganz zu schweigen von den "Nordlichtern" unter den Gästen. "Hutschawawerl" für Kröte ist da noch eine der leichteren Aufgaben, "Räiloia" für Ostereier, "Roumbifing" als Gegenteil der Ackerfurche oder "Fotznhowel" für Mundharmonika sind urige Worte, die dem Dialekt verloren gehen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Eberhardsbühl (89)November 2014 (8194)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.