Tobias Ostermeier brilliert mit Ein-Mann-Stück von David Sedaris auf der Schafferhof-Bühne
Die dunkle Seite der Weihnachtszeit

Ein Zwerg (Tobias Ostermeier) räumte auf mit der kommerziellen Weihnachtsidylle in "Marcy's Santa Land". Schamlos bösartig gewährte er dem Schafferhof-Publikum intime Einblicke in die dunkle Seite der Vorweihnachtszeit nicht nur in New York, in der das Zwergenland zum gesellschaftlichen Schlachtfeld geriet und in dem sich der Zwerg mehr an der Pforte zur Hölle als zum Himmel wähnte, dort wo Satan statt Santa wartet.

Verantwortlich für die bissige Satire zeichnet der amerikanische Bestsellerautor David Sedaris, der in der 1999 erschienen Kurzgeschichtensammlung "Holidays on Ice" seine "Santaland Diaries" veröffentlichte. Der gebürtige Weidener Musiker Gerwin Eisenhauer brachte die Geschichte 2014 als deutsche Erstaufführung und in eigener Übersetzung auf die Bühne.

Publikum begeistert

Als Weihnachtszwerg Grantl lieferte der talentierte Regensburger Schauspieler Tobias Ostermeier in dem Ein-Mann-Stück eine bravouröse Leistung ab, die beim Publikum bestens ankam. Von Weiden aus machte sich Grantl auf den Weg in die neue Welt und wollte dort als Schauspieler am Broadway oder in der Serie "How I met your mother" Karriere machen. Doch beide Träume zerschlugen sich und schließlich landete er als Zwergenhelferlein des Kaufhausweihnachtsmanns im Weihnachtswunderland in New Yorks größtem Kaufhaus Macy's.

Zwischen einem Berg von Geschenken mit Schneemann, Santa und Weihnachtsbaum (jeweils aus Plastik) wurde er in rot-weiß gestreiften Strumpfhosen und grünem Samtkostüm mit weißem Flokatikragen seiner letzten Würde beraubt. Herumhampelnd mit einem unentwegten Lächeln und "Merry Christmas"-Rufen kümmerte er sich um Kinder und Erwachsene gleichermaßen, die sich in langen Schlangen über Brücken und durch Zuckerstangenwälder, vorbei am Kotz-Corner, einer Spiegelwand, an der zu Übelkeit neigende Kids gerne mal ihren Mageninhalt übergeben, langsam zum Ziel vorschoben. Erinnerungsfoto auf Santas Schoß, Wünsche und schnell wieder hinaus und das in 11,5 Sekunden. Grantl hatte viel zu erzählen von seinen Beobachtungen als Vollzeit-, Brücken-, Magic-Windows oder einfach nur Ausgangszwerg. Von heulenden Kindern, rassistischen Eltern, nervigen Multimedia-Hobbycrews bis zu schwulen Kollegen.

Tor zur Hölle

Je näher der Heilige Abend kam, desto infernalischer entwickelte sich die Geschichte, sodass er sich schließlich mehr am Tor zur Hölle, als zum Himmel wähnte. "O du fröhliche" im Rammstein-Stil untermalte das diabolische Szenario eindrucksvoll. Am Ende tauchte ein unbekannter Santa Claus auf, der zur Besinnung und gegenseitigen Liebe aufrief, denn schließlich sei Weihnachten keine Frage der Geschenke, und plötzlich fühlten sich die Menschen wohl.

Sedaris hält in seiner schamlosen Satire den Menschen einen Spiegel vor und gewährte dabei Einblicke in die dunklen Seiten der Vorweihnachtszeit. Ostermeier glänzte mit seinen schauspielerischen Leistungen. Immer wieder bezog er geschickt das Publikum ein, das Szenenapplaus spendete und seinen Auftritt am Ende mit großem Applaus belohnte.
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