Toten ihre Namen zurückgeben

Das Ende des Ersten Weltkriegs ist 96 Jahre her, das des Zweiten Weltkriegs fast 70 Jahre. Und noch immer werden Kriegsgräber gefunden, Gefallene entdeckt und so Schicksale geklärt. Zwei Beispiele.

In der Monatsversammlung der Reservistenkameradschaft berichtete Walther Hermann - im Vorfeld der Haus- und Straßensammlung, die bis 2. November läuft - über die Aufgaben und Tätigkeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Dieser wurde 1919 von einer kleinen Gruppe durch Kriegserlebnisse geprägter Menschen gegründet. Er pflegt heute in 45 Ländern in Europa, Nordafrika und im Nahen Osten auf 825 Soldatenfriedhöfen die Gräber von mehr als 2,5 Millionen Gefallenen beider Weltkriege.

Im Frühsommer 2014 machten die Männer einer lettischen Suchtruppe in den sumpfigen Waldgebieten nahe der Hauptstadt Riga nach Hinweisen aus der Bevölkerung mit Hilfe von Metallsonden die sterblichen Überreste von drei Soldaten ausfindig. Darunter war der vermutlich 800 000., durch die Arbeit des Volksbunds gefundene Kriegstote in Osteuropa.

"Trost für Angehörige"

Durch die Erkennungsmarken war es möglich, die Identität der Gefallenen festzustellen. "Den Toten wurde ihr Name zurückgegeben - ein Trost für die Angehörigen", resümierte Hermann. Der Volksbund veranlasste zudem eine würdige Beisetzung der sterblichen Überreste.

Bewegend war auch die Schilderung, wie das Schicksal eines bei den Kämpfen in der Normandie gefallenen kanadischen Soldaten aufgeklärt wurde. Er war durch eine Verwechslung als "Unbekannter deutscher Soldat" beigesetzt worden. Durch akribische Nachforschungen seiner Neffen und eine DNA-Probe wurde er erst vor kurzem als Lawrence Gordon identifiziert und am 13. August, genau 70 Jahre nach seinem Tod, in seiner Heimatstadt Eastend beigesetzt.

Der deutsche Militärattaché in Ottawa schrieb dazu: "Das Medieninteresse war enorm. Während der Veranstaltung wurde mehrfach Dank für die besondere Hilfsbereitschaft Deutschlands bei Gordons Identifizierung ausgedrückt. Der Volksbund hat sich bei der Aufklärung unbürokratisch, wohlwollend und überaus völkerverbindend präsentiert."

Erinnerung wach halten

Hermann führte schließlich mehrere Argumente an, die zu einer Spende für den Volksbund motivieren sollen. Mit der Sammlung werde dazu beigetragen, verstärkt in Osteuropa nach Kriegsgräbern zu suchen und Schicksale zu klären, damit das lange Warten der Angehörigen auf eine Nachricht endlich ein Ende hat.

Friedhöfe, wie den 2013 in Eger angelegten, gelte es endlich auch dort zu bauen, wo es wegen der Teilung Europas 50 Jahre lang nicht möglich war. Und schließlich sollen die Erinnerung und das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt von damals und heute wach gehalten werden, "damit wir nicht vergessen, wie kostbar der Frieden ist".
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