Tradition wider "Irgendwas"

Zur Ehrenplakette des Volksbunds Kriegsgräberfürsorge beglückwünschten Kreisvorsitzender Thomas Semba und Vizebürgermeister Arno Stahl den Vorsitzenden der Soldatenkameradschaft, Michael Pühl (von links). Bild: bjp

Darauf waren die Kameraden stolz: Für den Erfolg der Kriegsgräbersammlung im Vorjahr verlieh der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge der Krieger- und Soldatenkameradschaft die Ehrenplakette.

Kastl. (bjp) 2915,30 Euro hatten die 17 Sammler des Vereins bei der Haus- und Straßensammlung zusammengetragen - 33,99 Euro mehr als ein Jahr zuvor. "Damit können wir uns sehen lassen", meinte Vorsitzender Michael Pühl in der Hauptversammlung im Gasthof Vetter mit Oberpfälzer Understatement.

Nicht nur zum Sammeleifer beglückwünschten zweiter Bürgermeister Arno Stahl und Kreisvorsitzender Thomas Semba den gut 120 Jahre alten Verein. "Für die Gemeinde ist es Ehrensache, bei euren Versammlungen Präsenz zu zeigen", betonte Stahl: "Ihr seid eine unverzichtbare Bereicherung des Lebens in Kastl."

Auch er komme stets gern nach Kastl, gab Thomas Semba zu verstehen: "Bei euch rührt sich was." Vor allem als Organisator des "Hans-Stahl-Schießens" der Kameradschaften aus dem Kemnather Land habe der Soldatenverein "ein beeindruckendes Bild abgegeben" und sich und seiner Gemeinde zu Ansehen in der Region verholfen. Im vergangenen Jahr hätten 29 Teams teilgenommen: "So gut besucht war dieser Wettbewerb noch nie."

Auch die Mitgliederentwicklung spiegele die gute Verfassung der Gruppe wieder, lobte der Kreisvorsitzende: "Gegen den Zeitgeisttrend und trotz dreier Todesfälle seid ihr von 76 auf 79 Mitglieder gewachsen." Dies sei zu begrüßen, denn die Kameradschaften seien unverzichtbare Bewahrer wichtiger Traditionen und Werte.

Freilich hätten sie es in ihrer Arbeit nicht leicht: "Wir konkurrieren mit Angeboten, die viele als attraktiver empfinden. Für uns heißt es: Gefallenengedenken und geschichtlich gewachsene Tradition gegen ,Deutschland sucht den Super-Irgendwas'." Auch die Abschaffung der Wehrpflicht werde einer aus Sembas Sicht bedenklichen Perspektivverschiebung Vorschub leisten: "Schon jetzt gerät das Bewusstsein, dass es in einem Gemeinwesen nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten gibt, zusehends ins Hintertreffen." Wenn nur noch gefragt werde, ob etwas Spaß mache oder Geld bringe, so tue dies dem gesellschaftlichen Gefüge auf Dauer nicht gut.

Wie wichtig der Kastler Kameradschaft die Besinnung auf die Geschichte ist, ließen Vorsitzender Michael Pühl und die zahlreich erschienenen Mitglieder schon in der Begrüßung erkennen. Gemeinsam erhob man sich von den Plätzen, um der Leiden deutscher Soldaten und Zivilisten infolge Gewaltherrschaft, Krieg, Verfolgung und Vertreibung zu gedenken, aber auch den Opfern deutscher Kriegs- und Besatzungspolitik in anderen Ländern die Ehre zu erweisen. Nicht vergessen wurden die bei den Auslandseinsätzen der jüngsten Zeit umgekommenen Bundeswehrangehörigen und die in den letzten Monaten verstorbenen Mitglieder Josef Fritsch, Karl Wöhrl und Walter Uhl.

In seinem Jahresrückblick erinnerte Michael Pühl an mehr als drei Dutzend Sitzungen, Vorbereitungstreffen, Kameradschaftsabende, sportliche Wettkämpfe und Besuche lokaler und auswärtiger Veranstaltungen. Eckpunkte des Vereinsjahrs seien außer der Organisation des Hans-Stahl-Kreisschießens und der Kriegsgräbersammlung auch die Teilnahme am Kastler Bürgerschießen und insbesondere das Totengedenken zum Volkstrauertag gewesen.
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