Torflut ohne Torjubel der Fans

Auch Johannes Kohl (Zweiter von links) wollte beim Schützenfest gegen Frohnlach einmal treffen: Das gelang ihm am Ende nicht, während Stefan Graf (Mitte im weißen Trikot) aber zwei Mal richtig stand und einschoss. Bild: Büttner

Die Spieler der SpVgg SV Weiden schießen sich gegen den VfL Frohnlach den Frust der letzten Wochen von der Seele - und kaum einer kriegt es mit. Eine Mini-Kulisse frustriert auch den Trainer: "Was sollen wir noch bieten?", fragt Christian Stadler.

Weiden. (mr) Klasse Tore, eine volle Gegengerade, eine noch vollere Haupttribüne, Fangesänge, mehr als 2000 Zuschauer, richtig Stimmung am Wasserwerk - das war vor vier Wochen beim Derby gegen den FC Amberg (1:1).

Jede Menge schöne Tore, eine total spärlich besetzte Haupttribüne, eine noch leerere Gegengerade, keine 150 Unentwegte, Friedhofsstimmung - das war das Weidener Wasserwerk am Samstag beim 7:0-Sieg der SpVgg SV Weiden gegen den VfL Frohnlach.

"Ja, da sind wir auch erschrocken", sagte Weidens Coach Christian Stadler zu dem Augenblick, als seine Jungs und er das Spielfeld betraten. Ein ungläubiger Blick ging auf die Ränge. Stadler: "Wir betreiben Werbung, treten sympathisch auf. Was soll die Mannschaft noch mehr leisten?" Eine offizielle Zuschauerzahl gab es nicht einmal, 150 Fans (mit den 5 aus Frohnlach) dürften es gewesen sein. Lag es daran, dass die Weidener zuletzt nur zwei Punkte aus vier Spielen holten? Sicher nicht. Zumal die SpVgg im Meisterrennen weiter eine minimale Chance hat.

Gäste "wehrlos und blutleer"

Stadlers Jungs hatten den Schreck vom Blick auf die Ränge aber schnell abgeschüttelt und schienen den eisernen Fans erst recht etwas bieten zu wollen. "Ich glaube, die ersten fünf Chancen waren drin", rechnete Ralph Egeter nach. 5:0 führten die Weidener nach 26 Minuten. "Wir haben losgelegt wie die Feuerwehr", freute sich Stadler über den furiosen Sturmlauf zu Beginn. Eine Feuerwehr hätten die Frohnlacher gebraucht. An allen Ecken und Enden brannte es in der Abwehr. "Klar ist, dass man nach dem schnellen 0:3-Rückstand den Glauben verliert, aber dass wir uns so wehrlos und blutleer präsentieren, ist bedenklich", schimpfte VfL-Trainer Stefan Braungardt.

Viel entspannter konnte Kollege Stadler die 90 Minuten genießen. Er freute sich vor allem über sein agiles Sturmtrio. Ralph Egeter traf drei Mal (11./14./68.). "Das ist mir vielleicht mal in Landesligazeiten gelungen", meinte er zu seiner Trefferfülle. Stefan Graf jubelte über zwei eigene Tore (3./26.): "Wir haben einfach mal so einen Türöffner gebraucht", sagte er über sein frühes 1:0. "Dann sind wir ins Rollen gekommen." Ins Rollen kam auch Christoph Hegenbart, wenngleich er wieder torlos blieb. Er ist ein bisschen das Sorgenkind, "aber er hat sehr gut gespielt", lobte Stadler, der sich auch über Tore von Peter Schecklmann (8.) und Friedrich Lieder (39.) freuen durfte.

Die Höhe des Erfolgs war dem Trainer nicht wichtig. "Ob 3:0 oder 7:0 ist egal. Ich hätte lieber nur 1:0 gewonnen und dafür zuletzt den ein oder anderen Punkt geholt." Dass sich seine Jungs in Hälfte zwei im Hinblick auf das Pokal-Halbfinale am Mittwoch (19 Uhr) gegen Regionalliga-Spitzenreiter Kickers Würzburg schonten, war zu verstehen. Auch die angeschlagenen Johannes Scherm, Peter Schecklmann und Michael Riester dürften dann dabei sein. "Wir werden uns wehren", verspricht Stadler der Mannschaft von Trainer Bernd Hollerbach einen heißen Kampf. Für den Finaleinzug müsse "aber alles passen". Gespannt sind sie am Wasserwerk nicht nur auf den mit Profis gespickten Gegner. Was wird's auf den Rängen geben: Richtig Stimmung oder Friedhofsstimmung?
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