Trauerspiel um das Bestattungswesen

Die Historie rund um das Bestattungswesen in Flossenbürg ist mit Besonderheiten gespickt. Beerdigungen fanden früher im Nachbarort Floß statt. Am 7. Mai 1846 "hat die königliche Regierung zu beschließen geruht, dass der protestantischen Gemeinde zu gestatten sei, einen eigenen Friedhof zu Flossenbürg auf ihre Kosten herzustellen und dort ihre Verstorbenen zu beerdigen".

Anfang 1848 fand auf dem angekauften Gelände die Gütlersfrau Maria Magdalena Kraus die letzte Ruhe. Von katholischer Seite gab es den Wunsch, den protestantischen Gottesacker mitbenutzen zu dürfen. Das Bischöfliche Ordinariat lehnte das ab. Es folgte ein regelrechtes Trauerspiel, das kein Ende nahm. Schließlich blieb es für die Katholiken beim Begräbnisverband mit Floß. Jahrzehnte später änderte sich das. Die Katholische Kirchenstiftung erwarb ein an den evangelischen Friedhof angrenzendes Areal. Am 15. Januar 1904 nahm das erste Grab das Kind des Landwirts Xaver Lindner aus Hildweinsreuth auf. Das damalige Hin und Her wirkt sich bis in die Gegenwart aus.

Flossenbürg zählt zu den wenigen Orten, deren Bestattungswesen nicht nur zwei-, sondern dreigeteilt ist. Die Kirchen betreiben die von ihnen angelegten Gottesäcker. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Gemeinde hinzu. Von der Kommune wurde 1951/52 unter Federführung des Architekten Helmut Jakob ein Leichenhaus gebaut, für alle Verstorbenen. Es war das erste Bauvorhaben nach dem Krieg und kostete die damals respektable Summe von 32 000 Mark.

Der Geldmangel bereitete der Kommune Sorgen. Da ging es um die Frage, ob eine zweite Lampe 130 Mark wert sei oder ob das Stromkabel nicht kleiner dimensioniert werden könnte. Der Zwang zum Sparen wirkte sich bis zur Einweihung aus. So gab es bei dem auf die Feierlichkeiten folgenden Mahl zwei Gerichte: einmal den Braten für die Ehrengäste und zum anderen Kartoffelsalat mit Leberkäs für den Gemeinderat. (nm)
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.