Torjäger Marc Schnatterer führt den Aufsteiger gleich in die Spitze der 2. Bundesliga
Herzstück des 1. FC Heidenheim

Der Trainer und sein Lieblingsspieler: Heidenheims Coach Frank Schmidt scherzt bei einer Auswechslung mit Marc Schnatterer. Bild: dpa
Unlängst hat Marc Schnatterer beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim einen "Rentenvertrag" unterschrieben. Wie Trainer Frank Schmidt verpflichtete sich der Mittelfeldspieler bis ins Jahr 2020 beim Aufsteiger, der nach neun Spieltagen überraschend auf Rang fünf steht. Dank eines Kollektivs und des Ausnahmekönners Schnatterer, der sein sportliches Glück trotz seines Talents nicht bei einer der namhaften Adressen gefunden hat, sondern auf der Schwäbischen Ostalb.

"Hier wird akribisch und ehrlich gearbeitet, der Club achtet darauf, dass es immer weitergeht", sagt der 28-Jährige. "Ich denke, so bin ich auch: Ich will mich immer weiterentwickeln und immer eine ehrliche Spielweise abliefern." Dass der FCH am Freitag gegen den 1. FC Kaiserslautern das Spitzenspiel des zehnten Spieltags bestreitet, hat auch viel mit Schnatterer zu tun. Nicht nur wegen seiner schon neun Tore ist er derzeit einer der Topspieler in der 2. Liga.

Zu leicht

Der bodenständige Profi und Edeltechniker war 2008 zum damaligen Regionalligisten gekommen. Schnatterer avancierte zur Führungsfigur und marschierte mit Heidenheim durch die vierte und dritte Liga bis ins Profi-Unterhaus. Zuvor war der eher schmächtige Offensivspieler von größeren Clubs gewogen und für zu leicht befunden worden.

In der D- und C-Jugend spielte Schnatterer beim VfB Stuttgart, wo er sich aber nicht durchsetzte. Er ging zurück zu seinem Heimatverein TSV Bönnigheim, ehe er zum SGV Freiberg wechselte, wo er als A-Jugendlicher unter Ex-Bundesliga-Trainer Willi Entenmann in der Oberligamannschaft spielte. Der Karlsruher SC wurde auf Schnatterer aufmerksam, die Badener holten ihn für die zweite Mannschaft, aber auch hier klappte es nicht mit dem Durchbruch. Irgendwann galt er dann als zu alt für den Sprung ins ganz große Fußballgeschäft.

Auch in Heidenheim wollte es anfangs nicht richtig laufen, Schnatterer fühlte sich in der neuen Umgebung überhaupt nicht wohl. Geschäftsführer Holger Sanwald überredete ihn aber, zumindest bis zur Winterpause 2008 weiterzumachen. Schnatterer blieb - und blühte auf. Er avancierte zum Leistungsträger und Motor des Heidenheimer Spiels und kam in fast jeder Saison auf die meisten Tore und Vorlagen. Seit 2011 ist der Publikumsliebling Kapitän des FCH.

Schnatterer bedauert nichts. Den Zeiten, als renommierte Clubs an ihm Interesse zeigten, trauert er nicht nach. "Warum soll ich mich ärgern? Ich bin vielleicht einen Umweg gegangen, habe aber doch meinen Weg gemacht", sagt der Blondschopf. Dass ihm oft andere Talente vorgezogen wurden, die "vielleicht etwas robuster waren", stört ihn nicht. Als er vor drei Jahren wegen eines Mittelfußbruchs lange ausfiel, reagierte Heidenheim mit einer Vertragsverlängerung. Schnatterer revanchierte sich, indem er dem Verein trotz des zweimal verpassten Aufstiegs die Treue hielt.

In diesem Jahr klappte es dann doch noch mit Liga zwei, in der der Neuling bereits 15 Punkte gesammelt hat. Dass die Heidenheimer jetzt gegen die Topteams Kaiserslautern und Ingolstadt auf dem Prüfstand stehen, freut Schnatterer ungemein: "Das ist doch perfekt. Wir können mit Selbstvertrauen und ohne großen Druck in diese Spiele gehen. Wenn wir an die bisher gezeigten Leistungen anknüpfen, können wir auch gegen diese Gegner etwas holen."
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