"Tue Recht und scheue niemand"

Schön ist es hier, oder? Robert Dotzauer genießt das traute Heim, den bunten Blumengarten, die Gesellschaft von Ehefrau Agnes und die leckeren Küchl. Angetan haben es dem früheren langjährigen Bürgermeister der Stadt Eschenbach auch die "Wunder der Heimat". Morgen, am Pfingstsonntag, wird Dotzauer 70 Jahre alt. Bild: wüw

Nein, Altbürgermeister darf sich Robert Dotzauer nicht nennen - der Eschenbacher Stadtrat hat den Antrag abgelehnt. Der Ehrentitel hätte ohnehin nicht recht gepasst, denn alt ist Dotzauer trotz seiner bald 70 Lenze nicht. Das zeigt das Gespräch zum Jubeltag.

(wüw) "Wenn Gott dir eine Tür zuschlägt, öffnet er dir bestimmt ein Fenster", orakelte Robert Dotzauer 2008. Gerade hatte er die Bürgermeisterwahl verloren, nach 18 Jahren im Amt. Aber sich deswegen hängen lassen? Auf keinen Fall! Heute, sieben Jahre später, sitzt er auf seiner Terrasse, inmitten der bunten Pracht des Blumengartens. Der Blick schweift über Altstadt und die grüne "Schirm-Anhöhe" bis zur Newtown des Netzaberges. Einen Steinwurf entfernt "hinter dem Schirm" hat er in Apfelbach seine Agnes kennengelernt. "Herrlich hier, oder?" sagt der Bürgermeister a.D. "Der liebe Gott hat mir viele Fenster geöffnet."

"Das muss reichen"

Gelassen beginnt Dotzauer über die guten alten Zeiten und den Herbst des Lebens zu reden - am Pfingstsonntag wird er 70. Er erzählt von ärmlichen Verhältnissen in der Kindheit und der Erfahrung, dass einem nichts geschenkt wird. "Das hat mich geprägt: der Vater gefallen, die Mutter arm. Und das Bewusstsein, hart arbeiten zu müssen, wenn man was erreichen will." Dann sagt er: "Wenn ich einmal an der Himmelstür klopfe, sage ich denen: Da schaut's runter auf die schöne Heimat. Mit ganzer Leidenschaft habe ich für sie gekämpft. Das muss reichen."

Erreicht hat Robert Dotzauer einiges - und mit ihm "sein" Eschenbach: 36 Jahre als erster oder zweiter Bürgermeister, als Kreis- und Stadtrat, in vielen Ehrenämtern. Er blickt stolz zurück: Es gelang ihm mit vielen Mitstreitern, Eschenbach zukunftsfähig zu machen. Selbst viele "Andersgläubige" bezeichnen den kommunalpolitischen Haudegen als Vater der Altstadtsanierung. Und in seiner Amtszeit entwickelte sich die Stadt zu einer der wirtschaftsfreundlichsten im Landkreis.

Viele Spuren hinterlassen

Mit seinem Namen verbunden bleibt das einmalige Projekt der Soldatenstadt am Netzaberg. "Eine gute fachärztliche Versorgung, der Aufbau des Notarztstandorts und das Krankenhaus waren für mich Herzensangelegenheiten", nennt Dotzauer weitere Schwerpunkte. Auch der Schulstandort, die Arbeitsplätze in der Sparkassen-Hauptstelle, das neue Rußweiher-Freibad und die Malzhaus-Sanierung lagen ihm am Herzen. Er schuf Hunderte Bauplätze, und auch der Radwegebau kam erst unter ihm in die Gänge. Dazu habe er eine zweistellige Millionen-Rücklage hinterlassen, die seinen Nachfolgern viel Spielraum gebe, wie er anmerkt.

In Ehrenämtern hat Dotzauer ebenfalls Spuren hinterlassen: Pfarrjugendführer, JU-Vorsitzender, DFB-Schiedsrichter, 24 Jahre in der Kirchenverwaltung, Elternbeiratsvorsitzender, Kreis- und Stadtrat, ehrenamtlicher Richter, Vorsitzender der Arge der Volkshochschulen im Landkreis und der Gebietsverkehrswacht, 50 Jahre Chorsänger und mehr.

Der Stadtrat will diese Lebensleistung aber nicht anerkennen. Die CSU hatte den Titel "Altbürgermeister" beantragt, die Mehrheit des Gremiums lehnte ab. Dotzauer kennt die Beweggründe nicht. "Ich habe diesen komischen Titel nicht erwartet. Erwartet habe ich aber auch nicht den Kleingeist von Leuten, die den Wert der Toleranz so predigen." Scherzend fügt er hinzu: "Der Titel passt eh besser zu Leuten, die schon das halbe Arbeitsleben auf dem Altenteil sitzen."

Auch das ist Robert Dotzauer. Er setzt auf klare Worte und starke Meinung. Davon profitieren nicht zuletzt die Leser des "Neuen Tages". Als freier Mitarbeiter bringt er neben hervorragenden Fotos auch Sachwissen, klare Sprache und eine fundierte Meinung in den Eschenbacher Lokalteil. Und er scheut sich nicht, diese zu vertreten - selbst wenn dies den Lokalfürsten nicht gefällt. "Tue Recht und scheue niemand", sei immer sein Maßstab gewesen. Dass er manchen Zeitgenossen vor den Kopf gestoßen habe, bedauert er heute. Aber den Leuten mit Wahrheit und Klarheit zu begegnen, hält er noch immer für den besseren Politikstil.

Deckmantel der Harmonie

Zur Politik seiner Nachfolger möchte er eigentlich nichts sagen. Eine Bemerkung kann er sich aber nicht verkneifen: Am meisten störe ihn die Beliebigkeit, mit der sich unter dem Deckmantel von Harmonie und Übereinstimmung Ideenlosigkeit breit mache. "Demokratie braucht Meinungsvielfalt und eine gesunde Streitkultur, um die besten Antworten zu finden." Schon heute zeige sich, dass man mit einer Politik des Händeschüttelns, des Schenkens und des Geldverteilens nach dem Gießkannen-Prinzip zwar Wahlen gewinnen könne, aber nicht die Zukunft der Stadt.

Was dem Jubilar im unruhigen Ruhestand Freude bereitet, das sind die schönen Dinge des Lebens: Ehefrau Agnes, die Kinder Doris und Thomas sowie die vier Enkel, ein anregendes Gespräch, Reisen, Wanderungen, die Fotografie und die erbauenden Stunden als Lokalreporter. "Das regt den Geist an und man ist unter netten Menschen."

Eine große Feier wird es am Sonntag nicht geben: Robert Dotzauer zieht es vor, sich mit seiner Agnes ein paar Wandertage im Berchtesgadener Land zu gönnen. Alles Gute wünscht auch "Der neue Tag": Möge der Jubilar immer ein offenes Fenster vorfinden. Ad multos annos!
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