Unbändige Lust am Gestalten

Ihre Werke zeigen unbändige Lust am Gestalten, am Improvisieren und am Ausloten technischer Grenzen: 19 Glaskünstler haben im Kulturschloss Theuern eine Ausstellung mit bemerkenswerten Arbeiten gestaltet. Ihr Thema: "Barocke Lust, Leben und Tod".

Der Barock ist in der Kunst und als Lebensstil Sinnbild für üppige Prachtentfaltung: Dies lassen die Glasarbeiten in Theuern erkennen. Neben der Darstellung der Lust und der Lebensfreude spielt aber immer auch die Vergänglichkeit eine wichtige Rolle - so, wie im Titel der Ausstellung ausgedrückt. 19 Glaskünstler haben sich mit dem Thema befasst. Rund 80 Werke zeigen sie - die meisten nur für diese Schau geschaffen.

"Eine Kunstausstellung zu organisieren, die eine Epoche und Stilrichtung thematisiert, die uns heute Lebenden auf den ersten Blick fremd und fein ist, war eine Herausforderung - aber gerade deshalb interessant und inspirierend", so fasste es Kurator Hermann Ritterswürden aus Zwiesel zusammen. Den Einführungsvortrag am Sonntag hielt Karin Rühl, Direktorin des Staatlichen Museums zur Geschichte der Glaskultur.

"Barockeln ist (k)ein Leichtes" hatte sie ihre Anmerkungen überschrieben. Der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. und das Schloss in Versailles stünden sinnbildlich für das gesteigerte Bedürfnis nach Prunk und Dekoration. Es sei besonders augenfällig in der Architektur und im Kunsthandwerk. Aufwendig veredelte Glasprodukte, Spiegel, Kronleuchter und Gravuren spielten eine große Rolle, sagte Rühl. Vom Können wandernder Glasmacher sei ganz Europa begeistert gewesen.

"Glas war der verführerische Werkstoff schlechthin. Seine Brillanz inspirierte im Zeitalter des Barock auch in Böhmen und Bayern die Kreativität und Schaffensfreude der Glasmacher am Ofen wie kein anderer", schlug die Referentin den Bogen nach Bayern, Schlesien, Böhmen, in die Glashütten, zu Schnitt, Gravur und Veredelung. Zum 20. Jahrhundert hin habe das zur Virtuosität gelangte Schaffen noch einmal eine Wiedergeburt erlebt. "Was in einem langwierigen Prozess des freihändigen Formens, ständigen Einwärmens und üppigen Belegens an der Grundform entstand, nannten die Glasmacher vor 1930 ein Barockgloszeug oder eine Barockarbeit, die Tätigkeit selber Barockan oder eben Barockeln." Letzeres, auch Bömakeln oder Schinden, bedeute kunstbeflissen, virtuos und sehr aufwendig Glas zu gestalten. "Aber das hat sich für die bayerischen Hütten nach 1900 nicht mehr gelohnt."

Karaffen- und Röhrenspiel, Schlagzeug, Schlappofon, Klarinette, Undu und Kalimba - natürlich alles aus Glas: Mit diesen Instrumenten begleitete Pura Crema - Heinz Grobmeier, Frank Wendeberg und Peter Knoll - die Vernissage. (Blickpunkt)
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