Traumberuf Bürgermeister

Karlheinz Budnik hat den "schönsten Beruf der Welt". Seit einem Jahr ist der 46-Jährige Windischeschenbachs Bürgermeister. Bild: mic

Ein Bernsteiner wird Bürgermeister - noch vor 20 Jahren hätte dies empörtes Kopfschütteln ausgelöst. Inzwischen macht sich darüber niemand mehr Gedanken. Seit einem Jahr hat Karlheinz Budnik (CSU) das Amt des Windischeschenbacher Rathauschefs inne.

Sie sind jetzt seit einem Jahr Bürgermeister. Haben Sie die Entscheidung, für dieses Amt zu kandidieren, jemals bereut?

Karlheinz Budnik: Definitiv nein, da ich ja nicht unbedarft in dieses Amt gegangen bin. Ich war 12 Jahre im Stadtrat, davon 6 Jahre als zweiter Bürgermeister. Als ich Andreas Meier 2008 das erste Mal vertreten musste, habe ich noch gefragt, welche Befugnisse ich hätte. "Alle", hat er damals darauf geantwortet. Andreas hat ein wohlbestelltes Haus hinterlassen, das Personal mit eingeschlossen. Außerdem hat uns der Wähler gut ausgestattet. Eine starke Fraktion im Rücken macht vieles einfacher. Ein Bürgermeister-Kollege hat mir vor den Wahlen gesagt: Jetzt hast du die Chance, den schönsten Beruf der Welt zu ergreifen.

Was hat sich für Sie persönlich verändert? Mehr Termine, mehr Stress?

Mein Frau sagt, das hätte sich im Vergleich zu vorher die Waage gehalten. Auch als Kreisbrandmeister war ich früher oft unterwegs. Dieses Amt habe ich jedoch abgegeben, da es nicht möglich ist, auf zwei so großen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen.

In den vergangenen zwölf Monaten ist in Windischeschenbach viel geschehen? Was war für Sie das Wichtigste?

Karlheinz Budnik: Ein wichtiger finanzieller Kraftakt war der Umbau zum barrierefreien Rathaus. Außerdem hat die Stadt 14,4 Hektar landwirtschaftlichen Grund gekauft, was uns im Hinblick auf künftige Bau- und Gewerbegebiete nutzen kann. Und natürlich haben wir den Bau des neues Kinderhauses auf den Weg gebracht. Die Geburtenzahlen entwickeln sich positiv. Alleine jetzt im April hat das Standesamt zehn Geburten registriert. Auch der Breitbandausbau war wichtig. Zum Glück gibt es keine kritischen Stimmen mehr wie zu Beginn der Maßnahme. Wir werden jedenfalls versuchen, das Netz flächendeckend auszubauen.

Über was haben Sie sich ganz besonders gefreut?

Karlheinz Budnik: Die Überraschung des Jahres war die Behördenverlagerung. Wir haben als kleinste Kommune den Hut in den Ring geworfen und sind zum Zug gekommen. Als vor zehn Jahren Quelle in Fürth schließen musste, gab's dort Arbeitslose im vierstelligen Bereich. Heute hat sich diese Region erholt. Windischeschenbach hat den Untergang der Porzellan- und Glasindustrie dagegen bis heute nicht verkraftet. Wir haben zwar unsere Wunden geleckt, aber so ganz haben wir den Schock noch nicht überwunden. Dies war auch der Hauptgrund für unsere Bewerbung. Ich dachte mir, wenn die Regierung es ernst meint, müssten wir eigentlich eine Chance haben.

Was sind Windischeschenbachs Stärken?

Karlheinz Budnik: Ministerpräsident Horst Seehofer hat einmal gesagt, die Stadt sei ein Kleinod, was die Landschaft betrifft. Ich finde auch, dass wir mit unserer Naherholung punkten können. Waldnaabtal und Steinwald liegen in unmittelbarer Nähe. Auch unsere günstigen Mietpreise, das günstige Bauland und die gute infrastrukturelle Lage sind Pluspunkte.

