Umgehauen und ausgeödet

Im Fall "Sazenhofen gegen Kazner" gab es jede Menge Anklagepunkte. Alle möglichen Vergehen wurden dem Pflegkommissar vorgeworfen: Entgegen einer bayerischen Verordnung habe er 1722 102 Maibäume abhauen lassen, heißt es da. Zwei von den Bauern gefangene Hirschkälber soll er zu sich genommen und aufgezogen haben , wodurch der Wildbestand "ausgeödet" wurde. Amtsförster Andreas Setiger beklagt "verderblichen" Umgang mit der Holzabgabe: Er und sein Jäger seien mit der Peitsche durch den Wald gejagt worden. Durch Amtshandlungen im Eigenheim werde "dem Tafernwirt zu Haus Murach die Losung entzogen", so eine weitere Klage. Bei der Handhabung des Polizeiwesens wird Kazner Parteilichkeit bei Gewichts- und Preiskontrollen vorgeworfen, besonders das Bier sei wegen der schlechten Qualität nur den halben Bierpreis wert. Ein weiterer Vorwurf betraf eine lockere Amtsführung, die das Tanzen, Spielen, Saufen, Herumlungern in den Gassen, verschiedene gottlose Aufführungen, Fastnachtlaufen und Mummenschanz (Maskenfest) in den heiligsten Nächten erlaubt. Außerdem habe der Beamte an keinem kirchlichen Umzug, Bitt- oder Dankgang teilgenommen oder Engelamt teilgenommen, den für ihn vorgesehenen Kirchenstuhl verschmäht. Nicht zuletzt wird Kazner mit einem Feuer im Haus des Gerichtsschreibers in Verbindung gebracht. (bgl)
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