Unter Eid: Ein Augenzeuge berichtet

Der ehemalige Wehrmachtssoldat H.R.C. Krüger, Wiesbaden, erlebte den Durchmarsch von 800 bis 1000 Buchenwald-Häftlingen und war zwischen Groschlattengrün und Pechbrunn (Kreis Tirschenreuth) am 15. April Zeuge einer Massenerschießung. Vier Wochen später machte er vor den Ermittlern der US Army in Wiesbaden - unter Eid - auf vier Schreibmaschinenseiten detaillierte Angaben:

"Ich, Heinz Robert Christian Krüger, erkläre unter Eid: ... Der Zug bestand aus etwa 800 bis 1000 Männern. Diese wurden von etwa 20 SS-Leuten mit einigen Hunden begleitet. ... Die Gefangenen waren in der Mehrzahl in Sträflingskleidung (gestreifte Hosen). Viele waren nur mit dieser Hose bekleidet und barfuß. Einige hatten zerlumpte Jacken oder einen schmutzigen Pullover oder auch Reste eines Hemdes an. Nur wenige trugen Schuhe, die man noch als solche bezeichnen kann, die meisten zerrissenes Fußzeug oder Lappen. Einige gingen an Holzstöcken gestützt. Die Gefangenen machten einen total verhungerten und vollständig erschöpften Eindruck. Viele waren nur noch Haut und Knochen. ... Sie bettelten die Bevölkerung um Brot und Wasser an. Einige bückten sich; mir gegenüber, vor einem Bauernhof und sammelten einige Getreidekörner auf. Sie wurden jedoch von der Begleitmannschaft sofort mit Knüppelschlägen weitergetrieben. Dabei brach ein Gefangener vollständig zusammen. Weitere Schläge mit einer Lederpeitsche in Nacken und Gesicht halfen nichts. Das Blut rann ihm aus Stirn und Ohren. Er wurde von einem SS-Mann an einem Gehöftzaun sitzen gelassen.

... Als ich den Bahnübergang am Ende des Dorfes in Richtung Mitterteich überschritt, sah ich dicht dahinter auf den Fahrradweg einen Gefangenen noch frisch blutend erschossen liegen. ... 10 bis 15 Meter weiter sah ich vom Chausseegraben zwei dicht beieinander liegende Gefangene, die kurz vorher erschossen sein mussten und noch zuckten. ...

Während ich näher kam, sah ich wie tote Gefangene von diesem Karren in eine Erdmulde geworfen wurden. Es waren etwa 12 oder 13 Leichen. Der eine Gefangene, der im Dorfe blutend und erschöpft sitzen gelassen worden war, wurde lebend auf die Leichen geworfen und von dem SS-Mann durch einen Schläfenschuß getötet. Unter den Leichen erkannte ich auch den einen großen Gefangenen, dessen Erschießung ich mit angesehen hatte. ...

In der beiliegenden Skizze habe ich die Stelle bezeichnet, wo die 12 oder 13 Leichen aus dem Gefangenenzug begraben sind. ... Aussage ... 25. Mai 1945 ... Ich schwöre bei Gott, dass dies die reine Wahrheit ist. gez. Heinz Robert Christian Krüger"

Zitiert aus der Sammlung Katrin Greiser (Gedenkstätte KZ Buchenwald)
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