Tödlicher Stich ins Auge

Im Beisein der Stadträte legten Bürgermeister Armin Schärtl sowie seine Stellvertreter Kurt Koppmann und Heidi Eckl am Haller-Denkmal Blumen nieder. Bild: aub

Es geschah vor genau 70 Jahren unter wohl nie mehr zu klärenden Umständen: Am 28. April 1945 wurde der Nabburger Bürgermeister Josef Haller ermordet.

Nabburg. (aub) In Erinnerung daran legte der Stadtrat am Gedenkkreuz Blumen nieder. Ein steinernes Denkmal markiert heute den Tatort am Waldrand bei Passelsdorf, vor dem sich die Stadträte und einige Familienangehörige auf Einladung des Bürgermeisters zum Gedenken versammelten. Was damals an diesem Ort genau geschah, die Hintergründe und die Täter sind bis heute mysteriös - und werden es, wie Schärtl betonte, wohl immer bleiben. Zur Einordnung zitierte er aus einer Situationsschilderung des ehemaligen Stadtheimatpflegers Ernst Dausch: Es waren die Tage zwischen Häftlingsmärschen aus dem KZ Flossenbürg und in Erwartung der Amerikaner, denen man teils mit Straßensperren, teils dann doch angesichts sinnlos erscheinender Verteidigung durch den Volkssturm "mit weißen Fahne entgegentrat".

Positiver Leumund

Schärtl ergänzte diese Text-Passagen noch durch persönliche Erinnerungen aus der Feder von Bürgermeister Rudolf Scharf: Angst und Ungewissheit prägten die Menschen in den bangen Stunden bis zum Eintreffen der Amerikaner am 22. April 1945. Ausgehend vom Rathaus versuchten diese die Lage unter Kontrolle zu bringen, beließen aber Spenglermeister Josef Haller, wohl Dank sehr positivem Leumunds seitens der Bevölkerung, als ehrenamtlichem Bürgermeister auf seinem Posten.

Mysteriöse Umstände

Erst sechs Tage später trugen sich jene Ereignisse zu, an deren Ende ein Mord stehen sollte. Zeugen berichteten später, Uniformierte in einem Jeep mit Haller Richtung Passelsdorf fahrend gesehen zu haben, der ohne ihn wieder zurückkehrte. Ein Bauer fand schließlich die Leiche des Bürgermeisters, mit Schusswunden und dem tödlichen Stich ins Auge. Die Serie sonderbarer Begleitumstände sollte sich danach bis zur Beisetzung fortsetzen, die gerade stattfand als dessen Sohn heimkehrte und einen Passanten fragte: "Wer wird denn hier beerdigt?"

"Was können diese Ereignisse für uns Nachgeborene oder Überlebende bedeuten?", resümierte Bürgermeister Schärtl schließlich drei Aspekte: "Wir müssen uns unserer Vergangenheit stellen", die Erinnerung darf auch über eine "Bürgermeister-Haller-Strasse" hinaus nicht verblassen und, wie es einst Richard von Weizsäcker formulierte, die Besetzung sei zugleich als Akt der Befreiung von Terror, Hass und Unterdrückung zu sehen. Dem Niederlegen von Blumen, verbunden mit einer Schweigeminute, folgten noch der Besuch des Grabes auf dem Stadtfriedhof sowie ein Gottesdienst in der Pfarrkirche.
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