Turmbau von Babel war einmal

Jetzt schon eine Landschaftsidylle, sie soll aber mit dem Projekt Artenschutz-Turm (Hintergrund) von einem internationalen Workcamp noch perfektioniert werden. Betreuen werden es (von links): Nina Forster (Gemeinde), die Initiatorin Maria Hummel vom Obst- und Gartenbauverein, Bürgermeister Franz Mädler und für das Amt für Ländliche Entwicklung Pressesprecherin Huberta Bock, Praktikantin Sarah Weiß und der Leiter der Dorferneuerung vor Ort, Armin Friedrich. Bild: Hartl

Sie kommen bis aus Südkorea angereist, um ein Refugium für heimische Tiere zu schaffen. Zudem betreten sie Neuland, und das gleich in mehrerlei Hinsicht.

Ursensollen. (zm) Fast hat es den Anschein, dass die gerade im Ursen-sollener Rathaus zusammensitzende Runde selbst Reisefieber hätte. Alle sind auf zwölf junge Leute im Alter zwischen 16 und 26 Jahren gespannt, die bald für drei Wochen in der Schule des Ortes einziehen werden. Sie kommen aus aller Herren Länder und werden eines der deutschlandweit etwa 100 Workcamps der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD) bilden. Work steht im Englischen für Arbeit oder arbeiten und davon wartet eine gute Portion auf die jungen Leute. Zu finden ist sie in Hohenkemnath in unmittelbarer Nachbarschaft der dortigen einstigen Haltestelle der Bahnlinie Amberg - Lauterhofen.

Heute ist der Damm ein beliebter touristischer Radweg. Nicht einmal einen Steinwurf entfernt steht ein Trafohäuschen, das dem Baustil nach aus den Anfangszeiten der Elektrifizierung auf dem flachen Land stammen dürfte. Das Bayernwerk hat es wegen der Erdverkabelung der Leitung vom Netz genommen, ausgeräumt und wollte es abreißen.

Umtriebige Initiatorin

Der Konzern hatte jedoch nicht mit Maria Hummel gerechnet. Die langjährige frühere Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins hatte ein Auge auf den Bau geworfen, um daraus einen sogenannten Artenschutz-Turm zu machen. Sie suchte und fand Verbündete: Das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE), die Gemeinde und die IJGD ziehen nun an einem Strang, um etwas in Bayern Einzigartiges zu schaffen. "Da gibt es ein beträchtliches Nord-Süd-Gefälle", sagte Bürgermeister Franz Mädler am Montag bei einer Pressekonferenz und Hummel ergänzte, dass der Freistaat schlichtweg noch keinen Artenschutz-Turm aufweise.

Zwei Jahre dauerte die Vorlaufzeit, und seit das ALE, das 2005 eine Dorferneuerung in Hohenkemnath einleitete, mit im Boot ist, kann das Projekt auch finanziert werden. Das Bayernwerk zeigte sich ebenso aufgeschlossen und übereignete die Trafostation samt Grundstück kostenlos dem Obst- und Gartenbauverein. Damit war nur noch offen, wer die Arbeit machen soll. Das werden nun ortsansässige Firmen und das internationales Jugend-Workcamp sein.

Möglichst selbstständig

"Seit langem" werde dieser Weg wieder einmal eingeschlagen, freute sich ALE-Pressesprecherin Huberta Bock. Vor Ort ist hauptsächlich die Gemeinde für die Jugendlichen, die mit zwei Betreuerinnen anreisen, zuständig. Einquartiert werden sie in der Schule. "Sie sollen sich hauptsächlich selbst organisieren", erzählt Mädler und verweist auf die Schulküche und die Sanitärräume der Sporthalle. Jugendherbergs-Komfort also. Das Jugendcamp besteht allerdings nicht nur aus Arbeit. Geboten wird auch ein Begleitprogramm mit dem Ziel des interkulturellen Austausches.Anreisetage sind der Freitag und Samstag, 7./ 8. August. (Im Blickpunkt)
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