"Überall die Finger im Spiel"

Holger Eckert, Fraktionssprecher der FW/AA Auerbach, setzt auf Sachpolitik,. die in einem Fünfjahresplan umgesetzt werden soll. Bild: hfz

In den letzten Monaten brachten sich die Freien Wähler/Aufschwung Auerbach mit zahlreichen Anträgen im Stadtrat ins Gespräch. Mit hohem Aufwand wurden Themen wie die Vereinsförderung oder das Spielplatzkonzept angepackt, nicht immer zur Freude der anderen Stadtratsfraktionen.

Die SRZ unterhielt sich mit dem neuen Fraktionssprecher Holger Eckert über diesen frischen Wind, der vor allem auch einer verjüngten Fraktion zu verdanken ist.

SRZ: Herr Eckert, bleibt bei so vielen Anträgen überhaupt noch Zeit für weitere Projekte?

Holger Eckert: Derzeit sind wir mit unseren Anträgen wie Vereinsförderung und Spielplatzkonzept ziemlich in den Medien, aber ausgearbeitet wurde dies ja bereits in den letzten Monaten hinter den Kulissen. Aber auch in den letzten Jahren haben wir viele Projekte angestoßen und viel Zeit investiert, wie etwa in das Kneipenfestival, das von Aufschwung Auerbach organisiert wird, oder auch Silvester- und Beachparty unserer Jungen Freien Wähler. Und auch das Mitwirken beim Ferienprogramm zählt schon immer zu unseren Aktivitäten.

Man sieht, das sind Themen für Kinder, Jugend und Junggebliebene und überall haben wir, Michael Streit und Holger Eckert, sprichwörtlich die Finger im Spiel oder sind maßgeblich für deren Existenz überhaupt verantwortlich.

Woher kommen die Projekte?

Eckert: Schon immer haben wir in Eigeninitiative Projekte entwickelt, die die Infrastruktur in Auerbach verbessern, zum Beispiel die Ausweisung, Aufbereitung und Ausschilderung von Radwegen, die Anlage der Ochsentour oder das Konzept für CampA. Auch die Kleinkläranlagen in verschiedenen Ortsteilen führen sich auf unsere Initiativen zurück, funktionieren hervorragend und haben der Stadt viel Geld gespart.

Sie ha ben sicher auch die Jugend im Blickfeld?

Eckert: In seiner Funktion als Jugendbeauftragter der Stadt ist Michael Streit nun noch näher an der Zielgruppe dran. Im letzten Jahr gab es erstmals ein Forum, in dem Jugendliche ihre Wünsche für Auerbach äußern konnten. Seitdem finden regelmäßig Treffen statt. Hierzu ergeht an alle Jugendlichen ab zwölf Jahren die Einladung, doch mal vorbeizuschauen. Treff ist jeden ersten Montag im Monat um 17 Uhr im Bürgerhaus. Es konnten bisher bereits einige Projekte umgesetzt werden: ein Kunstkurs, ein Chinesischkurs oder eine Beachparty für Kinder und Jugendliche. Allerdings hat sich herausgestellt: Jugendarbeit dauert, bis es bei den entsprechenden Personen ankommt. Aber wir bleiben dran, denn Erfolg braucht Zeit.

Neider könnten Aktionismus vermuten, oder befindet sich die Wählergruppierung erneut im Aufschwung und verfolgt einfach einen konsequenten Plan?

Eckert: Wir verfolgen einen Fünf-Jahre-Plan. Für uns, die wir immer Sachpolitik mit Herz und Verstand propagieren, gibt es nur diesen Weg. Auch wenn die eine oder andere Gruppierung ihre Arbeit im Stadtrat darauf reduziert, zu sagen: "Ja, das wollten wir auch schon immer." Oder einzelne Stadträte mit Polemik und unverhohlener Destruktivität versuchen zu punkten: Das ist nicht unser Weg. Gute Sachpolitik braucht ein planvolles und durchdachtes Vorgehen. Sie ist zwar aufwändiger und anstrengender zu betreiben, doch sprechen die Ergebnisse für sich: Spielplatzkonzept und Vereinsförderung sind kein Ergebnis, die aus Aktionismus resultieren. Wir haben auch nach der letzten Kommunalwahl keinen Hehl daraus gemacht, dass wir nicht zufrieden waren mit dem Erreichten.

