Üppiges für Augen und Ohren

Die Kostümbildnerin Sophia Ritz (hinten, Zweite von links) hat die Akteure des Opern-Pasticcios "Amoena und Amanda" prächtig eingekleidet. Michael Kämmle, Komponist und Dirigent (links), freut sich schon auf die Aufführung, die bei passendem Wetter im Rosengarten am Schloss läuft. Bild: cog

Dank Knorr von Rosenroth spielt Sulzbach-Rosenberg 2015 wieder im Konzert der Festspielstädte mit. Neben das barocke Theatererlebnis tritt dabei ein besonderer Konzertgenuss.

Im 17. Jahrhundert war Sulzbach ein Zentrum des deutschen Geisteslebens und auch Kulturstadt. Daran erinnern die Knorr-von-Rosenroth-Festspiele, die zusammen mit der Städtischen Sing- und Musikschule die Sulzbacher Hofmusiktage veranstalten. Wir sprachen mit Michael Kämmle, Fachmann für Alte Musik und Flötenlehrer an der SMS, der zu diesem Musikereignis einlädt.

Herr Kämmle, was erwartet das Publikum bei den Sulzbacher Hofmusiktagen?

Wir bieten ein Opern-Pasticcio, nämlich "Die höchst erbauliche Geschichte von Amoena und Amandus", das von fortgeschrittenen Musikschülern und Profis aufgeführt wird, außerdem ein Konzert der "Neuen Nürnberger Ratsmusik".

Erzählen Sie mehr über "Amoena und Amandus".

Das ist eine Barockoper, die wir in historischer Aufführungspraxis auf die Bühne bringen. Tatsächlich ist es ein Pasticcio. Das italienische Wort bedeutet Pastete. Genauso ist die Oper entstanden: Man tut alles hinein, was man hat. Im Barock, vor allem im 18. Jahrhundert, war das ein übliches Verfahren. Ich habe also musikalische und textliche Vorlagen aus der Zeit Herzog Christian Augusts und Knorr von Rosenroths neu zusammengestellt.

Aus welchen Quellen haben Sie geschöpft?

Es wird Musik erklingen, die schon in der Barockzeit hier gespielt wurde. Sie stammt überwiegend von Sigmund Theophil Staden und Johann Erasmus Kindermann, die beide lange Zeit in Nürnberg wirkten, und von Peter Meyer, der zu Zeiten Knorrs am hiesigen Hof war. Seine Instrumentalmusik ist aber nur fragmentarisch erhalten, ich habe sie deshalb für unser Opernprojekt ergänzt.

Der Text ist eine literarische Collage. Die Hauptvorlage ist der Schäferroman "Amoena und Amandus" von 1632, der damals ein Bestseller war. Aber es fließt auch noch ein zweiter Schäferroman ein. Unsere Oper ist eine Liebesgeschichte.

Wer macht alles mit?

Wir haben sechs jugendliche Solosängerinnen, einen Frauenchor und ein Orchester mit Blockflöten, Geigen, Cello und Fagott, außerdem eine große Continuogruppe mit Cembalo, Orgel und Theorbe, also einer barocken Basslaute. Sie wird von einem Absolventen der Nürnberger Musikhochschule gespielt. Zu den Musikern kommen noch drei Sprecher.

Beim Stichwort Barock denkt man an prächtige Kleider.

Die Kostümbildnerin Sophia Ritz hat für die Sängerinnen und Sprecher wunderschöne Kostüme genäht. So wird die Aufführung ein Ohrenschmaus, aber auch ein Fest für die Augen. Also ein sinnliches Erlebnis, das in seiner Üppigkeit im besten Sinne barock ist.

Und am nächsten Morgen gibt es das Konzert.

Zusammen mit anderen Fachleuten für Alte Musik habe ich vor zehn Jahren die "Neue Nürnberger Ratsmusik" gegründet. Dieses Jubiläum feiern wir mit einer Reihe von Konzerten in der Metropolregion. Das Ensemble besteht aus solistisch besetzten Streichern mit Geigen, Bratsche und Violone, mir als Flötisten und Ralf Waldner, der an der hiesigen Berufsfachschule für Musik Cembalo unterrichtet.

Die seltene Besetzung mit den Doppelsolisten Flöte und Cembalo ermöglicht aparte Klangwirkungen. Hierfür haben wir Concerti von Johan Agrell ausgewählt. Er war Schwede und wirkte im 18. Jahrhundert als Kapellmeister der Ratsmusik in Nürnberg. Die Concerti wurden dort komponiert und gedruckt. Agrell stand zwischen den Welten des Barock und der Klassik. Seine Kompositionen sind teils empfindsam, teils zeigen sie Züge des Sturm und Drang. Insgesamt sind die Stücke sehr virtuos. Die "Neue Nürnberger Ratsmusik" wird mit historischen Instrumenten ein Klangerlebnis wie im 18. Jahrhundert bieten.
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