Trotz Maisernte gute Nachtruhe

Die Wirkung von reflektierenden Schutzwesten demonstriert der Vergleich der zwei Bilder. Auf der Aufnahme links ist der Fahrer des linken Traktors kaum zu erkennen, auf dem Foto rechts dafür mit Schutzweste umso besser. Allerdings verschmilzt hier der Fahrer des rechten Traktors - jetzt ohne Weste - fast mit seinem Gefährt. Bilder: gf (2)

Wenn sie zur Erntezeit Tag und Nacht Mais in die Silos ihrer Biogasanlagen fahren, machen sich deren Betreiber bei lärmgeplagten Anwohnern wenig Freunde. Ein "Fahrerknigge" soll jetzt für Entspannung sorgen.

Hermann Rösel betreibt in Pilgramshof (Gemeinde Neukirchen) eine Biogasanlage, mit der er etwa 200 KW/h Strom erzeugt und die nebenher die gleiche Menge Wärme liefert, um Getreide, Brennholz und Hackschnitzel zu trocknen. Zwei oder drei Tage im Jahr wird die für die Biogasanlage benötigte Biomasse eingefahren, und da kommt es rund um Pilgramshof zu starkem Verkehr mit schweren Traktoren und landwirtschaftlichen Anhängern.

Abseits der großen Straßen

Im Umkreis von fünf Kilometern bewirtschaftet Rösel seine Mais-Anbauflächen. Rund 1500 Tonnen Biomasse transportieren die zwei eigenen und bis zu drei nur für die Ernte engagierten Mitarbeiter täglich in die Fahrsilos. Insgesamt verfüttert Rösel pro Jahr 3000 Tonnen Biomasse an die Bakterien in der Biogasanlage. Vor der Ernte erhalten alle Fahrer Pläne, in denen die Maisfelder und die günstigsten Fahrtrouten vorgegeben sind, um den Verkehr auf der B 14 möglichst wenig zu beeinträchtigen.

Gefahrenstellen werden mit Warntafeln oder gelben Blinklichtern gekennzeichnet, aber Hermann Rösel hat kein Verständnis dafür, dass seine Warntafeln vielfach umgeworfen oder die Blinklichter entwendet werden. Absolut selbstverständlich ist für den Biogasanlagenbetreiber, dass er verschmutzte Straßenabschnitte nach der Maisernte mit einer Kehrmaschine wieder reinigt.

Das Biogas-Forum Bayern, der Zusammenschluss der Biogasanlagenbetreiber, hat in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Landwirtschafts- und dem Umweltministerium sowie vielen weiteren staatlichen Stellen und dem Kuratorium Bayerischer Maschinen- und Betriebshelferringe einen "Fahrerknigge" aufgelegt. Er enthält Verhaltensweisen und Benimmregeln bei Biomassetransporten, die die Belastungen durch den zunehmenden "Biogasverkehr" minimieren sollen. Großvolumige Reifen mit wenig Druck führen zwar zu mehr Abrollgeräusch, verdichten aber den Boden weniger. Der Fahrerknigge rät den Biogasanlagen-Betreibern, Erntetage und Fahrtrouten mit den Anwohnern abzusprechen. Nächtliche Arbeiten sollten auf das unbedingt notwendige Ausmaß beschränkt und nur dann erledigt werden, wenn angekündigtes Schlechtwetter die Ernte vernichten würde.

Keine Kipphänger

Traktoren und Hänger müssten vor Arbeitsantritt auf ihre Verkehrssicherheit kontrolliert werden, lautet die klare Anweisung im Fahrerknigge, den Hermann Rösel schon seit Jahren umsetzt. Der Biogasunternehmer lässt seine Maisernte nicht mit Kipphängern anliefern, sondern mit Abschiebewagen, die auch in Schräglage entladen werden können und bei denen die Biomasse nach hinten aus der Ladefläche geschoben wird.

Der Maschinenring-Vorsitzende Ulrich Kummer und sein Geschäftsführer Harald Pilhofer nutzten die Maisernte in Pilgramshof, um darauf hinzuweisen, dass in den dunklen Abendstunden unauffällige Arbeitskleidung dazu führen kann, dass Menschen zwischen den zügig fahrenden Traktoren nicht gesehen werden. Das führe zu schweren, wenn nicht sogar tödlichen Unfällen.

Die sichere Lösung sind laut Kummer neongelbe und reflektierende Warnwesten, die über den Maschinenring für wenig Geld zu beziehen seien. Sie sorgten dafür, dass Fahrer und die bei der Maisernte beschäftigten Helfer weithin und damit rechtzeitig erkannt werden können.
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