Tourismus-Fachgespräch des JU-Kreisverbandes - "Leute vor Ort mitnehmen"
Mehr Qualität und neue Strategie

Erbendorf. (njn) Der Kreisverband der Jungen Union (JU) will beim Thema "Tourismus im Landkreis Tirschenreuth" die Initiative ergreifen. Er hatte daher zum Fachgespräch in die Stadthalle eingeladen. Um die vorhandenen Potenziale auszuschöpfen gelte es, die Qualität des Übernachtungs- und Gaststättengewerbes zu steigern und den Fokus der Außenwerbung vom Landkreis weg hin zur Landschaft zu lenken, fasste die Runde zusammen.

Laut Kreisvorsitzendem Bernhard Söllner ist der Termin durch die Sendung des Bayerischen Fernsehens "Schöne Oberpfalz - der Norden" zustande gekommen. Diese habe einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Mit dem Hinweis auf Defizite beim Außenmarketing des Landkreises habe die JU im Januar noch eins draufgelegt. Söllner verwies dabei auf das fehlende einheitliche Tourismusmanagement.

Runder Tisch

Wie Tourismus-Chef Peter Knott vom Landratsamt ausführte, arbeiten im Landkreis fast 2000 Menschen im Tourismus, die jährlich rund 60 Millionen Euro erwirtschaften. Dennoch sieht Söllner noch große Potenziale. Er forderte einen runden Tisch unter der Leitung des Landratsamtes, an dem jeder seine Ideen und Möglichkeiten einbringen sollte.

JU-Arbeitskreisleiter Wirtschaft Hans Walter sah den Tourismus als Wirtschaftsfaktor für die Region. "Deshalb will die Junge Union neue Impulse setzen." Peter Knott, seit 1980 der Tourismus-Fachmann im Landratsamt, erläuterte den geschichtlichen Hintergrund des Tourismus, der im Landkreis "mehr von oben" gefördert wurde. "Zu Beginn meiner Zeit waren es gerade mal bei Ferienwohnungen 125 Betten, vier Jahre später waren es schon 1200." Wie er weiter ausführte habe sich der Niedergang der Porzellanindustrie im östlichen Landkreis positiv auf den Tourismus ausgewirkt.

Zum Rückgang der Übernachtungszahlen um 7,4 Prozent im vergangenen Jahr stellte Knott fest, dass der Landkreis nicht als einziger betroffen gewesen sei.. Die Gründe sah er beim Ferienheim Immenreuth und die Renovierung des Sibyllenbades.

Laut Erbendorfs Bürgermeister Hans Donko war seit den 1950er Jahren der Fremdenverkehr in der Steinwaldstadt eine stabile Größe. Vor allem Berliner machten Urlaub im Steinwald. Dies änderte sich schlagartig mit dem Fall der Mauer. Zudem sei versäumt worden, die Quartiere der Zeit anzupassen.

Für Donko ist das A und O zur Neugewinnung von Gästen, dass die Qualität besser wird. "Mit unserem Aribo-Hotel haben wir jetzt eine Qualitätsoffensive, die bald starten wird." Um auch das Angebot für Feriengäste auszubauen, forderte er, die Wirtschaftsförderung zu erhalten beziehungsweise aufzustocken. Knott ergänzte, dass die Förderung bei 30 Prozent liege. "Wir gehen damit bei den Betrieben schon hausieren." Für die Arbeitsgemeinschaft Stiftland stellte dessen Vorsitzender Bürgermeister Bernd Sommer aus Waldsassen fest, dass in den Gaststätten und Übernachtungsbetrieben ein Investitionsstau bestehe. Um Gästen einen "rundum perfekten Urlaub" zu bieten, sei eine einwandfreie Servicekette notwendig. Diese fange an beim Transfer in die Unterkunft oder zu Events und höre "beim Zuckerl auf dem Kopfkissen" auf.

Sommer hob die Zusammenarbeit der Arbeitsgemeinschaft mit der Steinwald-Allianz im Tourismus hervor. So sei bereits ein gemeinschaftlicher Werbeprospekt entstanden. Ein Gastgeberverzeichnis werde noch folgen. Der zweite Vorsitzende des Fördervereins Fichtelgebirge, Stefan Müller, stellte die Wichtigkeit von Vernetzungen in den Vordergrund. Müller plädierte auch dafür, kleinere Tourismusverbände aufzulösen. Innovative Menschen sollten sich treffen und sich Gedanken zur Frage "Wo wollen wir hin, was ist unsere Vision?" zu machen.

Für welche Zielgruppe

"Die Qualität und die Struktur des Angebots muss ebenso überdacht werden wie die Marketingstrategie", fasste Hans Walter zusammen. Es habe sich auch die Frage herauskristallisiert, welche Zielgruppe eigentlich anzusprechen sei. Bei der anschließenden Diskussion wurde eine Art "Initialzündung" gefordert, bei der alle Akteure an einen Tisch gebracht werden müssen. "Wichtig ist es, vor Ort die Leute mitzunehmen", so Walter. Söllner kündigte zu diesem Thema weitere Veranstaltungen an.
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