"Umsonst ist der Tod, und der kost's Leb'n" - Josef Schmaußer erklärt Hintergründe
Totenbrauchtum erzählt viel

(sön) "Wenn im Herbst die Bäume ihre Blätter verlieren, wird uns Menschen bewusst, dass die Lebenszeit begrenzt ist", führte Josef Schmaußer, Heimatpfleger in Ursensollen, in das Totenbrauchtum unserer Gegend ein. Der Heimatverein hatte ihn in den Landgasthof Zum Bärenwirt eingeladen, und Vorstandsmitglied Werner Meiler freute sich über einen guten Besuch.

Musik gab's auch, Albert Kräuter spielte mit seiner Steyrischen dezent zwischen den Vortragspassagen. Tragisches, Hintergründiges und Humorvolles über das Sterben erzählte schließlich Schmaußer. Gängige Redewendungen seien aufschlussreich, zitierte der Heimatpfleger etwa Sätze wie "Umsonst ist der Tod, und der kost's Leb'n" oder "zum Sterb'n mua ma se Zeit nehma". Seine Mutter, so Schmaußer, habe eher hintersinnig gerne gescherzt: "Das Sterb'n, das heb' ich mir als Letztes auf."

Um Redewendungen wie "Jetzt is er vom Stangerl g'fallen" oder "der is auch scho über's Brettl g'rutscht" zu verstehen, seien die geschichtliche Zusammenhänge interessant. Erst um 1800 seien bei Beerdigungen Särge gebräuchlich geworden. Zuvor habe es oft "Ausschütt-Truhen" gegeben. Aus ihnen sei der Verstorbene ins Grab "geschüttet" worden, sprich, man hat ihn in die Grube rutschen lassen. Schmaußer gelang ein Spagat zwischen der Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem Thema und volkstümlichem "Galgenhumor," der nicht selten Beerdigungen umgibt.

Er ging auch stets auf Brauchtums-Unterschiede in überwiegend katholischen und evangelischen Gebieten ein. Etwa beim Allerseelenspitzel: In der evangelischen Version schenkt der Taufpate dem Patenkind bis zur Schulentlassung jährlich ein Spitzel. In den katholischen Gebieten sei es der Firmpate, der seinem Schützling drei Jahre ein großes Spitzel zukommen lässt. Der Beschenkte dankt mit einem "Vergelt's Gott!" und dem Zusatz "für die Armen Seelen." Das letzte, überdimensionale Gebäck erhält das Patenkind zur Hochzeit als "Spießwecken."
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