Um 400 Jahre älter

Am Waldrand über dem Dorf Utzenhofen führt der Wanderweg in aussichtsreicher Lage entlang. Bilder: Moser (4)

Bei der Flurbereinigung von 1997 wurden bei Mühlhausen vier Rundwege ausgeschildert, die mit 21 Thementafeln Wissenswertes über Geologie, Magerrasen, Weidewirtschaft, Lebensraum Hecke oder Mühlen und Wehre vermitteln - aber nicht nur das.

Insgesamt 16 Kilometer Weglänge sollen es laut Flyer sein, wenn man alle Themenwege abwandert. Wir haben uns für einen Teil entschieden, der an heißen Sommertagen immer noch lang genug ist, um unterwegs von Bremsen geplagt zu werden. Ausgangspunkt ist Mühlhausen an einem kleinen Parkplatz, der nicht zu übersehen ist, da auf einer Anhöhe rechts eine Feldkapelle steht.

Auf geteertem Weg unterhalb der Kapelle zu einem qualitätsvollen Blechschnittkreuz - hier links abbiegen und auf dem Flurbereinigungsweg weiter. Eine dichte Hecke mit Holunder, Haselnuss, Hainbuche, Weißdorn, Holzbirne, Kirsche und Kornapfel begleitet uns. Beidseits des Weges ein breiter Vegetationsstreifen. Flurbereinigung kann man gut und weniger gut umsetzen. An der Weggabelung geht es zunächst geradeaus weiter, auf der Kuppe dann scharf rechts ab und nach etwa 50 Metern links den Wiesenweg entlang einer Heckenreihe. Wegwarte, Nachtkerze, Wilde Kamille und Thymian säumen den Weg, viele Schachbrettfalter, Rote Widderchen und Hummeln sind zu sehen. Nach einer Infotafel zur Erdgeschichte öffnet sich der Blick hinunter nach Utzenhofen mit seiner St.-Vitus-Kirche. 2012 wurden bei Grabungen in der Kirche die Reste einer Holzkirche entdeckt, die Dr. Mathias Hensch in die Zeit um 800 datiert.

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Utzenhofen war damit plötzlich 400 Jahre älter geworden. Eine absolute Besonderheit sind acht Pfeilspitzen mit Schaftdorn, die von einem Überfall ungarischer Reiterkrieger stammen, deren Raubzüge von etwa 900 bis 955 in der Region bezeugt sind. Infotafeln und eine Vitrine in der Kirche informieren darüber.

Wir kommen nun auf eine Teerstraße, der wir einige Meter nach rechts folgen. Nach der Infotafel zur Geologie des Jura links abbiegen, den Wiesenweg entlang und bei einer Hochspannungsleitung wieder links halten. Hier hat man das erste Mal den Blick hinüber nach Umelsdorf. Bei einem Hochsitz kurz nach links und darauf gleich wieder rechts an der Hecke entlang. Das muss man so ausführlich beschreiben, weil die meisten Markierungszeichen leider fehlen. Zum Trost: Man kann sich aber kaum verirren, wenn man sich an den Waldrand hält.

Wir queren eine Obstbaumallee, Bank und Tisch laden zur Rast ein. Nun geradeaus hoch und links durch ein kleines Waldstück. Nach der Infotafel sechs über mittelalterliche Eisenverhüttung etwa 500 Meter auf der Teerstraße hinab zum Ortsanfang Umelsdorf und beim kleinen Spielplatz rechts abbiegen. Weiter geht es nun auf einem Schotterweg zu einem Wacholderhang mit einem Felsen oben am Waldrand, der Steinernen Jungfrau.

Die Vegetation ist jetzt im Hochsommer natürlich kärglich, nur der Fruchtstand vom Klappertopf ist zu finden, ab und zu die Flockenblume und die Kartäusernelke. Im Frühjahr ist dieser Hang mit Schlüsselblumen förmlich übersät, später dann im Frühsommer ist hier ein Orchideenstandort, wo so manche Rarität wie das Brandknabenkraut zu finden ist.

Bei der Tafel 10 kehren wir um und marschieren wenige hundert Meter zurück in den Ort hinunter, wo uns die Chorturmkirche St. Nikolaus begrüßt. Ihre Errichtungszeit liegt zwischen 1260 und 1270. Dafür spricht, wie Mathias Conrad erklärte, das "staufische Mauerwerk" mit glatt behauenen, mittelformatigen Dolomitquadern. Bei der Betrachtung des Mauerwerks wird deutlich, dass die Kirche ursprünglich einen Rechteckchor besaß, der in gotischer Zeit zum Chorturm aufgestockt worden ist.

Nun überqueren wir den Wierlbach und marschieren in Ostrichtung weiter. Der Bach ist im Sommer nur noch ein Rinnsal. Die Tafel sieben informiert über die Bedeutung des Wassers in der Alb, das früher in Zisternen oder in Hüllen (kleinen Dorfteichen) gesammelt wurde. Für die Dörfer auf der Hochfläche der Alb wurde bei Wasserknappheit das Lebenselixier oft mit Ochsengespannen herantranportiert. Nach einem guten Kilometer auf einem Flurbereinigungsweg erreichen wir Utzenhofen. Es lohnt, sich in diesem Ort etwas umzusehen. Ein altes Bauernhaus ist zu entdecken, das noch im Verfall seinen ursprünglichen Charme verstrahlt.

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Weg zur Lourdesgrotte

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Wir überqueren nun die Straße und kommen zur einer gefassten Quelle. Hier zweigt rechts ein Weg ab, der zur Lourdesgrotte am Hang des Hummelberges führt. Nach der Marienerscheinung in Lourdes in Frankreich im Jahre 1858 schossen überall die nachempfundenen Grotten mit weißen Madonnenstatuen wie Pilze aus dem Boden. (Hin und zurück etwa eine halbe Stunde). Sehenswert, die größte Grotte weit und breit!

Nach dem Abstecher folgen wir weiter dem Bachlauf. Der Weg ist nun schattig, eine weitere Tafel informiert über Mühlen und Wehre. Nach etwa eineinhalb Kilometern (ab Utzenhofen) erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt: Mühlhausen.
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