Unglück überschattet Neubau

Schützenmeister Johann Gösl (hinten, rechts) würdigte langjährige Mitglieder mit Ehrennadeln. Verärgert war er über unentschuldigtes Fernbleiben. Bild: dob

Die Roggensteiner "Edelweiß"-Schützen können auf große Zeiten zurückblicken und haben zahlreiche Schieß-Asse hervorgebracht. Problem: Der Bau der neuen 100-Meter-Anlage kommt nicht voran. Zudem drohen Abgaben-Erhöhungen.

Gauschützenmeister Stefan Brandmiller erteilte Schützenmeister Johann Gösl in der Jahreshauptversammlung der "Edelweiß"-Schützen am Dreikönigstag im Schützenhaus einen klaren Auftrag: "Bitte, setze dich beim Bayerischen Schützentag für eine moderate Beitrags-Anhebung des Deutschen Schützenbundes ein." Angedacht sei eine Erhöhung um 50 Cent pro Mitglied. Bei 430 Mitgliedern wären das satte 200 Euro für den Roggensteiner Verein. "Zu viel", entgegnete Gösl.

Kein Klacks

Schon die bisherigen Abgaben und Versicherungen in Höhe von 2000 Euro seien schwer zu schultern. Nun kämen weitere 200 Euro oben drauf. Kein Klacks. Viele Vereine könnten nach so einer drastischen Anhebung sicher nicht mehr wirtschaftlich arbeiten, vermutete der Redner. Deprimiert war Gösl auch über die Tatsache, dass der Verein pro Jahr viel Geld in die Glückwunschkarten für seine Mitglieder stecke. Oft würde jedoch nicht einmal ein Wohnungswechsel mitgeteilt, die Karten kämen wieder zurück. Porto und Kartendruck verschlingen viel Geld, von seinem persönlichen Aufwand ganz zu schweigen. Eine Abstimmung brachte Klarheit: Bis auf ein Mitglied waren sich alle einig, die Karten-Gratulationen abzuschaffen.

Das gleiche Bild zeichnete der Vorsitzende bei den Ehrungen: 68 Einladungen zur Jahreshauptversammlung habe er verschickt, gerade einmal 13 Auszuzeichnende waren gekommen. Denjenigen, die sich bei ihm entschuldigt hätten, würde er die Abzeichen persönlich bringen. Allerdings sehe er nicht ein, dass er den unentschuldigt fern Gebliebenen Nadeln und Urkunden hinterherfahren solle. "Wer will, kann sie sich bei einer anderen Gelegenheit abholen", sagte der Schützenmeister sichtlich verschnupft. Pro Ehrennadel zahle der Verein über sechs Euro.

Ein schriftlich eingereichter Antrag der Vorderladergruppe hob die Stimmung des Vorsitzenden nicht gerade an. Wären die Antragsteller bei den regelmäßigen Ausschuss-Sitzungen anwesend, wüssten sie Bescheid, denn hier sei bereits innig und heiß über das aufs Tablett gebrachte Thema Schießanlagen-Bau diskutiert worden.

Baufirma soll übernehmen

Die Vorderladergruppe will erreichen, dass die vor mehreren Jahren angefangene 100-Meter-Bahn im Schützenhaus offiziell einer Baufirma übergeben wird, um baldmöglichst damit fertig zu werden. Aus den Vorderlader-Reihen kamen bisher die eifrigsten Helfer. Thomas Zellner wandte ein, dass an dem Schießstand seit 25 Jahren gebaut werde. "Uns laufen doch die Leute davon." Gösl entgegnete, dass er über diesen Antrag heute unmöglich abstimmen lassen könne, denn zuerst müssten die Kosten ermittelt werden. "Mit mir als Schützenmeister wird es keine Schulden geben", grenzte Gösl sein Bestreben klar ein.

Angebote einholen

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer machte einen Vorschlag zur Güte, der die Gemüter auf beiden Seiten wieder etwas beruhigte: "Holt doch erst einmal Angebote ein, und dann könnt ihr entscheiden." In der Ausschuss-Sitzung am 3. Februar werde das Thema nun erneut behandelt, versprach Gösl. Leider gab es Ende Mai 2014 einen tragischen Unfall auf der Baustelle, der die Verantwortlichen schockte. Zwei Helfer verletzten sich mehr oder weniger schwer. Ein Baustopp war daraufhin unumgänglich. Dem betroffenen Vorderladerschützen Klaus Syma wünschte Gösl baldige Genesung.

Brandmiller kündigte den von vielen Schützen ersehnten Standaufsichts-Lehrgang an. Stephanie Graf legte die Jahresbilanz vor. Kassenprüfer Manfred Kraus bestätigte einwandfreie Buchführung. Sportleiter Michael Gösl ging auf die vielen Wettbewerbe ein. Auf die reichlichen gesellschaftlichen Aktivitäten kam Gösl zu sprechen. Neben zehn Austritten verzeichnete der Verein drei Neuaufnahmen. Die abwechslungsreiche sportliche Betätigung in der Kommune ist für Wutzlhofer ein wichtiger Standortfaktor. Nicht zuletzt die Schützenvereine böten eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Ein Stück weit werde dadurch die Lebensqualität gesteigert.

"Ihr leistet eine hervorragende Arbeit", lobte Wutzlhofer und erwähnte die 16 000 Euro, mit denen die Stadt die Vereine 2014 förderte. Das Geld werde sinnvoll eingesetzt und sei einmalig im Landkreis, dankte Gösl.
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