Und die Schwächen?

Karlheinz Budnik: Der demografische Wandel betrifft auch Windischeschenbach. Der Verlust der Kaufkraft durch den Wegfall der Industrie macht sich bemerkbar. Außerdem haben wir in der Stadt einige Flächen, die weniger schön sind.

Was kann die Stadt gegen die weniger schönen Ecken machen?

Karlheinz Budnik: Wir versuchen, wieder ins Städtebauförderprogramm aufgenommen zu werden. Doch dazu brauchen wir Konzepte und Eigenkapital, über beides wird der Stadtrat zu entscheiden haben. Aber das geht nicht in zwei oder drei Jahren, das ist eine Hausaufgabe, die uns längerfristig beschäftigen wird. Denkbar wäre die Unterstützung privater Hauseigentümer bei Sanierungsmaßnahmen ihrer Häuser, zum Beispiel bei Fassadenarbeiten oder auch barrierefreien Wohnraum zu schaffen. Ein Wunsch wäre auch die städtebauliche Aufwertung unserer Industriebrachen, in welcher Form auch immer.

Immer wieder wird Kritik an den hohen Schulden der Stadt laut. Ein Teil davon stammt wohl noch aus den 1990er Jahren.

Karlheinz Budnik: Ja, das ist richtig. Wir schieben ein Schuldenpaket mit vier Kreditverträgen aus den 90er Jahren vor uns her - mit Laufzeiten bis teilweise 2034. Und leider mit dem damals üblichen Zinssatz. Wir baten den Städte- und Gemeindetag zu prüfen, ob es nicht möglich sei, aus diesen Verträgen auszusteigen. Bei Privatleuten funktioniert das, bei einer Kommune leider nicht. Das sind alljährlich fixe Ausgaben, die uns belasten. Auch wenn wir jetzt ein paar Millionen Euro im Lotto gewin- nen würden, könnten wir die Schul- den nicht zurückzahlen, da vertraglich keine Sondertilgungen vereinbart wurden. Neuere Kreditverträge wurden daher flexibler gestaltet, oder es wurden Finanzierungsverträge ge- schlossen. Hier kann zum Beispiel der Abverkauf eines Grundstückes sofort für die Tilgung verwendet werden. Diese Flexibilität haben wir bei den Verträgen aus den 90ern leider nicht.

Der Zoigl hat Windischeschenbach zu einer gewissen Berühmtheit verholfen....

Karlheinz Budnik: Ja, der Zoigl ist nach wie vor ein Alleinstellungsmerkmal für Windischeschenbach und Neuhaus. Allein die vielen Medienberichte über den Zoigl haben die Stadt bekannt gemacht wie sonst nichts anderes. Auch das Geo-Zentrum trägt dazu bei, aber der Zoigl steht derzeit wohl höher im Kurs. Die Leu- te mögen die Gemütlichkeit in den Zoiglstuben, da es die Wirtshauskultur wie in früheren Zeiten üblich so leider nicht mehr gibt.

Bleibt Ihnen noch Zeit für Hobbys?

Karlheinz Budnik: Mein einziges großes Hobby ist das Theaterspielen. Das versuche ich beizubehalten. Als Schauspieler bin ich einer von vielen. Dort muss ich nichts bestimmen, sondern mache das, was man mir sagt.

In welchem Stück sind Sie zu sehen?

Karlheinz Budnik: Ich spiele den Postsekretär Schlegl im "Geisterbräu". Premiere ist am Freitag, 19. Juni, auf der Naturbühne der Burg Neuhaus.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten drei Wünsche frei. Was würden Sie sich wünschen?

Karlheinz Budnik: 1. Ich würde mich freuen, wenn die Gewerbesteuerent- wicklung weiter so positiv bliebe. Denn das bedeutet gesunde Betriebe und Arbeitsplätze 2. Dass mehr junge Leute Windischeschenbach als ihre Heimat annehmen würden. 3. Dass die Einwohnerentwicklung einen Aufwärtstrend nimmt.
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