Tod kommt immer viel zu früh

In der Pause wollten viele Seminarteilnehmer, darunter sogar ein Gast aus Frankfurt (im Bild rechts), Barbara Pachl-Eberhart und Bezirksvorsitzende Martina Mark (Mitte) persönlich sprechen.

Bis zum Gründonnerstag 2008 war für Barbara Pachl-Eberhart alles in Ordnung. Dann verlor sie ihren Mann und die beiden Kinder bei einem Unfall. Wie kann man damit weiterleben? Beeindruckende Antworten gab es beim Kolping-Bildungstag.

Dem Vortrag über Trauerbewältigung lauschten 160 Zuhörer beim Kolping-Bezirksverband Tirschenreuth, der sich eine starke Referentin ins Exerzitienhaus Johannisthal geholt hatte. Die Geschichte der Autorin ergriff jeden im Saal.

Bis 2008 hatten Barbara Pachl-Eberhart und ihr Mann, ein Schauspielerehepaar, zwei wundervolle Kinder, wundervolle Jobs, ein wundervolles Leben. Dann brach über der jungen Frau der Himmel ein: Ihr Mann und ihre kleinen Kinder starben bei einem tragischen Verkehrsunfall mit einem Triebwagen der Österreichischen Bundesbahn.

Sieben Jahre später erzählt die heute 40-jährige Wienerin von weißen Wolken im Himmel. Und sie stellt sich ganz klassisch vor, dass dort ihre Familie sitzt und herunterschaut. "Manchmal werfe ich meinem Mann vor, dass er es jetzt schön hat dort oben, während ich hier unten die Trauer alleine bewältigen muss", sagt sie. Am Sonntagmorgen rührt sie mit ihrem Schicksal 160 Zuhörer zu Tränen.

160 gebannte Zuhörer

Und nicht nur diese 160 Gäste sind gerührt. Ihr Buch "Vier minus Drei" wurde ein Bestseller. Seither hält Barbara Pachl-Eberhart Seminare über Trauerbewältigung und sieht es als ihre Aufgabe, Leidensgenossen damit Mut zu machen. Am Sonntagmorgen wurde es mucksmäuschenstill, als die Wienerin erzählte, wie sie im Krankenhaus um ihre Kinder betete und flehte, vergeblich. "Bis ich merkte, das bringt nichts. Dann habe ich losgelassen." Als ihre eineinhalbjährige Tochter starb, lief sie im Klinikpark umher und sang "Pippi Langstrumpf".

Völlig konfus? Nein, denn Trauer hat keine Regel: Nie wüsste man, was richtig oder falsch sei in solchen Momenten. "Bis ich gelernt habe, dass Betroffenheit sein darf und man den Schmerz nicht wegtrösten muss." Offen berichtete die Autorin von diesem Schmerz, der ihr manches Mal derart schlimm erschien, dass sie sich ins Handgelenk biss. "Ich wollte sterben, mich einfach in Luft auflösen."

Dann der Alltag: Wie bohrt man Löcher in die Wand für eine Vorhangstange? Kleine und große Dinge plötzlich alleine bewältigen zu müssen, auch das gehört zur Trauerbewältigung. Man dürfe sich dem nicht verschließen, sagt die Referentin und spricht von Lernprozessen, die im Nachhinein gut seien.

Aus der anfänglichen Sprachlosigkeit heraus hat Barbara Pachl-Eberhart mit ihrem Buch eine Sprache für Trauer gefunden. Viele Leidensgenossen im Saal sind der Autorin dankbar für ihre Offenheit, denn der Tod kommt immer viel zu früh. "Ich dachte oft, wie soll ich das nur aushalten. Aber man muss und kann", erzählt Lotte, die zwei Schicksalsschläge hinter sich hat. Lotte und ihre zwei Freundinnen sind zum Vortrag gekommen, weil sie das Thema besonders interessierte. Die Wiesauerinnen sind vor allem von der Offenheit der Referentin zum Tabuthema "Tod und Trauer" beeindruckt.

Auch Zeit zum Lachen

Tatsächlich lässt Barbara Pachl-Eberhart ein Lachen zu, wo es doch nichts zu lachen gibt. Mit kleinen, humorvollen Anekdoten aus ihrer Trauer bricht sie den Damm zum Schrecken des Todes. Da gibt es zum Beispiel diese vielen künstlerischen Darstellungen von Gevatter Tod, darunter das Gemälde einer drallen Bauersfrau bei der Ernte. Barbara Pachl-Eberhart: "Bestimmt eine Oberpfälzerin."

Jetzt muss erst einmal die Lachattacke unter den Zuhörern bewältigt werden, bevor es weiter geht über Erkenntnisse aus der Trauerforschung. Mit stehendem Applaus wird Barbara Pachl-Eberhart am Ende gedankt. Und Bezirksvorsitzende Martina Mark lädt sie herzlich zum Wiederkommen ein.
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