Tief verwurzelte Leidenschaft

In Zeiten des Internets lässt sich alles googeln. Viele verlieren den Bezug zur Natur, die meist direkt vor der Tür ist. Für Martin Gottsche ist das kein Problem, sein Arbeitsplatz ist überall in der Nähe zu finden. Er machte seine Liebe zur Umwelt zum Beruf: Er ist Förster. Was sich harmonisch anhört, ist mit Problemen und viel Arbeit verbunden.

Eschenbach.(tgi) "Ich wollte schon immer hier Förster werden", erzählt Martin Gottsche. Sein Büro mit Geweihen und viel Holz lässt die Leidenschaft auch außerhalb des Berufs erahnen. Er ist als staatlicher Förster der Wälder Eschenbach, Pressath, Grafenwöhr und Schwarzenbach angestellt. Die Leidenschaft dafür liegt in der Familie: Dort gab es schon viele Förster und Jäger. Seine Frau und die drei Kinder unterstützen ihn. "Bei vielen Aktivitäten ist immer die ganze Familie dabei", sagt er. Doch abschalten, wie in manchen anderen Berufen, ist hier nicht möglich. Die Leidenschaft des Försters geht so tief, dass Ausflüge ohne eine Analyse von Bäumen schon nicht mehr möglich sind. "Auch im Urlaub schaue ich mir die Natur an, das lässt mich nie los", erläutert der Eschenbacher.

Es gibt viel zu tun

Die Arbeitsfelder eines Försters sind breit gefächert und oft nicht für jeden überschaubar: Neben Pflege, Pflanzungen und Ernte in den zuständigen Gebieten gehören Beratungen und Schulungen für Waldbesitzer zu seinen Aufgaben. Gottsche sieht sich auch als "Polizist des Waldes", denn für die Einhaltung der dortigen Gesetze ist er zuständig. Bei seiner Waldpädagogik führt Gottsche Schulklassen, Kindergärten oder andere Interessenten durch den Wald. Seine zwei Hunde seien hier immer dabei und oft beliebter als der Förster selbst, wie er schmunzelnd berichtet.

Für den 44-jährigen Eschenbacher ist es wichtig, den Menschen die Natur näher zu bringen und eine Verbindung zu schaffen. Deshalb entwickelte Gottsche mit dem Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald vor einiger Zeit die Idee eines Walderlebnispfads, der Attraktionen für Jung und Alt bietet. Inzwischen gibt es davon drei in der Umgebung: Eschenbach, Grafenwöhr und Pressath, wobei letzterer von einem Kollegen umgesetzt wurde. Das Konzept solle offen sein, Änderungen seien also immer möglich. Das findet Gottsche besonders wichtig, denn den Menschen wird so immer wieder etwas Neues geboten und das Interesse wird jedes Mal erneut geweckt.

Auch die Installation einer Webcam, die zur besseren Beobachtung eines Fischadler-Horsts dient, ist ein guter Weg für Interessierte, am Waldleben teilzunehmen. "Diese neue Idee hat Vorteile für beide Seiten: Die Fischadler, die hier in der Umgebung einzigartig sind, haben ihre Ruhe vor neugierigen Blicken und die Menschen haben dennoch die Möglichkeit, die Tiere ganz nah zu beobachten und an ihrer Entwicklung teilzunehmen. Ein Gewinn für alle", schildert Gottsche lächelnd. Über den Winter, wenn die Vögel ihren Nistplatz verlassen, wird die Kamera aufgebaut und steht bald allen Interessierten online zur Verfügung.

Keine finanziellen Probleme

Auf die Frage, was den Eschenbacher Wald so besonders mache, weiß Gottsche sofort eine Antwort: Der Artenschutz vieler Tiere und Pflanzen. Künstliche Bruthilfen werden im Wald gebaut und neue Biotope, wie Wassergräben oder Teiche, zur Unterstützung der Lebewesen geschaffen. Der Naturverbundene verrät, dass viele Menschen Wert auf heimisches Holz und sauberes Wasser legen. Diese Möglichkeit soll ihnen geboten werden. "Das Stichwort ist Nachhaltigkeit", verkündet Gottsche, der selbst Holz aus der Umgebung für den Bau seines Hauses benutzt hat.

Natürlich hat auch dieser Beruf seine Nachteile. Förster müssen oft Planungen weit in die Zukunft machen, um auch den nachfolgenden Generationen die Chance auf einen gesunden Wald zu geben. Auch das Klima belastet die Gebiete rund um Eschenbach schwer: Aufgrund der großen Hitze und geringen Regentage des vergangenen Jahres sind einige Bäume mit Käfer befallen.

Um in einem solchen Fall keinen zu großen Verlust verbuchen zu müssen, hat Gottsche schon vor einiger Zeit auf den Umstieg auf Mischwälder gesetzt. "Wenn hier jetzt eine Baumart durch äußere Einflüsse geschädigt wird, bleiben immer noch andere Arten. Somit fällt nicht das ganze System zusammen." Finanziell ist er noch nie auf Probleme gestoßen. "Unterstützung bekomme ich von allen Seiten und am Geld scheitert es nie", erläutert der Förster.

Begeistert ist Gottsche auch von der Waldjugend in Eschenbach, bei der er als Betreuer zuständig ist. "Ich mache nur Maßnahmenvorschläge, die Durchführung liegt allein bei der Jugend", berichtet der Förster mit etwas Stolz. Ein großer Schwerpunkt deren Arbeit liegt bei der Pflege verschiedener Biotope. Auch der Bau von Nistkästen ist wichtig, um Vögeln und anderen Tieren einen guten Lebensraum bieten zu können. Hierbei spielt auch die Reinigung und Instandhaltung eine besondere Rolle.

Neues Projekt: "Ruhewald"

Eines seiner neuen Projekte und auch sein "persönlicher Wunsch" ist der Ruhewald, der in Eschenbach angelegt werden soll. Er soll naturverbundenen Menschen die Chance geben, ihre letzte Ruhe im Wald finden zu können. Im Moment sind die Planungen noch am Anfang, doch schon bald werde das Thema wieder im Stadtrat besprochen. Die kirchlichen Reaktionen sind durchwachsen. "Zu diesem Thema gibt es geteilte Meinungen", sagt Gottsche. Die Nachfrage für dieses Projekt ist vor allem in überregionalen Gebieten sehr hoch. Der 44-Jährige erhofft sich viel.
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