Umsonst den "Klang des Lebens" hören

Barbara Clear komponiert, singt, spielt Gitarre, malt Bilder, fotografiert, erstellt Kurzfilme und Animationen ihrer Gemälde - und produziert aus allen Kunstformen außergewöhnliche Konzertshows. Bilder: Clear (2)

"Bei freiem Eintritt weiß man nie vorher, was passiert, es hängt von vielen Faktoren ab, wie viel Menschen zu einem Konzert kommen", erzählt die Musikerin Barbara Clear im Interview. Auf die Besucherzahlen in Weiden und Amberg ist sie schon sehr gespannt.

Weiden/Amberg.Vor zehn Jahren sorgte Barbara Clear für Furore, als die Musikerin in Eigenregie die Münchner Olympiahalle buchte und 8000 Besucher mobilisierte. Dieses "System" hat sich inzwischen bewährt. Die Eintritte zu ihren Konzerten sind nach wie vor frei. Mit dem Projekt "Klang des Lebens" kommt sie jetzt nach Weiden und Amberg.

Sind Sie vor Ihren Auftritten noch immer aufgeregt und fragen sich (ohne Vorverkaufskontrolle): Wie viel Menschen werden wohl heute Abend kommen?

Barbara Clear: Nach 800 Konzerten in den letzten zehn Jahren bin ich nicht mehr aufgeregt, aber natürlich frage ich mich vor jedem Konzert, wie viel Menschen wohl am Abend kommen werden. Insbesondere seit 2008, als ich beschlossen habe, meine Konzerte nur noch mit freiem Eintritt zu veranstalten. Seitdem ist es extra spannend, denn mal kommen 2000 Menschen wie in Oberstdorf oder 500 im ostfriesischen Leer, mal 50 wie in Idstein oder 80 in Ingolstadt. Bei freiem Eintritt weiß man nie vorher, was passiert, es hängt von vielen Faktoren ab, wie viel Menschen zu einem Clear-Konzert kommen. Im Jahresschnitt sind's dann 300 pro Konzert und so geht es dann insgesamt gut auf.

Jetzt sind Sie ja nicht nur Musikerin, sondern auch Bildende Künstlerin. Seit vielen Jahren malen Sie auch. Wie würden Sie Ihre Kunst selbst beschreiben?

Clear: Meine Kunst besteht aus mehreren Facetten: Musik, Malerei und Poesie. Für mich sind das Sprachschätze der Seele. Das mag in den zynischen Zeiten, in denen wir uns tummeln, pathetisch klingen, aber weder industrielle Dumpfbacken-Popmusik oder Blubber-Texte noch Malerei, die für einen Kunstmarkt produziert wird, erreichen die Seele der Menschen. All das wird konsumiert ohne nachzudenken, weil's überall angeboten wird.

Man benutzt es, aber wenn's nicht da wäre, ist es auch egal, weil austauschbar und so faszinierend wie ein Toaster. Der Mensch hat aber nun mal eine Seele, sie lässt sich nicht ununterbrochen zutröten oder zumüllen. Sie wehrt sich und stellt Fragen. Ich versuche Antworten zu finden, in dem ich dem Klang des Lebens lausche - in diesen Momenten entsteht meine Kunst.

Sie haben auch Ihre Kunst auf Porzellan-Tellern und -tassen festgehalten. Dabei kam es zu einer Zusammenarbeit mit der renommierten Firma Seltmann Weiden. Wie kam es dazu?

Clear: Wir haben beide gleichzeitig zueinander gefunden, weil das einfach so passieren musste. Ich suchte einen professionellen und renommierten Partner, der meine Gemälde auf hochwertigem Porzellan produzieren kann, Seltmann Weiden ist ein aufgeschlossenes und kreatives Unternehmen, das auf mich als Künstler zu- und großartig eingegangen ist. Nach vielen Jahren ist das eine perfekte Zusammenarbeit, die sehr gut funktioniert, weil jede Partei mit entsprechender Achtung gegenüber der anderen agiert.

Ihre aktuelle Tour, die unter dem Titel "Klang des Lebens" steht, ist auch in Weiden und Amberg zu sehen. Sie bezeichnen dies als "aufwendiges Kunstereignis in XXL-Format". Was erwartet Ihre Besucher an diesem Abend?

Clear: Ein optisches und musikalisches Spektakel, etwas, was man in der Form noch nicht erlebt und gesehen hat: Die Symbiose von Malerei, von Animationen von Gemälden mit Einbindung von Fotos und Filmen, alles in Verbindung und abgestimmt mit meiner Musik. Und alles kreiert und produziert von einem einzigen Menschen, der auf der Suche ist nach dem Klang des Lebens. Die Premiere gab es in der Olympiahalle München mit Projektionen auf 30 Meter Breite und 15 Meter Höhe, das war ein gigantisch aufwendiges Werk, deshalb XXL-Format. Auf den kleineren Bühnen in Weiden und Amberg kann man das nicht so großformatig darstellen, aber immerhin noch so groß, dass es bühnenfüllend und als Spektakel zu erleben sein wird.

Und was dürfen sich die "reinen" Barbara-Clear-Musik-Fans freuen?

Clear: Ich glaube, die von den Medien meistverwendete Überschrift für meine Konzerte lautete: "Ein Frau wie ein Orchester". Das ist ein großes Kompliment für eine Stimme und eine Gitarre, aber das schreibt man ja nicht, wenn's nur nach Stimme und Gitarre geklungen hätte. Ich sehe nicht, dass ich mich in all den Jahren musikalisch zurückentwickelt habe, darauf können die "reinen" Barbara-Clear-Musik-Fans sich freuen.

Allerdings spiele ich auch heute keine Pop-, Party- oder Tätärätä-Mitklatsch-Musik, das können andere besser und enthusiastischer. Ich habe in meiner Musik meine eigene Sprache entwickelt, mit der ich die Themen verarbeite, die mich beschäftigen. Das sind nach wie vor keine Beziehungskisten oder Persönlichkeitsdefizit-Verarbeitungen, also eher nicht Formatradio-tauglich, dafür so spannend wie eine Reportage sein kann aus einer Welt, die wir erst wieder neu entdecken müssen.

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Barbara Clear kommt am Freitag, 20. Februar, nach Weiden (Max-Reger-Halle, Konzertbeginn: 20 Uhr) und am Sonntag, 1. März nach Amberg (ACC, Konzertbeginn 19 Uhr). Der Eintritt ist frei, Barbara Clear überlässt es den Besuchern, was ihnen das Konzert wert war. "Eintritt-Frei"-Tickets, die den Einlass und Platz garantieren, sind kostenfrei erhältlich beim NT/AT-Ticketservice (Telefon 0961/85550 und 09621/306230) oder zu bestellen unter www.barbara-clear.de. Die Tickets werden kostenfrei abgegeben oder zugeschickt.
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