Umbetten statt entschlafen

Wie hier in Leipzig, bekommen auch Patienten im Bezirkskrankenhaus Wöllershof erklärt, wie eine Schlafmaske funktioniert. Findet sich dort aber nicht in den nächsten Jahren ein Facharzt, droht dem Schlaflabor die Schließung. Bild: dpa

Das Schlaflabor im Bezirksklinikum Wöllershof steht auf der Kippe. Möglicherweise muss es in drei Jahren zusperren. Es sei denn, bis dahin findet sich ein geeigneter Schlafmediziner. Zu einem anderen Standort gibt es bereits Überlegungen.

"Es sieht nicht gut aus", gibt Kurt Häupl zu. Der Vorstand der medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (Medbo) sagt, dass das Schlaflabor in Wöllershof mit Dr. Tamara Kunze steht und fällt. Die versierte Schlafmedizinerin geht in drei Jahren in den Ruhestand. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Somnologen sind in ganz Deutschland knapp.

Sollte sich daran nichts ändern, könnte sich Häupl vorstellen, das Labor ans Klinikum Weiden abzugeben. "Das wäre eine Option. Ich habe aber noch nicht mit Vorstand Josef Götz darüber gesprochen." Der Medbo-Chef sieht in diesem Fall die Möglichkeit, dass Wöllershof "konziliarische Dienstleistungen bei der Schlafdiagnostik abdeckt", also bei psychiatrisch bedingten Schlafstörungen mit Rat und Tat zur Seite steht.

"Eher untypisch"

Laut Häupl ist ein Schlaflabor an einer psychiatrischen Klinik "nicht unbedingt typisch". Meist ist es Teil eines somatischen Hauses, das auch eine Innere, eine HNO- oder eine Lungenfachabteilung vorhält. Das wäre in Weiden der Fall. Häupl will nicht missverstanden werden: Das Labor in Wöllershof habe auch in der Psychiatrie seine Berechtigung. So können Schlafstörungen beispielsweise mit Depressionen zusammenhängen. Oft aber stecken Atemwegsprobleme dahinter. Oder eine Kombination mit der Psyche. Liegt letztere vor, oder der Verdacht darauf, können Lungenärzte weiter Kassenpatienten ins Wöllershofer Labor überweisen.

Falsche Gerüchte

Raucher, Schnarcher oder Übergewichtige, die psychisch unauffällig sind, haben schlechtere Chancen, dort einen der drei Schlafplätze zu ergattern. Das hängt damit zusammen, dass Dr. Kunze im September ihre Arbeitszeit von 40 auf 30 Stunden reduziert hat. Zugleich hat sie ihre Kassenzulassung zurückgegeben. Über die Gründe möchte sie nicht sprechen. Die Konsequenz jedoch heißt, dass Kunze Patienten ohne psychiatrischen Kontext nur mehr privat abrechnen kann.

Daher kommt wohl das Gerücht, dass Wöllershof im Schlaflabor nur noch Privatpatienten aufnimmt. "Stimmt nicht", ärgert sich Medizinischer Direktor Dr. Heribert Fleischmann. "Unser Privatpatientengeschäft ist minimal. Es gibt bei uns keine privilegierte Behandlung." Das Gerücht rühre wohl eher daher, dass Wöllershof seine drei Schlaflabor-Betten für die eigenen psychiatrischen Patienten brauche. Die Wartezeit auf einen Platz beträgt acht bis neun Monate. Sollte Dr. Kunze mal ausfallen, muss dem Patienten abgesagt werden. Aber auch das war schon mal dramatischer, sagt Fleischmann, der das Labor 1998 mit aufgebaut hat. "Früher musste man bis zu anderthalb Jahre warten." Inzwischen gebe es aber Einrichtungen in Amberg und Nabburg, die einiges abfangen. Daher lässt Fleischmann auch nicht gelten, dass ein Arzt am Bezirksklinikum zu wenig sei. Im Gegenteil: "Das ist Luxus. Wir haben 3 Plätze, in anderen Häusern kommt auf 12 auch nur einer." Auf das Wort Schließung reagiert er schmallippig: "Das werden wir schon sehen. Ziel ist die Erhaltung."
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