Wie sahen Ihre damaligen Ziele denn konkret aus?

Eckert: Wir wollten mehr, schließlich haben wir nicht nur im Wahlkampf am längsten und am meisten sowie inhaltlich am umfassendsten und vor allem mit Abstand detailliertesten Vorarbeit geleistet. Nach der Wahl haben wir wiederum mit den 20 Kandidaten in zwei Runden Resümee gezogen. Ein Ergebnis davon waren die Veranstaltungen, mit denen wir im Januar diesen Jahres begannen, ein anderes war der Infoflyer, den wir im Dezember an alle Haushalte verteilt haben, und eine weitere Schlussfolgerung bildeten die Anträge zu sinnvollen Themen.

Weitere Anträge zu ganz verschiedenen Themen werden folgen, denn Ideen liegen bei uns sehr viele. Und Schlussfolgerungen, die wir aus dem Wahlkampf gezogen haben, wird es nach und nach geben. Vieles haben wir im Fünf-Jahre-Plan definiert. Im übrigen, dieser Plan endet vorerst 2020 zur nächsten Kommunalwahl. Dann wollen wir resümieren, ob sich unsere Reorganisation gelohnt hat.

Nun mag mancher denken, der 1. und 2. Bürgermeister werden auch vom Aufschwung gestellt, das erleichtert die Umsetzung der eigenen Ideen. Ist dem so?

Eckert: Wir sind eine sehr aktive politische Gruppierung mit sehr vielen Aktivitäten das ganze Jahr über. Die besondere Herausforderung ist es, wenn man den 1. und 2. Bürgermeister stellt, dass auch die Bevölkerung dieses Engagement und auch die Ideenlieferung erkennt. Grundsätzlich hat es auch Vorteile, was zum Beispiel die Informationsbeschaffung angeht, aber wenn ich alles in allem betrachte, erschweren diese Ämter eher die Antragsthematik. Da wir weder polarisieren noch uns künstlich in Szene setzen wollen, bleibt uns aber nur der Weg des Antrages.

Wie in jeder Organisation gibt es viele Standardaufgaben und Notwendigkeiten, die große Zeitressourcen fressen. Deshalb ist es nicht immer und laufend möglich, den Blick in jede Richtung offen zu halten und sich ständig zu hinterfragen. Das ist ganz normal und ein Stück weit unvermeidbar. An genau der Stelle hat der Stadtrat generell die Möglichkeit und die Pflicht, aufgrund seiner anderen Aufgabenbindung in Beruf, Familie, Vereine andere Gedanken und Ideen zuzulassen und auch zu forcieren.

Als Sie Stadtrat wurden, war es da für Sie klar, später auch Fraktionssprecher zu werden?

Eckert: Mit Verlaub, als mit Abstand jüngster Stadtrat zugleich auch Fraktionssprecher zu sein, ist nicht nur keine leichte Aufgabe, es ist eine große Herausforderung und auch vor allem eine besondere Verantwortung. Denn als Stadtrat generell und als Fraktionssprecher im Speziellen bestimmt man die Entwicklung der Stadt und somit auch die Zukunftsfähigkeit mit.

Geht es etwas konkreter?

Eckert: Neben vielen laufenden Arbeiten geht es sehr oft um wegweisende Investitionen, die auf Jahre oder manchmal Jahrzehnte Kapital und Zuschüsse binden. Somit werden Chancen für die Zukunft gestaltet oder eben vergeben, je nach dem wie die Entscheidung ausfällt und wie schwer das Thema wiegt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Auerbach (9490)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.