Traditionsmarkt am Aschermittwoch behauptet sich im Dschungel der Richtlinien - Besuchermassen ...
Auch Tauben genießen Anspruch auf Windschutz

Bin ich nicht schön? Auf dem Taubenmarkt - er geht bis ins Jahr 1872 zurück - wurde am Aschermittwoch präsentiert, begutachtet und gekauft. Bilder: Götz (2)
Pfreimd. (cv) Kehraus-Megaparty mit den Stoapfälzern am Dienstag, Gurren und Krähen am Mittwoch: Die Landgrafenstadt ist zwei Tage hintereinander der angesagte Treff im Landkreis. Die Werbegemeinschaft hatte noch in der Nacht zum Besen gegriffen, die Bauhofarbeiter kamen in aller Früh und wünschten den ersten Züchtern, die vor 6 Uhr anrückten, einen guten Morgen. Zu dieser Zeit gibt es die besten Plätze und einen der 27 Käfige der Stadt gratis. Sie organisiert, stellt die Unterbauten und hängt die Marktordnung aus. Im Dschungel der Seuchen- und Tierschutzbestimmungen wäre der traditionsreiche Markt fast auf der Strecke geblieben, doch dann fanden der frühere MdL Otto Zeitler und Altbürgermeister Arnold Kimmerl einen Dreh.

In einem umgrenzten Raum registrieren die Kontrolleure der Stadt jeden Käufer und Verkäufer. So kann bei der "Börse", an der nur Züchter aus dem Landkreis und den benachbarten Kreisen teilnehmen, der Weg des Tierbestandes nachvollzogen werden, erläutern die Marktleiter Josef Paulus und Alois Biehler. Die Züchter haben Impfbescheinigungen vorzulegen. Wer Tiere anbietet, muss zentimetergenau ausreichend Bewegungsfläche schaffen, die Käfige - mit Einstreu und Windschutz - dürfen nicht auf dem Boden stehen, die Tiere müssen ausreichend zu trinken und zu fressen haben. Lockerungen gibt bei den Impfbestimmungen für Enten und auch Ziervögel dürfen es jetzt etwas kälter als 10 Grad haben.

"Die drei Kontrolleure des Veterinäramtes waren im Großen und Ganze zufrieden", erzählt Bürgermeister Richard Tischler. Die Richtlinien haben sich eingespielt. Doch es ist auch mancher Seufzer zu hören. Bei Martin Scheuerer aus Zilchenricht wurde der fehlende Windschutz bemängelt: "Den brauchen meine Tauben doch zu Hause auch nicht". Der junge Mann hat dann eben eine Decke beim NKD gekauft. Dem deutschlandweit bekanntestem Markt in Wasserburg haben die Richtlinien übrigens den Garaus gemacht. Pfreimd konnte die Tradition erhalten. Auf dem Marktplatz gab es kaum noch ein Durchkommen zwischen den Käfigen. Und es wird unkonventionell gehandelt: Ein Züchter aus Paderborn - entfernungsmäßig nicht börsentauglich - erhielt vom Bürgermeister kurzerhand eine Nutzungsgenehmigung für die Fläche vor dem Buchcafé. Er machte gute Geschäfte mit den "Grün-Legenden".

Die besten Märkte sind der Stefani-Markt - da wird begutachtet - sowie der Aschermittwochs- und Mittefastenmarkt - da wird gekauft. "Der sparsame Oberpfälzer füttert die Tauben doch nicht durch den Winter", lacht Arnold Kimmerl. Die beiden Märkte dazwischen waren mau. Ob man sie beibehält? Das Für und Wider wird die Stadt mal diskutieren, so Bürgermeister Tischler. Wer sich beim Rundgang sattgesehen hatte, ging der Nase nach - zur Fischbraterei des Angelvereins.
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