Übernimmt Platini doch?

Michel Platini (rechts) gratulierte vor einigen Wochen Sepp Blatter zur Wiederwahl zum Fifa-Präsidenten. Der Chef der Uefa hatte sich nicht getraut, gegen den Schweizer anzutreten. Jetzt allerdings hat Platini Pläne zur Machtübernahme des Weltverbandes. Bild: dpa

In der Fifa-Krise hat Uefa-Boss Platini keine gute Figur abgegeben. Erst traute sich der Franzose nicht, gegen Blatter zu kandidieren, nun schmiedet er - rund um seinen 60. Geburtstag - offenbar Pläne zur Machtübernahme. Ein Makel bleibt aber seine Katar-Connection.

Geburtstags-Post vom DFB wird im Hause Platini am Sonntag ganz sicher eingetroffen sein. Die Freundschaft zwischen dem deutschen Verbandschef Wolfgang Niersbach und Uefa-Boss Michel Platini hat in den turbulenten Tage der Fifa-Krise keineswegs gelitten, auch wenn man offenbar nicht immer einer Meinung ist. Spannender ist die Frage, ob auch aus Kuwait herzliche Glückwünsche am Genfer See eintrudelt sind, als Platini seinen 60. Geburtstag feiert hat. Mit Scheich Ahmad al Fahad al Sabah wurde der einstige Weltklasse-Fußballer in den vergangenen Wochen mehrfach beim Plausch gesichtet, am Vorabend des FIFA-Kongresses Ende Mai im Hotel Baur au Lac in Zürich, auch kürzlich beim IOC-Empfang in Lausanne.

Diesmal Kandidatur

Scheich Ahmad ist der Herr über Asiens olympische Sportverbände und gilt als Königsmacher in der Welt der Sportfunktionäre. Das nutzte auch schon IOC-Boss Thomas Bach. Die Nähe, die Platini offenbar zu ihm sucht, ist Indiz für den Willen des Franzosen, diesmal um die Nachfolge von Fifa-Chef Joseph Blatter zu kandidieren. "Ich weiß nur, dass meine nächste Entscheidung die letzte für meine Karriere sein wird", hatte Platini nach seiner Wiederwahl zum Uefa-Präsidenten im März gesagt - nicht ahnend, dass der Zeitpunkt für die Entscheidung wegen der Rücktrittsankündigung von Blatter nun schon drei Monate später und nicht wie gedacht erst im Jahr 2019 anstehen würde.

Platini - wie früher auf dem Spielfeld als Lenker und Vollstrecker der Équipe tricolore auch als Top-Funktionär eigentlich berühmt für sein präzises taktisches Gespür - hat in den vergangenen Wochen keine gute Figur gemacht. Zuerst traute er sich nicht, gegen Blatter zu kandidieren. Mit seinem Versuch, den Schweizer vor der Wiederwahl zum Rücktritt zu animieren, scheiterte er kläglich. Beim Kongress am 29. Mai in Zürich lümmelte sich der Fifa-Vize genervt oder gelangweilt auf dem Ehrenpodium und ließ die letztlich doch noch zur Makulatur gewordene Wiederwahl des umstrittenen Schweizers über sich ergehen.

Von Platini war man andere Führungsstärke gewohnt. In mittlerweile acht Jahren an der Uefa-Spitze hat er den europäischen Fußball mit maximalem Expansionsdrang zu ökonomischen Topwerten geführt. Krude wirkende Ideen, wie eine EM mit 24 Teams oder ein Pan-Europa-Turnier 2020 in 13 Ländern, setzte er - auch gegen verhaltenen deutschen Widerstand - ebenso durch wie die Nationenliga ab 2018.

Nur beim Griff nach dem Fifa-Thron fehlt Platini Fortune. Mächtig geärgert dürfte sich der Europameister von 1984 haben, dass er es nicht wagte, gegen Blatter zu kandidieren. Hätte er und nicht der Ersatzkandidat Prinz Ali bin al Hussein am 29. Mai zur Wahl gestanden, würde er zumindest jetzt im Lichte der massiven Fifa-Krise als logischer Nachfolger von Blatter gelten.

Sohn hat Posten in Katar

So schwingen aber - offenbar auch beim DFB - Zweifel mit, ob Platini der richtige Mann ist, um den Weltverband zu reformieren. Sein Engagement für die WM 2022 in Katar, wo sein Sohn einen lukrativen Posten bekam, bleibt ein Glaubwürdigkeitsmakel. Und nicht einmal Fußball-Europa hat Platini im Kampf gegen Blatter vereinen können. Große Verbände wie Spanien und - wie peinlich - der aus Frankreich, verweigerten ihm die Gefolgschaft, was letztlich auch einen Kongress-Boykott unmöglich machte.

Spätestens nach dem 20. Juli, wenn das Fifa-Exekutivkomitee den Wahltermin festlegen will, wird sich Platini entscheiden müssen. Im Uefa-Hauptsitz am Genfer See hört man, dass es dem Hausherren am liebsten wäre, wenn er die Fifa regieren, die Uefa aber weiter kontrollieren könnte - oder umgekehrt. Neben der eigenen Personalfrage, muss Platini also einen Kandidaten suchen, der den anderen Verband in seinem Sinne lenken könnte. Für die Uefa wäre das DFB-Chef Niersbach. Sollte Platini aber in Europa bleiben wollen, käme für den Fifa-Chefthron mit Sicherheit Scheich Ahmad infrage.
Weitere Beiträge zu den Themen: Nyon (24)Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.