Turnhalle wird Glaswerkstatt

Der ausgewählte Entwurf von Jacob Dillinger (links) vor dem entstehenden Fenster mit (von rechts) Christoph Bücker, Gerhard Winkler und Anika Esser. Bild: fsc

Die Aktion läuft unbemerkt von der Öffentlichkeit. Seit gut einer Woche regen sich im Jugendhaus Maximilian Kolbe fleißige Hände - im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres in der Denkmalpflege.

Die jungen Leute - 22 Jugendliche und junge Erwachsene, davon je eine junge Frau aus Russland, Armenien und Tschechien - schaffen ein Werk, das 2017 in der ehemaligen Hohenzollernburg Cadolzburg bei Fürth ein verloren gegangenes Fenster der früheren herrschaftlichen Schlosskapelle ersetzen soll. Initiator ist die bayerischen Schlösserverwaltung. Das Projekt Cadolzburg ist überschrieben mit "Museumskonzept für ein Burgenerlebnis im Mittelalter".

Praxis und Theorie

Dieses Fenster zu gestalten war man an die Jugendbauhütte Regensburg herangetreten. Deren organisatorischer und pädagogischer Leiter Christoph Bücker erzählte dem NT mehr über die Jugendbauhütten. So knüpften sie an die Traditionen mittelalterlicher Bauhütten an: Dort arbeiteten vom Meister über den Gesellen bis zum Lehrling alle gemeinsam an der Errichtung großer Kathedralen. So fließen praktische und theoretische Arbeit zusammen und werden in über das Jahr verteilten Seminarwochen an einem gemeinsamen Arbeitsplatz - den sogenannten Einsatzstellen - umgesetzt.

Dabei lernen die Freiwilligen neben denkmalpflegerischem Wissen Selbstorganisation, Verantwortung und zwischenmenschliches Verhalten. Die Gruppe in der "Einsatzstelle" Jugendhaus macht sich kundig in der Glaskunst und Glasmalerei mit moderner Technik der Bleiverglasung.

Von den Teilnehmern waren vorab Entwürfe zu besagtem Fenster gewünscht worden, wobei die Gestaltung laut Dr. Sebastian Karnatz von der Schlösserverwaltung Vorgaben erfüllen sollte. Ausgangspunkt und Inspiration sollte ein real existierendes spätgotisches Glasfenster sein, der Entwurf allerdings "abstrakt bzw. nicht-figürlich gestaltet sein. Damit solle deutlich werden, dass es sich nicht um eine Rekonstruktion sondern um eine Neuschöpfung handelt. Es seien 22 sehr ansehnliche Entwürfe eingegangen, die von einer hochkarätigen Jury beurteilt wurden.

Das ausgewählte Fenster stammt von Jacob Dillinger. Es ist in der Turnhalle des Jugendhauses schon sehr weit fortgeschritten. - unter Anleitung von Fachleuten Gerhard Winkler und Anika Esser von der renommierten Firma Rothkegel, Glasgestaltung und Glasrestaurierung, aus Würzburg, In einem zweiten Seminar (13. bis 17. April) wird dann das Fenster, so blickt Christoph Bücker voraus, mit der Bleiverglasung fertiggestellt. (Weiterer Bericht)
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