Tiermuster in den Socken und strickend im Zug durch Deutschland reisen - Treffen der Wolle-Fans
Suchtgefahr: Stricken und spinnen

Deutschland und die Welt
06.10.2005
30
0

Stricken bis die Nadeln glühen, das war am Wochenende am Gaisweiher angesagt. Rund 20 Teilnehmer aus ganz Deutschland waren beim Strick- und Spinntreffen dabei. Die Weidenerin Marianne Stingl hatte das "Wolle-Happening" organisiert.

Socken und Pullover in allen Variationen ließen sich im Café-Restaurant "Gaisweiher" bewundern. "Die Leute stricken, weil es ihnen Spaß macht, weil man sich dabei prima unterhalten kann und weil es fast so gut entspannt wie autogenes Training", erzählte Stingl. Nicht zu vergessen die Freundschaften, die sich bei den regelmäßigen Zusammenkünften entwickeln würden: "Nach Weiden im vergangenen Jahr habe ich für das zweite große Treffen in unserer Region Flossenbürg ausgewählt. Dass sich das Wetter nicht gerade von der schönsten Seite zeigt, ist egal. Wir stricken drinnen."

"Zug-Socking"

Wenn es um Stricken und Wolle geht, kann der Weidenerin niemand etwas vormachen. Beides ist fester Bestandteil ihres Lebens, nicht zuletzt aus beruflichen Gründen. Am Hammerweg betreibt sie einen kleinen Laden. Stolz ist sie darauf, zu den Initiatoren einer neuen Bewegung zu zählen, dem "Zug-Socking". Ganz spontan würden sich dabei Leute zusammenfinden, mit einem Billigticket der Bahn eine Rundreise durch Bayern unternehmen, die Landschaft genießen - und eben nebenbei Socken stricken.

Wann immer es geht, ist Stingl mit dabei. Geradezu begeistert berichtet sie in dem Zusammenhang von einem Geburtstagsgeschenk: "Ich durfte vier Tage im Zug quer durch Deutschland fahren. Es war ein unvergessliches Erlebnis, auch wenn ich jetzt eine Sehnenscheidenentzündung habe." Die sei allerdings auf Grund der Freude über das Flossenbürg-Treffen mit den Freunden im wahrsten Sinne des Wortes zu "verschmerzen".

Zudem gab es aufmunternde Worte von einem Gast aus Hechingen in Baden-Württemberg. Der Chef des renommierten Wolle-Unternehmens Tutto hatte es sich nicht nehmen lassen, in der Grenzgemeinde dabei zu sein. Wolfgang Zwerger berichtete Teilnehmern und Zaungästen von einer Idee, die inzwischen bundesweit für Furore sorge. Unterstützt werde die Aktion "Rettet den Regenwald". Zusätzlich zu den Beiträgen des Unternehmens - von jedem Knäuel werde ein Betrag abgezweigt - sei jeder aufgerufen, mit einer Spende zu der wichtigen Aufgabe beizutragen.

Zwerger beließ es nicht bei seinem Appell und seinen Berichten. Der findige Unternehmer - er setzt wegen der hohen Qualitätsansprüche auf die Produktion in Deutschland - stellte seine neu auf den Markt gekommene Tutto-Kollektion vor. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Farbnuancen, die, fertig gestrickt, den Eindruck von Tiermustern vermitteln. Socken, Handschuhe, Schals oder Pullover mit Tiger-, Flamingo-, Papagei- oder beispielsweise Zebraimpressionen seien trotz der kurzen Zeit bereits zum Hit in der Wollmode geworden.

Elektrisch spinnen

Wolle nicht kaufen, sondern selbst herstellen, auch das ließ sich bei dem gut gelaunten Völkchen am Gaisweiher bewundern. "Nein, zu faul, um das Spinnrad mit dem Fuß anzutreiben, bin ich nicht", schmunzelte ein vor einem seltsamen Gerät sitzender "Spinner". Seine Frau könne aus gesundheitlichen Gründen das Pedal nicht mehr bedienen, sei aber ein regelrechter Fan des selbst gezupften und gedrehten Fadens: "Da kam mir eines Tages der Gedanke, die Spindel elektrisch anzutreiben. Das funktioniert prima."
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2005 (4600)